Hennen entglucken: 4 sanfte Wege

Nichts macht Hühnerhalter*innen stolzer und verzückter als piepsende Küken aus der eigenen Naturbrut. Aber nicht immer stimmt das Timing der Hennen. Hast du keinen Hahn, der die Eier befruchten konnte, macht es natürlich auch keinen Sinn die Henne brüten zu lassen – außer du organisierst befruchtete Bruteier. Eine Henne, die zu lange brütet, weil keine Küken schlüpfen, kann auch irgendwann durch Futter- und Bewegungsmangel Schaden nehmen. Außerdem legen Hennen, während sie glucken keine Eier, und wenn du keine Küken brüten möchtest, wäre es dann auch für die Henne besser, diese zu entglucken.

Hennen glucken öfter. Es gibt nicht wenige ausgesprochen brutfreudige Rassen wie Cochins, Seidenhühner, Brahmas oder Orpingtons. Halter*innen sind dann damit konfrontiert, den Lauf der Natur und die eigenen Pläne und Ressourcen unter einen Hut zu bekommen. Viele Rassen legen einen Satz Eier – so ca. 20 bis 30 Stück und wollen dann glucken.

Klar ist, dass nicht jede Henne jedes Jahr brüten kann. Häufig gibt es nicht genügend Platz oder möchte man einfach keine weiteren Tiere. Und: Mit jeder Naturbrut ist auch das Szenario vorstellbar, dass mehr oder sogar alle Küken zu stolzen Hähnen heranwachsen, die keine Eier legen werden und zudem ein neues Zuhause brauchen oder verwertet werden müssen. Um die Brutlust ganz wörtlich genommen bereits im Keim zu ersticken, zeigen wir dir drei schonende Wege im Umgang mit brütigen Hennen.

4 sanfte Wege, um Hennen das Brüten abzugewöhnen

Einer Henne das Brüten abzugewöhnen kann ganz schön zeitaufwendig sein – und dennoch nicht gelingen. Denn, wenn sich eine Henne erst einmal dazu entschlossen hat zu brüten, kann sie richtig hartnäckig werden. Dieses instinktive Verhalten von Hühnern abzustellen, braucht auch Halter*innen-seitig ein größeres Durchhaltevermögen bzw. kluge Strategien. Wir stellen dir hier drei bewährte Wege zum Entglucken von Hühnern vor.

Weg 1: Es der Henne ungemütlich machen

 

  • Beliebte Brutplätze heller gestalten: Glucken mögen es eher dunkel
  • Eier zeitnah entnehmen: Funktioniert nur dort, wo der Ablageort bekannt ist
  • Auf Abrollnester umsteigen – Die Eier rollen so direkt nach dem Legen in ein extra Fach

 

                                        

 

Mehr zu Legenestern liest du hier: Home sweet home

Zur Unterstützung des Prozesses ist es auch hilfreich, für genügend Ablenkung zu sorgen: viel Auslauf und Scharrmöglichkeiten im Garten, spannendes Spielzeug wie Snackball, Hühnerschaukel, Futterball, Beschäftigungsfutter, Sandbad, Pickstein, Heunetz etc..

Übrigens: Ob die Eier befruchtet sind oder nicht – also, ob du überhaupt einen Hahn hast – ist der Glucke völlig egal. Einmal in Brutlaune, fängt sie an mit dem Sitzen.

 

Weg 2: Hennenbauch kühlen

  • Kühlpack ins Nest legen. Aufpassen wg. Erfrierungen! Nur mäßig kalte oder z.B. mit Handtuch umwickelte Tiefkühlakkus verwenden.
  • Heimlich umquartieren: Die Henne abends im Dunkeln auf die Stange setzen. Das musst du mehrere Tage in Folge wiederholen, damit der Hennenbauch über Nacht Luft bekommt und abkühlt.
  • Hennen in einen Gitterkäfig setzen, der auch von unten Gitter hat und den Bauch abkühlt. Das ist nicht so schön für die Henne, bei einem ausreichend großen Käfig und sonst guter Versorgung aber nicht verboten.

Weg 3: Tausche deine „Super-Mama“

Bestimmte Hühnerrassen bzw. einzelne Hennen sind einfach besonders gut im Glucken, weshalb es fast unmöglich ist, ihnen den Brutwunsch auszutreiben. Zudem gilt auch: Brut tut gut! Die Zeit des Gluckens bedeutet für Hennen eine entlastende Legepause, während der ihr Körper Zeit hat, sich ein wenig zu erholen. Insofern kann es eine Überlegung sein, deiner Henne ihre Naturbrut doch zu gönnen. Wenn also eine Henne richtig „nervt“, kannst du jemanden suchen, der sich über dieses besonders bruttriebige Huhn freut und mit dir gegen eine nachweislich mit weniger Muttergefühlen ausgestattete Henne tauscht… Aber Achtung aufpassen, um nicht mit dem Tausch auch Krankheiten in den Bestand einzuschleppen.

Weg 4: Glucke in anderen Stall umsetzen

Das ist der einfachste Weg und der funktioniert immer. Henne in einen anderen Stall umsetzen, in dem am besten auch noch ein triebiger Hahn oder fremde Hennen sind. Durch den sozialen Stress, die Hackordnung neu zu regeln oder auch durch den Hahn, der der Henne nachstellt, hat diese in kurzer Zeit keine Lust mehr zu glucken. Die Henne sollte einige Tage bis ca. eine Woche in dem anderen Stall bleiben, bevor du sie zurücksetzt. Für manche Hennen reicht allein der Ortswechsel. Der Entgluckstall sollte keine gemütlichen Nester haben, aber ganz normal mit Futter, Wasser, Sitzstangen usw. ausgestattet sein.

 

So nicht! Entglucken mit fragwürdigen Methoden

Manche alten Bauernweisheiten leiten beim Thema Entglucken zu sehr rabiaten und zurecht umstrittenen Methoden an:Schlaubi Eileen

  • Henne wiederholt bis zum Hals 30 Sekunden in kaltes Wasser tauchen
  • Henne in einen Sack stecken und herumschleudern
  • In Kisten einsperren

Solche Methoden können zwar tatsächlich das Glucken abstellen, aber nur, weil die Hennen damit traumatisiert werden. Außerdem verstößt das gegen das Tierschutzgesetz.

Die klassische Jahreszeit, in der Hennen Brutverhalten zeigen, ist der Frühling. Dann bleibt genug Zeit, um den Nachwuchs bei mildem Klima großzuziehen. Hat man aber gar kein Interesse an der Nachzucht, ist es auch höchste Zeit, sich Strategien für ein Entglucken von eifrigen Hennen zu überlegen. Aber es gibt weitere wirkungsvolle und einfache Tricks, Glucken schonend ihren unwillkommenen Bruttrieb zu verleiden.

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5 Kommentare zu „Hennen entglucken: 4 sanfte Wege

  1. Hallo, ja auch ich lese gern eure Hinweise und Empfehlungen. Habe 6 Hühner und 1 Hahn. Die haben ca. 600 m2 wilden Garten für sich, mit viel Baumbestand u Hecken. Aber 1 Huhn ist nervig. Es krakelt schon früh im Stall, so ein ununterbrochenes ga, ga, ga, bis gä, gä, gä……. Sehr laut und schnell hintereinander. Auch über den Tag geht das des öfteren so. Nach ca. 10-15 min beruhigt sie sich wieder. Ist auch das Huhn welches sehr zutraulich ist u sich streicheln lässt. Hüpft einen auch mal auf die Schulter, wenn man sitzt. Ich denke, sie will sich von den anderen durch ihr lautes Gekrähe hervorheben. Kann man dies nervige Verhalten abstellen? Grüße aus Thüringen Lisa

    • Hallo Lisa,
      es gibt Hühner die sehr mitteilungsbedürftig sind 🙂 Es gibt aber auch verschiedene Gründe warum ein Huhn Laute von sich gibt. Mit ein wenig Erfahrung kannst Du teilweise heraushören oder ahnen was der Grund ist.
      Ein „Gekwatsche“ am Morgen könnte bedeuten, dass die Henne nicht den richtigen Ort findet um ihr Ei zu legen (biete ihr evtl. ein anderes Nest an?) oder dass sie gerne schon raus möchte, wenn die Tür noch zu ist oder Hunger hat usw.. Also irgendetwas möchte…

      Schnelle Laute hintereinander können Locklaute sein, wenn die Henne ihren Kolleginnen gefundenes Futter mitteilen möchte – auch Hennen tun das manchmal wie ein Hahn… oder in anderer Tonlage eine Warnung vor einer Gefahr. Das ist ohne die Laute zu hören schwer zu interpretieren.

      Wir haben auch ein Buch, dass die Laute der Hühner näher erklärt:
      https://www.eierschachteln.de/buch-how-to-speak-chicken

      Tipp: Beobachte Dein Huhn einfach mal genau – am besten ohne, dass es dich sieht. Und guck mal, was sie dann macht nachdem sie die Laute von sich gegeben hat oder was der Grund gewesen sein könnte.

      Viele Grüße
      Natalie G. aus dem eierschachteln.de Team

  2. Hallo Liebes Tream von Eierschachteln,

    ich finde eure Seite ganz toll und informativ.
    Ich habe erst seit kurzem Hühner und nun macht mir eins Probleme. Es liegt nur im Stall bzw im Legenest. Ist es am Glucken?
    Ich habe insgesamt 5 Hühner und die anderen 4 springen freudig durch die Gegend, weshalb ich eine Krankheit ausschließen würde.

    Viele Grüße
    Marina Hellendahl

    • Hallo Marina,
      vielen Dank für dein Lob und wie schön, dass du Freude am Hühnerhalten gefunden hast! 🙂
      Eine Ferndiagnose mit diesen wenigen Infos ist nahezu unmöglich. Glucken könnte eine Möglichkeit sein. Aber auch eine Krankheit kannst du nicht pauschal ausschließen.
      Frisst/trinkt deine Henne noch? Was ist es für eine Rasse, wie alt ist sie?
      Viele Grüße
      Melissa

    • Hallo Marina,

      weil es auch so gut zum Blogthema passt, hier noch eine späte Ergänzung: Ein gluckendes Huhn erkennt man daran, dass die Henne fest sitzen bleibt und sich unten breit macht. Auch wenn du dich mit der Hand näherst bleibt eine Glucke sitzen, die sonst als Huhn vor dir weglaufen würde. Wenn du mit der Hand vorsichtig unter ihren Bauch greifst wird sie wahrscheinlich Warnlaute wie Kreischen von sich geben und evtl. je nach Temperament auch nach deiner Hand hacken um ihre „Brut“ zu verteidigen. Wenn du sie dann vorsichtig aus dem Nest hebst und nach draußen setzt wird eine Glucke entweder sogar dort sitzen bleiben oder sonst mit glucksenden Lauten ziemlich bald wieder zu ihrem Nest laufen. Vor allem die glucksenden Laute verraten eine Glucke, wenn sie gerade nicht auf dem Nest sitzt. Auf dem Nest sind Glucken aber ruhig.

      Viele Grüße
      Natalie aus dem eierschachteln.de Team

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