Wie mache ich meinen Hühnerstall winterfit?

Auch bei den Vorbereitungen für den Winter gilt wie bei vielem im Leben das feine Motto: Weniger ist mehr! Denn, dass Hühner im Allgemeinen recht robuste Tiere sind und nicht sehr anspruchsvoll, stimmt wirklich. Natürlich kannst du schon ein paar Dinge beachten und für die kalte Jahreszeit vorkehren. Hier liest du, was Herbst und Winter an Herausforderungen mit sich bringen und wie du deine Hühner gesund und bei Laune hältst. Wir danken Dr. Eva-Maria Casteel, Tierärztin und Bloggerin, für ihre fachliche Unterstützung.

Herausforderung #1 Frost und Kälte

Was die kühle Jahreszeit so besonders macht, sind die namensgebende Kälte – später dann Frost – und unangenehme Nässe. Während Hühner mit Kälte in aller Regel gut klarkommen, macht Nässe sie schnell „unhappy“ oder sogar krank. „Dabei sind die alten Landrassen meist robuster als moderne Züchtungen“, weiß Tierärztin und Geflügelexpertin Dr. Eva-Maria Casteel. Der Hühnerstall sollte stehts frostfrei gehalten werden bei guter Belüftung ohne Zugluft. Besser und umweltfreundlicher als zu Heizen ist es, den Stall falls nötig zu isolieren. Das fängt damit an, etwaige Ritzen z. B. mit Silikon zu „stopfen“ oder die Stallwände etwas aufwändiger mit Isolierwolle und Holz, Plexiglas, Plane oder Styropor (z.B. in Plane eingeschlagen, da Styropor gern gepickt wird) zu dämmen. Das Ziel hierbei: die Wärme halten. Auch eine Isolierung der Decke mit Hilfe von Jute und Stroh kann gut funktionieren und hält die Wärme im Stall.

Winterester Hühnerstall
Susanne Schindler hat unter der Decke ihres Hühnerstalls eine Dämmung aus Stoh und Jute eingezogen.

Den Hühnerstall zu heizen führt häufig dazu, dass der Temperaturunterschied zwischen Stall und Außengelände so groß wird, dass sich die Tiere beim raus und rein schnell verkühlen und krank werden können. Als Faustregel kann gelten, dass die Differenz zwischen Innen- und Außentemperatur nicht mehr als 5 Grad betragen sollte. „Schon im Herbst gewöhnen sich die Hühner langsam an das kühlere Wetter und der Stoffwechsel passt sich der Kälte an“, erklärt Dr. Casteel. Flauschige Daunen sind hervorragend geeignet um die Körperwärme zu halten, eingefettete Deckfedern halten kalten Wind und Feuchtigkeit ab.
Bei extremer Kälte sind Wärmelampen bzw. Dunkelstrahler ein bewährtes Heizmittel. Diese müssen immer so positioniert und eingestellt werden, dass sie keinesfalls Verbrennungen am Rücken verursachen oder im Extremfall die Einstreu entflammen. Kükenwärmeplatten sind hier eine gute und sichere Variante. Ebenso sollte man mit der Einstreu z. B. mit Hanf und Eukalyptus nicht geizen, denn die kann gleichzeitig wärmend und isolierend wirken. Zusätzlich kann ein Einstreuzusatz aus Urgesteinsmehl effektiv zu einem trockenen, besseren Stallklima beitragen.

Interessanterweise spielt hier auch die Stallgröße gemessen an der Bestandsgröße eine Rolle. Ein kleinerer Stall bietet nämlich die Möglichkeit, dass sich die Hühner gegenseitig wärmen, wenn sie eng an eng auf der Stange „kuscheln“. Bei einer Körpertemperatur von 41 Grad, bedingt durch den schnellen Stoffwechsel, entfaltet jedes Huhn eine Heizwirkung. In einem zu groß bemessenen Stall, verteilen sich die Tiere eher und können von diesem Effekt nicht profitieren.

Optimale Stallgröße:

  • kleine Hühner: 3 bis 5 Tiere / m²
  • große Hühner: 2 bis 4 Tiere / m²

Herausforderung #2 Langeweile

Der schiere Albtraum für Hühner ist, über Wochen in einem engen Stall eingepfercht zu sein – ohne Auslaufmöglichkeit, ausgestattet bloß mit einer Sitzstange und dem immergleichen Körnerfutter. Hühner brauchen Bewegung! Allein schon, um ihren Kreislauf und Stoffwechsel ausreichend anzuregen. Es sollte also immer die Möglichkeit geben, dass die Tiere nach außen gelangen und dort auch einen trockenen Auslauf vorfinden. Das muss nicht unbedingt eine überdachte Voliere sein. Es genügt, wenn du deinen Hühnern einige trockene Stellen außerhalb des Stalls anlegst. Dort oder im Stall sollte dann auch ein Staubbad für Abwechslung sorgen und die wichtige Gefiederpflege – Stichwort Parasitenabwehr – ermöglichen. Eine mobile Variante für den Winter sind zum Beispiel Hühnerbadewannen aus Kunststoff. Außerdem sollte der Auslauf, der naturgemäß in der dunklen Jahreszeit eher karg ausfällt, zum Picken einladen, denn nichts tun Hühner lieber. Als Pickfutter oder Snacks zwischendurch eignen sich zum Beispiel eine grobe Körnermischung aus Bio-Zutaten mit Weizen, Mais, Gerste, Sonnenblumenkernen oder pur unsere schwarzen, ungeschälten Bio Sonnenblumenkerne.

Tipp:

Hühnerschaukel für beschwingte Hühner: Da lachen ja die Hühner darf hier ganz wörtlich genommen werden. Denn viele Hühner mögen die schaukelnde Bewegung.  

Herausforderung #3 Winterfutter

Im Winter gilt es, das saisonbedingte, magere Angebot im Außengelände mit geeignetem Futter zu ersetzen. Grünfutter selbst hergestellt oder auch frisches (Winter-)Gemüse wie Rote Beete, Grünkohl und Kürbis können lange gelagert oder wie Grünkohl direkt aus dem Garten bis ins Frühjahr hinein verfüttert werden. Es liefert vor allem Vitamine und Eisen. Eingeweichte Haferflocken sind ballaststoffreich und eine hervorragende Energiequelle. Im Bereich der Futterinsekten bieten sich lebende oder getrocknete Mehlwürmer an, die nicht nur Garten- und Ziervögeln schmecken.

Tipp: In unserem Artikel zu Un- & Beikraut findet sich eine Auswahl an Gewächsen, die man im Sommer gut sammeln und für den Winter trocknen kann.

Wasser muss nicht warm sein, sollte aber eisfrei gehalten werden und stets verfügbar sein. Hierfür gibt es spezielle Tränkenwärmer mit Thermostat, die nur bei Bedarf und auch bei minus 20 Grad zuverlässig arbeiten. Besser als offene Gefäße sind geschlossene Behälter wie Siphontränken / Stülptränken und Eimertränken mit Rinnen sowie Nippeltränken. Während beim offenen Napf die rassebedingt unterschiedlich langen Kehllappen der Hähne beim Trinken mit eintauchen und Erfrierungen erleiden können, umgeht man das geschickt mit einem geschlossenen System. Grundsätzlich bietet es sich an, Futter und Wasser im Stall zu „servieren“ – immer mit Bedacht darauf, dass die Einstreu nicht feucht wird.

Wärmelampe vs. Wärmeplatte. Mehr zum Thema: https://www.eierschachteln.de/blog/kuekenwaermeplatte-versus-waermelampe/

Herausforderung #4 Gesundheitsprävention & Pflege

Erfrierungen können vorbeugend und lindernd durch wasserfreies Melkfett behandelt werden. So lassen sich die „federfreien“ Körperteile wie Kamm und Kehllappen schützen. Hautpflege und Feuchtigkeit bietet das bewährte Ballistol Animal, das direkt am Tier angewendet bzw. aufgesprüht werden kann. Pflegend wirken zudem die natürlichen Propolis-Tropfen, die z. B. zum Spülen bzw. Besprühen der Schnabelhöhle verwendet werden. Ebenfalls unterstützend bei Atemwegsbeschwerden kann PHYTOsolvan Liquid mit Thymian und Kamille über die Wassertränke gegeben werden. Ganz allgemein wohltuend sind Kräutermischungen für das Legenest, die einen angenehmen Duft verströmen nach Orange, Nelke, Anis, Zimt, Kardamom, Holunderbeere, Melisse, Oregano usw. Etwas Dosto Liquid im Tränkenwasser hilf für trockeneren Kot.

 

Mehr zum Thema Hühnerhaltung im Winter: https://www.eierschachteln.de/blog/huehnerhaltung-im-winter/

Checkliste Winter als PDF zum Download

Unsere Produktempfehlungen rund um den winterfesten Hühnerstall – diese und weitere Artikel findest du unter https://www.eierschachteln.de/winter

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