Biosicherheit im Geflügelstall: Hygieneschleuse & Schutzmaßnahmen

Unter dem Begriff Biosicherheit werden Management-Maßnahmen zusammengefasst, die das Einschleppen von Tierseuchen in Ställe verhindern sollen – und damit ein optimales Leistungsumfeld für Hühner & Co. schaffen. Die Einrichtung von Hygieneschleusen und weitere Schutzmaßnahmen dienen also nicht nur dem Tierwohl, sondern folgen auch Fragen der Wirtschaftlichkeit, wenn am Beispiel der Legehennen, eine möglichst hohe Legeleistung erreicht und tierärztliche Behandlungen reduziert werden.

Überall lauern ausbreitungsfähige und -willige Gefahren in Form von z. B. Vogelgrippe- oder Kokzidien-Erregern. Mit verschiedenen Maßnahmen – konsequent von allen Beteiligten eingehalten – lässt sich der Eintrag von Krankheitserregern deutlich reduzieren. Wir zeigen, welche Wege die Keime üblicherweise nehmen und wie ein gutes Konzept zur Biosicherheit in Geflügelställen aussehen kann.

Der Weg der Keime zu den Hühnern

Grundsätzlich gilt: Wo viele Tiere auf engem Raum leben, können sich Keime und Krankheitserreger gut vermehren und ausbreiten. Mehrheitlich sind diese zudem äußerst robust wie die Darmparasiten Kokzidien, die bis zu ein Jahr (!) im Auslauf überleben können. Auch die Erreger der Aviären Influenza (Vogelgrippe) und Infektiösen Bronchitis können noch über Wochen und Monate ansteckend sein. Bei der Aviären Tuberkulose sind es sogar Jahre. Prinzipiell steht alles, was in Berührung mit dem Stall kommt unter Verdacht, Keime einzuschleppen.

Mögliche Eintragsquellen von Krankheitserregern in den Legehennenbetrieb oder die Masthähnchenanlage

  • Über das Futter / Silos
  • Über die Einstreu / Strohmiete etc.
  • Über das Trinkwasser / Tränkenleitungen
  • Über den Kot
  • Über die Luft (Aerosole)
  • Über Wildvögel
  • Über LKW und andere Fahrzeuge
  • über Neuzugänge im Bestand
  • Über Geflügelhaltungen in der Nähe
  • Über die Brüterei
  • Über die Hände
  • Über das eigene Schuhwerk, die Kleidung etc.
  • Über Arbeitsgeräte: Schaufeln, Besen etc.

Ein ganz typischer Weg bzw. Kreislauf funktioniert so, dass die Krankheitserreger von infizierten Hühnern mit dem Kot ausgeschieden werden und von einem anderen Huhn wieder aufgenommen werden. Zudem machen unerwünschte Kontakte mit Wildvögeln sowie Schadnagern in der gelagerten Einstreu oder in den Futtervorräten den Betrieben zu schaffen.

Profi-Tipp

Eine Strohmiete auf dem Betriebsgelände sollte möglichst auf einer festen Bodenplatte stehen und zum Schutz gegen Wildvögel mit einer dichten Folie abgedeckt werden.

Checkliste: Schwachstellen Biosicherheit

  • Wie sind die Laufwege?

Der Weg zwischen Ställen und Lager sollte möglichst kurz und befestigt sein, damit er leichter sauber gehalten werden kann.

  • Kommen Besucher*innen / zusätzliches Personal z. B. für das Ausstallen auf den Hof? Wenn ja, wie kann man verhindern, dass sie Keime/Krankheiten einschleppen?
  • Gibt es mehrere Bestandsgruppen (die sich gegenseitig anstecken können)?
  • Werden Gerätschaften haltungsübergreifend genutzt?
  • Halten Mitarbeiter*innen privat Geflügel?
  • Werden Märkte mit Lebendgeflügel besucht?
  • Wie ist die Oberflächenbeschaffenheit im Stall? Lassen sich Flächen gut desinfizieren?
  • Was passiert mit kranken Tieren? Gibt es Quarantäne-Ställe?

Stichwort: Kadavertonne: Der ideale Standort für die Kadaverlagerung ist am Übergang Betriebsgelände/öffentlicher Weg. Dann braucht das Fahrzeug der Tierkörperbeseitigung das Betriebsgelände gar nicht zu befahren. Die Kadaverbehälter sind nach jeder Leerung zu reinigen und zu desinfizieren.

  • Wie werden Fäkalien entsorgt? Wie erfolgt die Kompostierung?
  • Haben die Tiere im Auslauf die Möglichkeit zur unkontrollierten Wasseraufnahme B. aus Pfützen etc.?

Eigenes Biosicherheitskonzept erstellen

Um Biosicherheit herzustellen, also Kontakte zu Krankheitserregern zu unterbinden, ist die effektivste Maßnahme eine Schutzzone bzw. Übergangszone einzurichten. Diese Hygieneschleuse ermöglicht – konsequent eingehalten – eine strikte Trennung zwischen unterschiedlichen Bereichen des Betriebs.

In der Hygieneschleuse wird der wichtige „Faktor Personal“ als Überträger von Keimen „neutralisiert“. Hier zieht man sich um, wäscht sich die Hände, reinigt und desinfiziert man Schuhe sowie Gerätschaften. Auch ist dafür gesorgt, dass Hof- und Stallkleidung (separat) aufbewahrt werden kann. Dabei muss die Einrichtung einer Hygieneschleuse weder viel kosten noch viel Platz erfordern. Es geht auch mit einfachen Mitteln.

Profi-Tipp

Damit eine Hygieneschleuse funktioniert, wie sie soll, muss sie von allen täglich „gelebt“ werden. Das heißt: Alle neuen Kollegin*en werden ordentlich eingewiesen.

Hygieneschleuse einrichten: So gehts!

  • Abgeschlossener Raum vor dem eigentlichen Stall
  • Boden und Flächen (Wände) sind desinfizierbar
  • Möglichkeit zur Ablage / Aufbewahrung frischer Schutzkleidung
  • Reinigung / Desinfektion für Hände, Schuhwerk und Geräte
  • Abwurfplatz für getragene Schutzkleidung
  • Durchzug vermeiden, Türen nicht gleichzeitig öffnen

Die Hygieneschleuse in der Praxis

Desinfektionsmatten in 3 Größen zur Schuhdesinfektion vor den Stalleingängen:

Desinfektionsmittel werden auf die Oberfläche gegeben, der Schaumstoffkern gibt dieses nur nach oben bei jedem Tritt an die Schuhe ab

Einmalüberzieher für Schuhe und Stiefel

Desinfektionsmittel Rhodasept 10 kg:                      Dosto Wasserdesinfektion DF 3000, 5 LiterKanister

Weitere Biosicherheitsmaßnahmen

  • Trockenes Stallklima und aktive Schädlingsbekämpfung: Milbenprophylaxe
  • Nicht nur für Biobetriebe interessant: Milbenabwehr mit natürlichen Mitteln
  • Nach dem Ausstallen gründliche und komplette Reinigung und Desinfektion (Herstellerangaben zur Dosierung beachten)
  • Verendete Tiere werden täglich entfernt: Der ideale Standort für die Kadaverlagerung ist an der Grenze zum öffentlichen Weg, weil das Fahrzeug der Tierkörperbeseitigung das Betriebsgelände gar nicht zu befahren braucht
  • Einstallung möglichst nicht mit unterschiedlichen Zugängen / Jahrgängen
  • Stallbuch bzw. Legeliste führen

In Biosicherheit sollte schon allein im Interesse des Betriebs gedanklich wie finanziell investiert werden. Werden tierseuchenrechtliche Bestimmungen nicht eingehalten, drohen Kürzungen bei Entschädigungsleistungen der Tierseuchenkasse – und damit ein herber Verlust. Gerade in einer tierdichten Region, sollten sich alle Landwirt*innen ihrer Verantwortung bewusst sein. Überschaubare Biosicherheitsmaßnahmen können das Einschleppen von Erregern bzw. deren Weiterverbreitung in einen Bestand verhindern.

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