Achtung Windei! – Kalzium-Mangel bei Hühnern

Was für eine faszinierende Leistung Hühner doch vollbringen, wenn sie in der Legephase beinahe täglich ein Ei legen. Für Legehybriden quasi selbstverständlich und hierzulande ein echter Popstar ist das Bielefelder Kennhuhn, das ca. 230 Eier im Jahr legt. Um diese Wahnsinnsleistung zu vollbringen, braucht es ein ausgewogenes und hochwertiges Futter – insbesondere eine bedarfsgerechte Versorgung mit Kalzium. Das Mineral wird vom ausgewachsenen Huhn vor allem für die Eierschalenbildung benötigt und bei Kalkmangel auch aus den Knochen entzogen. Eine zu geringe Kalziumzufuhr kann unter anderem zu Windeiern, Legenot oder Osteoporose (Knochenschwund) führen. Während der Eiproduktion wird den Knochen mehr oder weniger Kalzium entzogen und da die Hennen das Legen nicht einfach einstellen, kann ein Kalziummangel schnell an die Substanz gehen. Noch verheerender sind die Folgen von erschöpften Kalziumreserven für das Wachstum von Küken. Wir erklären, woran du einen Kalkmangel bei deinen Hühnern verlässlich erkennst und wie du ihn mit dem richtig gewählten Kalkfutter rasch beheben kannst.

Kalziummangel erkennen

Eine erwachsene Legehenne, also ab einem Alter von etwa 18 Wochen, benötigt ca. 4 Gramm Kalzium am Tag während ihrer Legephase. Zum Vergleich: Ein Ei der Gewichtsklasse M enthält rund 2 Gramm Kalzium. Eierschalen bestehen zu etwa 95 Prozent daraus. Das dafür benötigte Kalzium kann nur aus zwei Quellen stammen: aus der Nahrung und (im schlechteren Fall) aus den Knochen. Gerade, wenn täglich ein Ei gelegt wird, reicht der Anteil aus der Nahrung meist nicht aus, um die Eierschalen zu bilden. Weshalb der Henne nichts anderes übrigbleibt, als den Knochen den dort eingelagerten Mineralstoff zu entziehen.

Weil Hühner Kalzium nur bedingt speichern können, ist eine regelmäßige Versorgung damit von zentraler Bedeutung. Auch die Form und Korngröße des zugeführten Kalziums spielt eine große Rolle. Dabei reicht Kalzium allein nicht aus, um feste Eierschalen zu produzieren. Wichtige Nährstoffe sind außerdem weitere Mineralstoffe wie Phosphor und Magnesium, Spurenelemente wie Zink und Mangan und unter den Vitaminen vor allem das Vitamin D3, was u. a. die Aufnahme von Kalzium verbessert. Ein Mangel an Vitamin D3 hat genau genommen bei Hühnern vergleichbare Folgen wie ein Kalziummangel.

Einen Kalziummangel kannst du an folgenden „Symptomen“ erkennen:

  • (Häufigeres Auftreten von) Windeiern: Eier ohne Kalkschale, sondern nur mit dünner, weicher Schalenhaut
  • Hinweis: Windeier können z. B. auch stressbedingt auftreten
  • Eier mit sehr dünner, welliger, krümeliger, rissiger oder verformter Schale
  • Verminderte Legeleistung
  • Wachstumshemmungen bei Küken
  • Bei schwerem Kalziummangel: Rachitis (Mineralisierungsstörung bei Küken mit Knochendeformationen wie krumme Beine, weicher Schnabel und Brüchen, die Tiere hocken häufig)
  • Infolge von Fehlstellungen an Flügeln und Füßen bzw. Störungen der neurologischen Reizweiterleitung: Lähmungen
  • Federpicken und Kannibalismus

Ein Mangel an Kalk (Kalk = Calziumcarbonat) muss nicht immer direkt auffallen. Überprüfe daher regelmäßig den Kalkgritvorrat deiner Hühner bzw. achte auch bei den Inhaltsstoffen deines Futters auf passenden Kalziumgehalt. Spezielles Legefutter enthält meist 3,5 bis 4 Prozent Kalzium.

Übrigens auch das Gegenteil – ein Kalziumüberschuss – kann gefährlich sein. Ein Kalküberschuss kann die Nieren belasten und zu Kalkablagerungen in Gefäßen oder zu Nierensteinen führen. Deshalb soll zusätzlich angebotener Kalk nicht in das Futter eingemischt, sondern immer separat zur freien Verfügung angeboten werden.

Windeier bzw. Eier mit sehr weicher, brüchiger Schale können natürlich auch bei Wachteln vorkommen. Die Ursachen und die Möglichkeiten dem entgegenzuwirken sind die gleichen wie bei Hühnern.

Kalziummangel (Windeier) beheben

Die wichtigste Maßnahme ist der schnelle Ausgleich des Kalziummangels durch ein extra Angebot von hochwertigem Kalk. Dabei kann das Kalzium aus fein gemahlenem Kalkpulver besonders schnell vom Körper aufgenommen werden. Ein gröberer Kalkgrit hingegen sorgt für eine längere kontinuierliche Kalziumversorgung, da sich der Kalkgrit im Muskelmagen nur langsam auflöst und dabei kontinuierlich Kalzium zur Verfügung stellt. Also am besten bei akutem Kalkmangel eine Mischung aus feinem und groben Kalk in einem separaten Gefäß anbieten.

Um einem Mangel an Kalzium vorzubeugen, sollte immer genügend Kalk in einem separaten Gefäß zur freien Verfügung angeboten werden. Denn – und das ist das Erfreuliche – Hühner können allgemein ihren Bedarf sehr gut einschätzen und nur so viel an Nährstoffen aufnehmen, wie sie gerade benötigen. Der individuelle Bedarf an Kalzium ist bei Hühnern unterschiedlich. Nicht jedes Tier kann den aufgenommenen Kalk gleich gut verwerten und der Bedarf kann außerdem auch je nach Alter, Legeleistung, Eigröße usw. sehr unterschiedlich ausfallen.

Bei jungen Legehennen solltest du auf eine langsame Steigerung des Kalziumgehalts achten, da sich der Geschmack mit erhöhtem Kalziumanteil verändert und die Tiere sich erst daran gewöhnen müssen bzw. durch Futterverweigerung rückmelden, wenn der Anteil zu hoch ist.

Die verschiedenen Futtermittel mit Kalk (Calciumcarbonat)

Eine Grundversorgung an Kalk bzw. Kalzium sollte über das Alleinfutter sichergestellt sein. Zusätzlich sollte in einem extra Gefäß – z. B. in einem Gritnapf oder bei einer größeren Herde von Legehennen auch in einem extra Futterspender immer ausreichend grober Kalkgrit oder Muschelkalk zur freien Verfügung bereitstehen.

Generell gibt es verschiedene Möglichkeiten der Kalkzufütterung:

Muschelgrit-Mix mit Kalkstein, Muschel- und Austernschalen

Muschelgrit

Das sind zerkleinerte Muschel- oder Austernschalen mit einem von Natur aus hohen Gehalt an Kalk. Da Muschelgrit teilweise scharfe Kanten hat, wird er manchmal von den Hennen nicht so gerne angenommen.

 

Grober Kalkgrit – Kalksteinchen

Kalkgrit
Kalkgrit

Hochwertiger Kalkgrit aus natürlichem, löslichem Kalkstein enthält einen besonders hohen natürlichen Anteil Kalzium in Form von Calciumcarbonat (= Kalk). Mit einem Anteil von ca. 39 Prozent ist der Kalziumgehalt in hochwertigem Kalkgrit höher als in Muschelgrit. Kalkgritsteinchen mit einer Korngröße von 2 bis 4 Millimetern sind dabei für Legehennen ideal. Die kleinen Kalksteinchen verbleiben etwas länger im Muskelmagen und lösen sich dort langsam auf und geben dabei kontinuierlich über einen längeren Zeitraum Kalzium ab, so dass das Huhn rund um die Uhr und auch nachts während der Eierschalenbildung mit Kalzium versorgt ist. Ganz nebenbei unterstützen die kleinen Kalksteinchen im Magen ähnlich wie Magenkiesel auch noch die Futterverwertung.

Mehr zur Funktion von Magenkieseln liest du hier.

Picksteine

Ein Pickstein oder Mineralstein enthält außer Kalzium auch meist noch Magnesium sowie Natrium und weitere Mineralien und Spurenelemente. Picksteine dienen in erster Linie zur Beschäftigung und damit auch der Prävention von Federpicken. Zusätzlich werden beim Bepicken der Picksteine auf natürliche Weise die besonders spitzen und scharfkantigen Schnäbel von unkupierten Junghennen etwas entschärft und somit das Verletzungsrisiko der Hühner untereinander reduziert. Die beim Picken aufgenommenen Mineralstoffe wirken ergänzend, reichen aber für Legehennen allein nicht aus, so dass unbedingt zusätzlich noch Kalkgrit angeboten werden sollte. Picksteine werden vor allem in der hängenden Variante zum interessanten Spielobjekt für die Hühner, auf das man klettern und mit dem man sogar schaukeln kann. Auch Kräuterzusätze machen Picksteine für die meisten Hühner besonders attraktiv.

Bewährte und hochwertige Produkte für einen ausgeglichenen Kalziumhaushalt:

 

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