Hühnerrettung, Lebens- & Gnadenhöfe

Was passiert eigentlich mit den vielen Millionen Legehennen aus professionellen Legehennenbetrieben, die nach durchschnittlich 1,5 Jahren naturgemäß nicht mehr die gewünschte Leistung erreichen und dann gegen eine neue Legetruppe ausgewechselt werden? Sie werden z. B. als Suppenhühner vermarktet oder ggf. auch zu Hundefutter weiterverarbeitet – oder sie finden im besten Fall ein neues Zuhause. Organisationen wie Rettet das Huhn e. V. oder Hühnerrettung NRW e.V. sowie einige engagierte Lebens- oder Gnadenhöfe haben es sich zur Aufgabe gemacht, ausgedienten Hühnern und anderen Nutztieren in Not ein artgerechtes (Weiter)Leben zu bieten. Als Hobbyhalter*in kannst du Hühner adoptieren oder Pate bzw. Patin werden. Wir stellen euch verschiedene „Hühnerrettungsprogramme“ vor und zeigen, wie ihr euch engagieren könnt.

Hühneradoption: Wie kann ich ein Huhn retten?

Der Verein „Hühnerrettung NRW e. V.“ rettet Hühner – und zwar in Kooperation mit den Legebetrieben. Bereits beim Ausstallen erfahren die Tiere einen liebevollen Umgang, wenn die Hennen einzeln und nicht an den Füßen aus dem Betrieb getragen werden. Ähnlich läuft es ab beim deutschlandweiten Verein „Rettet das Huhn e. V.“ In dem Moment, in dem die Hennen für wenige Cent „Entgelt“ auf der Schlachtbank landen würden, übernehmen sie die Tiere. Hier sind es jährlich immerhin 12.000 Hennen, die häufig direkt an ein neues Zuhause vermittelt werden können.

Wenn auch du gerne ehemalige Legehennen mit lebenslangem Wohnrecht bei dir aufnehmen möchtest, wende dich direkt an die Vereine bzw. Vermittler in deiner Nähe:

 

Hier kannst du Fragen stellen und prüfen lassen, ob du alle Voraussetzungen für eine Hühneradoption mitbringst: Wie groß sind Stall und Auslauf? etc.
Vermittlungsbedingungen Hühnerrettung NRW e. V. (Auszug):

  • Stall + abwechslungsreicher Auslauf
  • Mindestens 3 bis maximal 30 Hennen
  • 10 m² / Huhn im Auslauf
  • Nur für die private, nicht-gewerbsmäßige Haltung
  • Vermehrung und Schlachtung der Hennen ist ausgeschlossen
  • Stichprobenweise: Kontrollbesuche

Die Voraussetzungen und weitere Informationen rund um die Hühneradoption bei „Rettet das Huhn e. V.“ findest du hier.

Wie du „die Neuen“ in deine angestammte Hühnerschar erfolgreich und ohne großes Hickhack integrierst, erfährst du hier.

Ein Heim für den verdienten Hühner-Lebensabend: Tierheim, Lebenshof & Gnadenhof

In diesen Einrichtungen finden Hühner und andere Nutztiere ein Zuhause und werden auch teilweise weitervermittelt. Viele Tiere kommen aus unterschiedlichen Notsituationen; sind als Fundtiere den Halter*innen abhandengekommen, waren verwahrlost, wurden ausgebeutet oder ausgesetzt. Dort werden sie liebevoll aufgepäppelt, falls nötig medizinisch behandelt, und bis zu ihrem natürlichen Lebensende fürsorglich und artgerecht versorgt und untergebracht. Eingeschläfert werden Tiere nur, wenn es gar nicht mehr anders geht.

Traurig, aber wahr ist auch, dass eine Rettung nicht für alle Tierarten möglich ist. Z. B. für Masthähnchen oder Mastputen, bei denen von vornherein klar ist, dass sie aufgrund ihrer genetischen Anlagen kein langes, gutes Leben haben können und mit zunehmendem Gewicht bald nicht mehr laufen können, bedeutet die rechtzeitige fachgerechte Schlachtung weniger Leiden. Gerettete Legehennen hingegen können noch einige gute Jahre verbringen.

Die Vereine und Höfe leisten in erster Linie Soforthilfe für Tiere – allein finanziert durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Tierpatenschaften. Daneben sind sie wichtige Impulsgeber, um über die Ursachen der Gefährdung aufzuklären und diesen entgegenzuwirken.

Einen anderen Ansatz zur Rettung von Tieren – alten Haustierrassen – verfolgt die Arche Warder in Schleswig-Holstein. Als Zentrum zum Erhalt der Biodiversität und zum Schutz von alten Haus- und Nutztierrassen können dort zwar keine geretteten Tiere abgegeben werden, vielmehr wird dort streng nach Zuchtbuch gezüchtet und werden nicht zur Zucht geeignete oder überzählige Tiere auch verwertet. So wird dort am Parkimbiss z. B. Currywurst von artgerecht gehaltenen alten Schweinerassen angeboten.

Auch wenn dies einigen befremdlich vorkommen mag, geht es ja darum, alte Rassen, also genetische Ressourcen, die z. B. auch perfekt für eine artgerechtere, aber weniger wirtschaftliche Haltung geeignet sind, wieder zu verbreiten. Denn klar ist: Bei der artgerechten Haltung alter Nutztierrassen würden manche Probleme der heutigen Massentierhaltung gar nicht auftreten. Erst weil Schweine in großen Betrieben eng eingepfercht und nicht artgerecht gehalten werden, also beispielsweise nie die Sonne genießen oder sich im Schlamm suhlen können oder Hühner in Legebatterien nie draußen nach Würmern scharren und picken dürfen oder im Staub baden können, werden sie ggf. krank oder aggressiv, und neigen zu gestörtem Sozialverhalten bis hin zum Kannibalismus.

Die artgerechte Haltung robuster alter Rassen ist zwar nicht so wirtschaftlich, bietet aber ein Plus an Tierwohl und auch höhere Lebensmittelqualität, worauf immer mehr Verbraucher*innen Wert legen. In der Arche Warder werden unter anderem zwölf vom Aussterben bedrohte alte Hühnerrassen gehalten, darunter die extrem-gefährdeten Augsburger oder die stark gefährdeten Deutschen Sperber.

Bilder © Arche Warder
Winterquartiere und Nahrungsquellen im eigenen Garten bereitstellen:
Wildtierhilfe für alles was kreucht und fleucht 

Hof Huppenhardt: Zufluchtsstätte für Tiere im Bergischen Land

Auf dem 10 Hektar großen Anwesen des des Hof Huppenhardt finden ca. 100 Tiere ein artgerechtes Zuhause.

Hier finden Hühner, Schweine, Rinder, Esel, Schafe, Ziegen, Pferde, Pfaue, Enten und Katzen in Not einen sicheren Ort und bestenfalls nur ein vorübergehendes Zuhause, aus dem sie nach vorherigem Kennenlernen und wenn alles passt, in liebevolle Hände abgegeben werden. Dafür stellt Hof Huppenhardt alle Tiere mit einem ausführlichen Steckbrief in den wohlverdienten Fokus. Hier steht auch, ob man eine Patenschaft übernehmen kann oder das jeweilige Tier adoptierbar ist. Im Moment sind es beim Geflügel vor allem Hähne. Das Verzwickte an der Hühnerhaltung ist ja, dass dafür nicht so viele Hähne wie Hennen gebraucht werden und auch nicht beliebig viele Hähne zusammen gehalten werden können. Für viele Halter*innen bzw. Züchter*innen gehört ein Hahn aber einfach dazu. Die werden hier sicherlich fündig.

… einfach den Hennen beim Scharren zusehen – und mit ihnen genießen, dass sie gerettet werden konnten … Das ist die Perspektive nach einer Hühneradoption, die erfahrungsgemäß nicht nur für erfahrene Hobbyhalter*innen möglich ist. Auch Neulinge in der Hühnerhaltung werden dabei beraten und begleitet. Tierschutzorganisationen übernehmen eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, denn sie machen sich stark für Tiere.

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