Gewusst wo: Anatomie des Huhns

Hühner haben kein Zwerchfell, keine Harnblase und keine (äußeren) Ohren, dafür haben sie (dank des Schnabels) den vollen Durchblick und sind noch immer voll auf Flugfähigkeit ausgerichtet, obwohl sie – wenn – nur kurz abheben. Als Hühnerhalter*in schadet es nicht, sich ein wenig mit der Anatomie der Tiere auszukennen. So kommt man beispielsweise Fehlentwicklungen, gesundheitlichen Beschwerden und Krankheiten leichter und früher auf die Spur – was für den Erfolg einer medizinischen Behandlung wichtig ist. Wie sind also das Skelett und die Organe eines Huhns angeordnet? Wie sehen gesunde Hühner aus und welche Aufgabe übernehmen einzelne Körperteile? Gemeinsam mit unserer Tierärztin Dr. Antonia Klaus schauen wir uns den Hühnerkörper mal genauer an.

Gewusst wo? Der Körper des Huhns

Der Körper des Huhns besteht aus Kopf, Hals, Rumpf, Schwanz und Beinen. Aus den Vorderbeinen haben sich bei Hühnern die Flügel herausgebildet. Ganz allgemein lässt sich mit einem Blick auf das Skelett die nahe Verwandtschaft mit Reptilien erkennen:

© Dr. Antonia Klaus
© Dr. Antonia Klaus

 

Immer in Bewegung: Der Kopf

Der Schädel ist das „Gehäuse“ für Gehirn und Sinnesorgane. Ganz oben „thront“ darauf der Kamm, der je nach Rasse und Geschlecht in Form, Größe und Farbe variiert. Ein gesunder Kamm sollte bei erwachsenen Hühnern während der Legephase knallrot und demzufolge gut durchblutet sein. Bei einem kränkelnden Huhn wird der Kamm meist blasser. Auch während Mauser, Legepause und bei jungen Hühnern ist der Kamm blasser und kleiner. Der Hühnerkamm hat u. a. die Aufgabe, bei Hitze für Kühlung zu sorgen. Auch in der Balz schwillt der Kamm – nicht nur sprichwörtlich. Nicht selten hat der ranghöchste Hahn auch den kräftigsten Kamm. Bei manchen Rassen kann der Kamm auch Federn bilden und eine Federhaube ausbilden.

Die verschiedene Hühnerfrisuren … ähm Kammformen:

Einfachkamm / Stehkamm / Einzelkamm (ein Kammblatt, sehr häufig, z. B. Marans, Italiener)

Schlotterkamm (seitlich herunterhängend)

Erbsenkamm (drei Reihen von Fleischhöckern, z. B. Araucana, Brahma)

Rosenkamm (breiter, warziger oder fein geperlter, nach hinten in einen Dorn auslaufender Wulst, z. B. Bantam, Dorking, Rheinländer)

Schmetterlingskamm / Blätterkamm / Becherkamm (zwei gezackte Blätter, z. B. Augsburger)

Wulstkamm (z. B. Yokohama, Orloff)

 

Tipp: Zur Pflege von Kehllappen, Kämmen und Läufen und zum Schutz vor Erfrierungen bieten sich wasserfreie Melkfette wie unser Bio Melkfett an.

Was viele überraschen wird: Hühner sehen ihre Welt anders und teilweise viel genauer als wir. Hühner verfügen bei Helligkeit über eine sehr gute Sehfähigkeit, während sie im Dunkeln blind sind (und sich daher prima greifen lassen). Die Augen sind rund und seitlich am Kopf ausgebildet. Ihr 360-Grad-Sichtfeld hilft den Hühnern dabei, Gefahren schnell zu erkennen. Daher nicken Hühner immerfort während des Laufens, um beispielsweise die Position eines leckeren Wurms auszumachen. Zuerst fixieren sie ihn mit einem Auge und wiederholen dies aus einem anderen Blickwinkel mit dem anderen Auge. Schließlich verrechnen sie dann die Einzelbilder zu einem 3-D-Eindruck. Die Kehrseite ist hier, dass Hühner bei schnellen Bewegungen leichter in Panik geraten.

Zudem sehen Hühner Licht auch im UV-Bereich. Hühner besitzen zwei weitere Zapfentypen und eine UV-durchlässige Augenlinse. Damit können sie Farben im Bereich von etwa 320 bis 700 nm (Nanometer, also ein Milliardstel Meter) unterscheiden. Wow! So sehen und unterscheiden sie beispielsweise Gefiederfarben, die uns verborgen bleiben. Hühnern dient dieser Skill der Individualerkennung, der Geschlechtsdifferenzierung oder auch der Futtererkennung. Hierin besteht die Gefahr: Fehlt den Hühnern der UV-Anteil im natürlichen Licht oder in Leuchtröhren, nehmen sie ihre Umwelt mit totalen Falschfarben war (nur die Komplementärfarben), was sich u. a. auf das Tierwohl und das Legeverhalten auswirken kann.

Schließlich besitzen Hühner ein drittes Augenlid (Nickhaut) als weitere Schutzhaut, die Schmutz fernhält und die Hornhaut mit Tränenflüssigkeit versorgt. Genial wie die Natur nun mal ist, ist die Nickhaut durchsichtig, weshalb die Hühner selbst bei geschlossenem dritten Augenlid normal sehen können.

Der Schnabel ist vermutlich das wichtigste Wahrnehmungsorgan für Hühner. Man kann fast sagen, dass ein Huhn mit dem Schnabel sieht, besser noch, es tastet. Er dient zur Nahrungsaufnahme – für Wasser als eine Art Mini-Kelle – und ist außerdem von einem dichten Nervengeflecht durchzogen, wo der Tastsinn sitzt. Über diesen nehmen sie die Beschaffenheit ihres Futters wahr – und selektieren fleißig vorzugsweise nach Farbe und Form. Der etwas schwächer ausgeprägte Geschmackssinn spielt den Hühnerhalter*innen bzw. Veterinär*innen bei der Verabreichung von Medikamenten in die Karten. Das Hühner keinen Geschmackssinn haben, wie früher behauptet wurde, ist inzwischen widerlegt.

Tipp: Gegen Futterselektion und daraus resultierenden möglicher Mangelerscheinungen hilft es, gutes schmackhaftes Bio-Alleinfutter zu verabreichen sowie auf Pellets zu setzen. Unsere Bio-Hühnerfutter-Pellets mit Oregano-Öl ist ein ausgewogenes Alleinfutter mit aromatischem und appetitanregendem Oregano-Zusatz.

Zweitens ist der Schnabel ein wichtiges Werkzeug zur Gefiederreinigung: das Federkleid wird glattgestrichen und eingefettet, um die Federn vor Feuchtigkeit zu schützen. Drittens werden mit dem Schnabel als Waffe Kämpfe um die Hackordnung und derartige Angriffe ausgefochten.

Da der Schnabel zahnlos ist, müssen Hühnern – sofern nicht im Auslauf ausreichend vorhanden – immer Magenkiesel angeboten werden. Im Zusammenspiel mit dem Muskelmagen sind sie quasi deren „Zahnersatz“ und mahlen Körner, Schrot und Co. auf ein verdauliches Maß klein. Ohne die Steinchen ist die Futterverwertung vor allem bei ganzen Körnern nicht so optimal.

Die Nasenlöcher sitzen am Übergang zwischen Schnabel und Gesichtsschädel. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Sauerstoff in Lungen und Luftsäcke zu befördern. Und dies mehr als zuverlässig, denn der Sauerstoffbedarf beim Huhn ist vergleichsweise hoch. Entgegen der vorherrschenden Meinung, soll der der Geruchssinn des Huhns besser ausgeprägt sein als bisher angenommen. So vermutet die Forschung, dass Hühner mehr Gerüche wahrnehmen können als bisher vermutet bzw. belegt.

Die Kehllappen hängen unterhalb des Schnabels. Über sie geben Hühner Hitze an die Umgebung ab und regulieren so ihre Körpertemperatur. Nicht verwunderlich ist es also, dass Hühner, die in kälteren Regionen leben, kleinere Kehllappen ausprägen als Hühner, die in wärmeren Regionen leben. Dies hängt aber auch mit der züchterischen Selektion zusammen, da große Kehllappen in Gegenden mit starkem Frost auch vermehrt Frostschäden bekommen können.

Ohren? Welche Ohren? Meine Hühner hören nie! Ja, Hühner haben Ohren und können ganz gut hören, allerdings fehlt das äußere Ohr und das innere ist mit einem feinen Federkranz bedeckt. Da Hühner ziemlich pfiffig sind, kann man mit einem Clickertraining einiges erreichen: sich gemeinsam beschäftigen, eine Beziehung aufbauen oder sogar ein paar Kunststücke einüben.

     Tipp: Hühner können auch Ohrenentzündungen haben. Um das zu untersuchen, kann man den Federkranz zur Seite klappen und hat freie Sicht auf das Loch.

Die Farbe der Ohrscheiben zeigt (bei einigen Hühnern) die Farbe der Eierfarbe an.
Mehr dazu liest du hier: „Welche Farbe legst du so?“

Immer neugierig gereckt: der Hals

Der Hühnerhals besteht aus mehr als zehn Wirbeln, die s-förmig angeordnet und sehr beweglich sind. So kann über den Hals der Kopf perfekt als Greifinstrument gesteuert werden. Hühner haben einen vergleichsweise langen Hals. Aus ganz praktischen Gründen stellt er nämlich sicher, dass die Hühner ihre Bürzeldrüse zum Fetten des Gefieders und auch die übrigen Körperstellen zur Pflege erreichen können.

Der Kropf, eine Ausstülpung der Speiseröhre, sitzt am Hals beim Übergang zur Brust. Hier wird das Futter eingeweicht und vorverdaut.

Immer im Zentrum: der Rumpf

Das Rumpfskelett ist eine feste Einheit aus den Bestandteilen Wirbelsäule, Rippen und Brustbein. Der Brustkorb befindet sich an der zum Boden gerichteten Seite spitzzulaufend. Hier fühlt man den Ernährungszustand am besten. Ein Teil der Wirbelsäule (Brustwirbel) ist für die Flugfähigkeit versteift. Darum verknöchert das Skelett von Hühnern sehr früh, was wiederum den hohen Vitamin-D-Bedarf von Küken erklärt.

Tipp: Vitamine und Spurenelemente für eine gute Immunabwehr von Küken liefern Ergänzungsfuttermittel wie unser wohlklingendes Kükenglück 2.0 oder Vitamin ADEC

Immer schön: der Schwanz

Der Schwanz wird von Knochen gebildet, die aus mehreren verwachsenen Wirbeln bestehen. Vorhanden sind fünf Schwanzwirbel, wobei die hintersten miteinander verwachsen sind, sodass der Schwanz im Flug als „Steuerruder“ eingesetzt werden kann. Auf dem Schwanz sitzen dann auch die sogenannten Steuerfedern. Diese sind allgemein klein und spitz zulaufend, bei Hähnen hingegen auch sehr lang und nach oben gerichtet. Hier sitzt auch die Bürzeldrüse, in der sich ein öliges bzw. wachsartiges Sekret bildet, welches – verteilt mittels Schnabel oder Beinen – das gesamte Gefieder einfettet.

Gleich unter dem Schwanz sitzt die Kloake, worin Harn- und Ei- bzw. Samenleiter münden. Wer sich das schon immer gefragt hat: Die Harn- und Darmwege sind bei Hühnern nicht getrennt …

Immer unterwegs: Beine und Flügel (Läufe)

Hühner sind meist zwar keine sonderlich guten Flieger, dafür können sie mit ihren kräftigen Beinen umso schneller rennen und relativ gut Hüpfen. Die Hinterbeine sind gefiederlos, aber mit Hornschuppen besetzt und sie haben in der Regel vier Zehen: drei große Zehen sind nach vorne gerichtet, eine kleinere Zehe nach hinten. Ausnahmsweise sind es auch mal fünf Zehen und ebenfalls abhängig von der Rasse eine Fußbefiederung.

Oberhalb der kleinste Zehe sitzt ein spitzer Sporn, der von Hähnen auch schon mal zur Verteidigung eingesetzt wird. Hennen haben normalerweise keinen oder nur einen sehr schwach ausgeprägten Sporn. Die Flügel ersetzen die Vorderbeine, die im Verhältnis zur Körpergröße recht klein sind. Neben kurzen Flügen schlagen Hühner mit den Flügeln, um sich zu putzen oder abzukühlen. Das Flügelschlagen – beim Hahn mit anschließendem Kikeriki – dient dem Revierverhalten und zeigt dir auch, dass sich deine Tiere bei dir wohlfühlen.

Zum Verständnis von Hühnern hilft es, einen Blick auf ihre Anatomie zu werfen. Warum wackeln sie ständig mit dem Kopf? Wozu dienen Kamm, Kehllappen und Flügel? Erst mit ein wenig Hintergrundwissen sind die Verhaltensweisen von Hühnern zu entschlüsseln und werden erste Anzeichen für Beschwerden oder Krankheiten auch für Hobbyhalter*innen leichter erkennbar.

Dieser Beitrag ist gemeinsam mit unserer Tierärztin und Geflügelveterinärin Dr. Antonia Klaus entstanden. Sie hat uns außerdem die Grafiken und Röntgenbilder zur Verfügung gestellt. Ganz lieben Dank dafür @hundkatzeklaus !

 

 

Buch-Tipp: Mehr zum Körperbau und typischen Wehwehchen der Hühner liest du hier: Geflügel gesund erhalten. Krankheiten vorbeugen, erkennen und behandeln

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