Hybridhuhn vs. Rassehuhn in der Hobbyhaltung

Hybridhühner sind streng genommen das Ergebnis einer auf Leistung getrimmten Gesellschaft wie unserer. Das, was zählt, ist das, was hinten herauskommt. Ironischerweise lässt sich das beim Legehybrid ganz wörtlich nehmen … Die Legehybriden und Masthybriden mit Namen wie Lohmann Hühner, Blausperber oder Königsberger Huhn sind spezielle Hybridkreuzungen für die Geflügelproduktion mit ganz besonderen Qualitäten; mit ihnen lassen sich nämlich extrem viele Eier bzw. viel Fleisch erzeugen. Wir beleuchten hier, inwiefern sich die hochgezüchteten Hybridhühner auch für die Hobbyhaltung eignen und wagen einen lohnenden Vergleich mit den guten alten Hühnerrassen.

Das Hybridhuhn: Leistung nach Maß

Hybridhühner wurden ab der Mitte des letzten Jahrhunderts speziell auf eine besonders hohe Legeleistung bei geringem Futterverbrauch, eine bestimmte Schalenfarbe und Eiergewichtsklasse bei Legehybriden bzw. bei den Masthybriden auf einen besonders schnellen und ergiebigen Fleischansatz gezüchtet. In der Praxis sieht das so aus, dass verschiedene Hühnerrassen für die sogenannten Großelternlinien gekreuzt und mit strenger Leistungskontrolle weitergezüchtet werden.

Durch gezielte Kreuzung dieser Großelterntiere ergeben sich dann die Elterntiere der Hybriden, die schließlich die Bruteier für das Endprodukt, also für die Legehybride bzw. Masthybride liefern. Da das Endprodukt keine Reinzucht, sondern das Ergebnis mehrerer aufeinanderfolgender gezielter Kreuzungen ist, entsteht einerseits durch den sogenannten Heterosiseffekt eine zusätzliche Leistungssteigerung und andererseits kann mit den Endprodukten nicht weitergezüchtet werden, weil diese sich in den Nachfolgegenerationen unkontrolliert aufspalten würden.

Das ist auch der entscheidende Unterschied zu Rassegeflügel, welches unter Beibehaltung der rassespezifischen Eigenschaften weiter vermehrt werden kann.

Hybridhühner, die eigens für die industrielle Landwirtschaft, also professionelle Legehennenbetriebe und Mastanlagen, gezüchtet wurden haben aufgrund der enormen Leistung auch entsprechend hohe Ansprüche an Fütterung und Haltung. Bei der wirtschaftlich orientierten Aufzucht und Haltung wird dann auch nichts dem Zufall überlassen: fest aufeinander abgestimmte Licht- und Fütterungsprogramme sorgen für optimale Legeergebnisse bzw. Mastergebnisse nach einem festgelegten Zeitplan.

Vergleich: Wachstum Legehybridküken und Masthybridküken bei gleichem Schlupfdatum

Anfangs noch ähnlich groß, gibt es bereits innerhalb weniger Wochen enorme Unterschiede in der körperlichen Gestalt der Küken. Wenn Mastküken schlachtreif sind, haben Legeküken kaum Fleisch angesetzt. Sie beginnen etwa ab einem Alter von 18 Wochen mit dem Legen.

Diese Bildreihe zeigt zwei zum gleichen Zeitpunkt geschlüpfte Küken einer Legehybridlinie (linkes Küken im Bild) und einer Masthybridlinie (rechtes Küken im Bild) im Alter von 3 bis 34 Tagen.

Inwiefern sind Hybridhühner geeignet für die Hobbyhaltung?

Grundsätzlich ist ganz klar zu sagen, dass auch Hobbyhalter*innen Hybridhühner halten können. Wichtig ist nur, um die Besonderheiten der Hybride zu wissen, damit man weiß, worauf man sich einlässt. So ist beispielsweise die Legeleistung der Legehybriden im ersten Jahr noch enorm hoch, fällt aber ab dem zweiten Jahr stark ab oder versiegt schnell sogar gänzlich. Da Legehybriden auf eine Nutzungsdauer von ein oder maximal zwei Legeperioden ausgelegt sind, sind die Hennen nach dieser Zeit meist so ausgezehrt, dass sie körperlich ziemlich am Ende sind und teilweise auch recht früh sterben. Eine optimale Fütterung und Legepausen – z. B. im Herbst auf Kunstlicht verzichten – können die Gesundheit und Lebensdauer dieser Hühner etwas verlängern.

Bei den Masthybriden kommt es ja auf das Fleisch an. Was auch bedeutet, dass du deine Hühner schlachten (lassen) wirst. Das trauen sich nicht alle zu – handwerklich sowie als Gewissensentscheidung. Masthybriden sollte man sich wirklich nur anschaffen, wenn die Tiere dann tatsächlich auch rechtzeitig geschlachtet werden. Masthybriden können sonst z. B. in fortgeschrittenem Alter Probleme mit dem übermäßigen Wachstum haben – wenn sie beispielsweise durch die zu schwere Brust nach vorne fallen oder allgemeiner die Gelenke durch das Gewicht übermäßig belastet werden. Auch bei guter Pflege und Fütterung haben diese Tiere keine Möglichkeit, gesund alt zu werden und würden sich eher quälen.

Für zuchtinteressierte Hobbyhalter*innen sind Hybridhühner ebenfalls nicht geeignet, da es sich um Kreuzungen handelt und diese wie oben beschrieben nicht als Rasse mit definierten Eigenschaften weitergezüchtet werden können. Man kann Hybridhühner durchaus weiter vermehren, bekommt dann aber genetisch und optisch vollkommen verschiedene Küken, die auch in der Leistung nicht mit ihren Eltern vergleichbar sind. So kommt hier ein Kostenaspekt dazu, wenn private Halter*innen von Hybridhühnern immer neue Bruteier oder Küken beim Geflügelhändler oder -markt nachkaufen müssen.

Das Eingreifen in die Natur bzw. die genetisch programmierte Höchstleistung haben auch ihren Preis. So sind Hybridhühner im Vergleich zu Rassegeflügel anfälliger für Krankheiten und werden gesundheitsbedingt auch nicht so alt. Der Körper der Legehybriden ist nach einem Jahr andauernder Legeperiode bereits stark beansprucht, insbesondere die Legeorgane sind betroffen. Häufig ist auch Osteoporose (Knochenweiche) aufgrund von Kalziummangel. Das für die Bildung der Eierschalen benötigte Kalzium wird – wenn nicht ausreichend im Futter angeboten – den Knochen entzogen. Da die Tiere nicht einfach mit dem Legen aufhören können und notfalls körpereigene Reserven angreifen, ist es wichtig, immer ein entsprechend ausgewogenes optimiertes Futter wie spezielles Legehennenmehl, Hanf-Pellets bzw. zur Aufzucht auch ein entsprechendes Aufzucht- und Mastfutter anzubieten.

Mehr zu Kalziummangel bei Hühnern und wie du ihn erkennst liest du hier.

Tipps für die einschlägige Lektüre:

Über die fast vergessenen Vorzüge vom Rassehuhn

Viele Hobbyzüchter*innen sehen sich in der Verantwortung, besonders die alten und immer seltener gezüchteten Hühnerrassen zu schützen und erhalten. Recht haben sie! Wenn man bedenkt, dass womöglich nur vier Rassen den meisten kommerziellen Hybridzuchtlinien zugrunde liegen (die konkreten Daten zu den Kreuzungen unterliegen dem Geschäftsgeheimnis der Zuchtfirmen), ist die ungeheure Vielfalt der Rassehühner schön und spannend zugleich.

Rassegeflügel legt zwar im Jahresvergleich weniger Eier, dafür aber über mehrere Jahre hinweg und nicht nur ein Jahr. Je nach Rasse kann das Huhn Eier und Fleisch liefern. Genau genommen, können Neueinsteiger*innen oder erfahrene Hobbyhalter*innen anhand der rassetypischen Eigenschaften genau die Hühnerrasse(n) wählen, die am besten in ihr neues Zuhause passen. Welche Eigenschaften sind dir wichtig? Kleiner Garten, Kinder, wenig flugbegeistert, hoher Bruttrieb etc.?

Welche Hühnerrassen aktuell sehr beliebt sind und warum genau liest du in unserem Blogbeitrag zu Hühnerrassentrends.

Rassehühner sind grundsätzlich auch für die Zucht geeignet, was das große Vergnügen beschert, Küken in Naturbrut oder Kunstbrut selbst zu züchten und beim Aufwachsen zu begleiten. Rassenabhängig gibt es jedoch große Unterschiede in der Brutlaune. Schließlich ist jede Hühnerrasse nicht nur in seinem Aussehen individuell, sondern hat auch über die langjährige Zucht gefestigte Eigenschaften wie Bruttrieb, Legeleistung, Eigewicht, Eierschalenfarbe, Friedfertigkeit, Zähmbarkeit, Futterbedarf, usw. Zu beobachten, wie im Charakter einzigartige Hähne und Hühner die Hackordnung untereinander ausfechten und in welchem sozialen Gefüge sie zusammenleben und zusammenhalten, ist eine wahre Freude.

Die Neuen kommen – neue Hühner herzlich und artgerecht willkommen heißen.

Ein Vergleich: Hybridhuhn vs. Rassehuhn in der Hobbyhaltung

Hybridhuhn Rassehuhn
Für die Zucht geeignet? Nein Ja
Legeleistung Bei Legehybriden im ersten Jahr > 300 Eier, danach stark abfallend Legerassen erreichen an der Spitze 180 bis 230 Eier im 1. Jahr, können aber 3, 4 Jahre weiter relativ gut legen
Fleischertrag Masthybriden setzen schnell und viel Fleisch an Große Unterschiede, rasseabhängig ist ein guter Fleischansatz möglich aber über längere Mastzeit
Vielfalt Nur wenige Rassen als Basis für Kreuzungen der Elterntierlinien der verschiedenen Hybriden,

je nach Hybridsorte weiße oder braune Eier, auch Grünleger-Hybriden und Marans-Hybriden (dunkelbraune Eier)

180 Hühnerrassen in Europa, 2.000 weltweit,

legen rasseabhängig alle möglichen Schalenfarben: Weiß, Braun, Creme, Türkis, Schokobraun …

Gesundheit / Lebenserwartung In Massentierhaltung:

Legehybride: meist nur eine Legeperiode (12 bis 18 Monate)

Masthybride: bis zur Schlachtreife (4-6 Wochen),

langsam wachsende Masthybriden im Biobereich auch 10 Wochen

In Hobbyhaltung:

3 bis 4 Jahre

Legehybride neigen durch die genetisch veranlagte stetige Eierproduktion zu Osteoporose und Erkrankungen der Legeorgane

Masthybriden sind durch den enorm schnellen Fleischansatz häufig in ihrer Bewegung eingeschränkt und sollten unbedingt rechtzeitig geschlachtet werden, um dem Tier Qualen zu ersparen

5 bis 7 Jahre und teilweise älter

 

Je weniger Eier eine Rasse legt, desto länger ist die Nutzungsdauer zum Eierlegen ohne gesundheitliche Einbußen

 

Mast: je nach Rasse ca. 5 Monate

Kosten (Futter, Nachkäufe) Hybriden brauchen unbedingt ein speziell abgestimmtes entsprechendes Leistungsfutter (Legefutter oder Mastfutter)

 

Nachkommen müssen eingekauft werden

Ansprüche an Futter nicht ganz so hoch. Zufütterung von Küchenresten und Körnermischung zusätzlich zum Legefutter besser möglich.

 

Rassehühner können ohne gesundheitlichen Schaden über mehrere Jahre zum Eierlegen genutzt werden und Nachkommen können selbst nachgezüchtet werden

Der Kompromiss? Zweinutzungshühner

An dieser Stelle bringen wir noch eine weitere Gruppe ins Gespräch: die Zweinutzungshühner. Weil immer mehr Menschen den Hochleistungsbetrieben kritisch gegenüberstehen und das Tierwohl in den Vordergrund rücken, findet langsam, aber sicher ein Umdenken in der Gesellschaft statt. Zweinutzungshühner, die beides bieten, eine relativ hohe Legeleistung und einen ansehnlichen Fleischansatz, gewinnen daher immer mehr an Bedeutung. Zweinutzungshühner gibt es sowohl als Hybriden von den großen Geflügelkonzernen, aber auch als weitervermehrbare Zweinutzungsrasse.

Tipp: Und noch ein guter Kompromiss:

Bio Bruderhahn-Patenschaften: Damit erhalten die männlichen Küken aus der Legehennen-Züchtung ein artgerechtes Leben.

Hybridhühner bieten eine gewisse Sicherheit. Sie liefern zuverlässig kalkulierbar annähernd jeden Tag das leckere Frühstücksei oder sorgen für pünktlich planbare Sonntagsbraten in entsprechender Größe. Für all diejenigen, die beispielsweise im eigenen Hofladen ihre Erzeugnisse verkaufen, eine Pension führen oder eine große Familie mit Vorliebe für Eier- und Hühnerfleischspeisen haben, sind Hybridhühner eine Option. Wer Eier und Fleisch für den überschaubaren Eigenbedarf möchte, wird diesen mit Rassehühnern, insbesondere Zweinutzungshühnern, hervorragend decken können – und zudem von der enormen Vielfalt, der Robustheit, einer längeren Lebenserwartung und der Nachzuchtmöglichkeit etc. profitieren.

Quellenverweis:
By KAGFreiland, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38861054

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