Wildtierhilfe im Garten – Frühling und Sommer

Die intensive Landnutzung, Boden- und Forstwirtschaft in Gestalt von konventioneller Landwirtschaft, Gewächshausbau, Massentierhaltung und Plantagen schaden der ökologischen Vielfalt. Verschärft durch den Klimawandel haben viele Tiere ihren natürlichen Lebensraum und ihre Nahrung verloren und sind auf Unterstützung angewiesen.

Naturschutz ist ein großes Wort. Hier lest ihr, wie schon im Kleinen viel für den Schutz von Insekten und Wildtieren bewirkt werden kann. Was ihr für einen wildtierfreundlichen Garten beachten müsst und welche kleinen Projektideen ihr im Frühjahr und Sommer auf dem Balkon, der Terrasse, dem Mini-Garten oder einer größeren Gartenfläche mit vielen ungenutzten Ecken selbst umsetzen könnt.

Warum wir Insekten und Wildtiere zum Leben brauchen?

Insekten sind Nahrung für andere Tiere wie z.B. Vögel, sie helfen mit bei der Entsorgung biologischer Abfallstoffe sowie bei der Bodenaufbereitung und sie bestäuben viele Pflanzen. Ohne Insekten geht es nicht und es würden alle Ökosysteme zusammenbrechen.

Insekten sind aber nicht nur nützlich, sondern auch schöne und faszinierende Tiere, die es zu entdecken lohnt, und die dem Garten eine lebendige Vielfalt schenken.

Was ein wildtierfreundlicher Garten braucht – und was nicht

Was kann ich jetzt und im Sommer konkret tun, um Garten, Balkon, Terrasse für Wildtiere bzw. Nützlinge wie Vögel, Bienen, Igel, Fledermäuse und Co. einladend zu gestalten? Bereits bei der Planung eines Beetes / Gartens sollte man bei der Auswahl von Pflanzen und Bäumen immer den Mehrwert für die Tiere im Kopf haben. Hier bieten sich alte Obstbäume und Sträucher wie Holunder, aber auch Kletterpflanzen wie Efeu, Kräuter wie Bärlauch, Frühblüher oder ein kleiner Streifen Wildblumen an, in deren Halmen viele Insekten überwintern. Das Ziel sollte sein, eine möglichst breite Pflanzenvielfalt – wahlweise als „Buffet“ oder „Quartier“ – zu bieten.

Wir haben nachgefragt bei Corinna Hölzel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V., kurz BUND: Das Wichtigste ist, dass vielfältige Strukturen angelegt werden. Also eine Vielfalt von Lebensräumen für Insekten, Vögel, Reptilien und Kleinsäuger zur Verfügung stehen. Der Drang zur Ordnung ist da fehl am Platz. Lassen Sie wilde Ecken im Garten zu, mähen Sie den Rasen seltener und entsorgen Sie altes Holz nicht komplett. Abgesägte Äste, verblühte Stängel, Steinmauern, offene Sandflächen sind wertvolle Lebensräume, Futterquellen und Überwinterungsquartiere für viele Tierarten. Sie werden staunen, wer sich dort alles heimisch fühlen wird. Bei der Auswahl von Pflanzen ist ebenfalls viel Möglichkeit vorhanden, nützliche Insekten anzulocken.

Pflanzen Sie heimische Wildstauden und legen Sie Blühwiesen an. Tolerieren Sie auch im Rasen Wildkräuter wie Klee, Gänseblümchen oder Männertreu, denn Insekten brauchen Nahrung. Wählen Sie ungefüllte Blüten, legen Sie Kräuterbeete oder -spiralen an. Schaffen Sie ein Blühangebot vom zeitigen Frühjahr bis zum späten Herbst. Auch heimische Gehölze (Hecken und Bäume) sind wertvolle Lebensräume mit Nahrung für viele Insekten und bieten Verstecke für Vögel, Igel und Erdkröten. In heißer werdenden Sommern spenden sie Schatten und regulieren das Mikroklima. Wählen sie alte Obstsorten, Schlehe, Beeren, Weidenarten, Heckenrosen, Weißdorn, heimischer Wacholder und Eberesche.

Was Wildtiere und Insekten überhaupt nicht mögen

Aus Sicht der Wildtiere und Insekten gibt es einige Fallstricke, die den Garten schnell „ungastlich“ werden lassen. Viele Pflanzen wie die Forsythie liefern weder Pollen noch Nektar und sind für Insekten „unbrauchbar“. Heimische Pflanzen sind zu bevorzugen, da fremde Pflanzen dazu neigen, andere zu verdrängen und so die Biodiversität langfristig zu schädigen – ganz abgesehen davon, dass auf diese Weise auch andere Tiere mit eingeschleppt werden können, die die heimischen Tiere verdrängen oder Krankheiten mit sich bringen können. Die Verwendung von heimischen Pflanzen bietet darüber hinaus große Vorteile: Die Sorten sind angepasst, im Allgemeinen pflegeleichter und z. B. eher winterhart.

Dont’s für einen wildtierfreundlichen Garten:

  • Gefüllte Blüten: dort sind die Staubblätter zu Blütenblättern umgezüchtet, die Wildbienen und Schmetterlinge dringen nicht mehr zu Pollen und Nektar vor
  • (synthetisch-chemische) Pestizide (Pflanzenschutzmittel): Pestizide sind gemacht, um zu töten, dabei trifft es nicht nur die Schadinsekten, sondern auch Nützlinge; wenn Herbizide wie Glyphosat alle Pflanzen beseitigen, haben Insekten keine Nahrung mehr
  • Mineralische Düngemittel (Kunstdünger): Ausgangsstoff für Mineraldünger ist Erdöl, dessen Herstellung sehr energieintensiv ist, beim Einsatz von zu viel Mineraldünger kann Nitrat entstehen, welches unser Grundwasser verunreinigt
  • Torf: Torf wird aus Mooren gewonnen, dort werden wertvolle Ökosysteme zerstört und riesige Mengen gespeicherter Kohlenstoff gelangt als klimaschädliches CO2 in die Atmosphäre

Der BUND empfiehlt:

Der Einsatz von Torf, chemisch-synthetischen Pestiziden und Mineraldünger ist auch gar nicht nötig, denn es gibt Alternativen: Komposterde ist die perfekte Düngung und Mulchen oder Jäten hilft gegen alle Beikräuter, die Sie nicht tolerieren wollen. Natürliche Pflanzenjauchen stärken Kulturpflanzen gegen Krankheiten. Ungeliebte Insekten können meist abgesammelt oder abgewaschen werden.

  • Ungesicherte Teiche, Kellerschächte etc., damit hier keine Tiere ertrinken oder in der Falle sitzen, aus der sie nicht wieder herauskommen
  • Frühjahrsschnitt von Bäumen und Hecken wegen der Brutzeit, besser erst im Herbst
  • Zugängliche Schuppen, Gartenhäuser und Garagen regelmäßig kontrollieren, ob ein Igel etc. dort gefangen ist
  • Nächtliche Dauerbeleuchtung bzw. Solarlampen: sie stören den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus von Insekten, weil sie nächtelang um die Lichtquellen schwirren, bis sie schließlich an Erschöpfung sterben können

Kleine Projektideen für einen wildtierfreundlichen Garten

  • Insektenhotels bieten gleich mehreren Tieren ein geschütztes Zuhause: Schmetterlingen, Ohrenkneifern, Spinnen, Bienen, Käfern etc.
  • Fledermauskasten
  • Aufstellen von Nistkästen, um den Tieren einen Rückzugsort und einen sicheren Ort zum Brüten zu schaffen
    • Natürliche Nisthilfen für Vögel sind z. B. stachelige Büsche, Hecken wie Schlehe, Brombeere oder Wildrose
    • Künstliche Nisthilfen: hier bestimmen die Größe des Einflugloches und die Form, welche Vogelart sich ansiedelt. Neben den typischen Meisenkästen, könnt ihr Nisthilfen auch für andere Vogelarten (z. B. Stare, Zaunkönig, Mauersegler, Rotschwanz) anbringen – selbstgebaut oder gekauft.

Tipp: Nistkästen sollten vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sein und deshalb nach Osten oder Südosten zeigen. Sie sollten in einer Höhe hängen, die zum einen vor Katzen, Mardern etc. sicher ist, aber noch mit einer Leiter gut erreichbar ist, um sie zu reinigen.

  • Eine Vogeltränke, besonders für heiße Sommertage
  • Feuchträume für die Insekten anlegen: eine flache Schale an windgeschützten, sonnigen Vegetationsbereichen, mit Steinen oder Holzstücken zum „Landen“; kleinste Tümpel oder Teiche, z. B. in den Boden eingelassene Tonnen oder Kübel – unbedingt mit entsprechender Bepflanzung oder zumindest Ästen etc. damit es Landemöglichkeiten und „Ausstiege“ gibt
  • Eine Blumenwiese mit Wildblumen und Kräutern aussähen: z. B. mit Rotklee, Klatschmohn, Kornblume, Gänseblümchen, Sauerampfer, Honiggras, Schafgarbe, Margerite, Wiesenglockenblume, Hornklee, Natternkopf

Tipp: BUND-Broschüre: Pflanzen für Wildbienen

  • Aufgeschichtete Steine / Steinmauern locken Eidechsen, Salamander, Schnecke, Spinnen, Mäuse und Kröten an
  • Totholz belassen: alte Baumstämme, Totholzhecken, Stängel oder Laubhaufen zählen zu den lebendigsten Lebensräumen unserer Natur. Viele Insekten, Käfer, Nager und Kriechtiere profitieren davon.

Kluge Ratgeber und Produkte zum Thema Wildtierhilfe und Insektenschutz

Bildquellen: © S. Mösch / naturimdetail.de; Tim Laußmann / BUND; Christa Lachmann / BUND

 

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3 Kommentare zu „Wildtierhilfe im Garten – Frühling und Sommer

  1. Super Beitrag! Es ist so wichtig, Nützlingen wie Schmetterlingen oder Bienen einen Platz im Garten zu schaffen. Besonders interessant finde ich auch, dass eine Dauerbeleuchtung den natürlichen Rhythmus der Insekten durcheinander bringt – ein Aspekt, an den viele wahrscheinlich erstmal nicht denken würden.

  2. Schreibfehler, oder?
    Zitat:
    Dont’s für einen wildtierfreundlichen Garten:
    Ungefüllte Blüten: …
    Es sollte ja wahrscheinlich ‚gefüllte Blüten‘ heißen, oder?

    LG
    Barbara

    • Hallo Barbara,
      du hast vollkommen recht. Da hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen…
      Wir haben das berichtigt.
      Herzliche Grüße
      Melissa aus dem Team von eierschachteln.de

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