Wie werde ich Bio-Betrieb?

Das Ziel ist klar: 100 Prozent Öko. Aber wie aufwändig ist die Umstellung vom konventionellen auf den ökologischen Landbau wirklich und welche Vorteile haben Erzeuger, wenn sie ein Bio-Betrieb werden? Wir haben nachgefragt bei der Fachberatung von Naturland. Der Anbauverband vergibt sein Bio-Siegel mit vergleichsweise hohen Standards für die Erzeugung und Verarbeitung. Lies hier interessante Fakten mit dem Schwerpunkt auf Bio-Geflügelhaltung und erhalte die ein oder andere überraschende Einsicht in den Bio-Markt.

Ein Hahn steht im Hühnerstall des Biohofs Schleerieth auf einem Strohballen. Foto: Nicolas Armer, Naturland

 

Die Bio-Umstellung beginnt im Kopf

Für viele Landwirte und Erzeugerunternehmen ist der erste Schritt in Richtung Bio-Betrieb in erster Linie wirtschaftlich motiviert. Das ist völlig legitim, denn aktuell locken gute staatliche Fördermöglichkeiten und ein stabiler, aufstrebender Bio-Markt viele zum Umstieg auf Ökolandbau. Es ist jedoch wichtig, nicht nur das Unternehmen gemäß den jeweiligen Bio-Richtlinien umzustellen, sondern auch die eigene Einstellung zu verändern. Vor allem, wenn es sich um ein Familienunternehmen handelt, sollte die gesamte Familie das Vorhaben Bio-Umstellung mittragen. Das ist mitunter ein langer Prozess. So zeigt die Erfahrung, dass sich bei vielen „Umsteigern“ die Zufriedenheit und Freude am Biolandbau und damit einher die wirkliche Überzeugung erst nach Jahren einstellen.

Welche Voraussetzungen gelten für die Umstellung auf Bio-Betrieb?

Größere Flächen in Stall und Auslauf, ausreichend Sitzstangen und Fressplätze sowie ein erhöhter Eigenfutteranteil – das sind nur einige Veränderungen gegenüber der konventionellen Haltung von Legehennen und Mastgeflügel. Die Voraussetzungen hängen immer vom der jeweiligen Zertifizierung ab. Für die Erreichung des Bio-EU-Siegels, das alle verpackten Öko-Lebensmittel, die in der EU produziert wurden, tragen müssen, gilt aktuelles EU-Recht. Sofern ein Betrieb sich einem Anbauverband angeschlossen hat, muss die Haltung zusätzlich dessen Richtlinien entsprechen. Die Vorgaben der Anbauverbände sind meist deutlich strenger.

Richtlinien in der Bio-Geflügelhaltung im Vergleich (Auszug)

Kriterium Bio-EU-Siegel Naturland-Siegel
Bio-Umstellung des gesamten Betriebs nein ja
Käfighaltung nein nein
Anteil an selbst erzeugtem biologisch erzeugtem Futter 20 % 50 %
Platzbedarf Stallfläche Legehennen max. 6 / m² max. 6 / m²
Platzbedarf Stallfläche Masthähnchen max. 10 / m² max. 10 / m²
Eingestreuter Scharrraum mind. 33 % der Stallgrundfläche muss mit Stroh, Holzspänen, Sand etc. bedeckt sein mind. 33 % der Stallgrundfläche muss mit Stroh, Holzspänen, Sand etc. bedeckt sein
Platzbedarf Außenbereich Legehennen + Masthähnchen je Tier mindestens 4 m² je Tier mindestens 4 m²
Steter Zugang zum Auslauf ja, außer in Schlechtwetterperioden ja, für Schlechtwetterperioden muss ein überdachter Außenklimabereich eingerichtet werden
EU-Bio-Logo
Bio-Siegel vom Anbauverband Naturland

Für die Umstellung zum Bio-Betrieb benötigen Unternehmen demnach vor allem weitere Flächen für die Vergrößerung des Stalls und Auslaufs sowie für den angestrebten Eigenanbau des Futters. Alternativ stallen sie weniger Tiere ein. Interessant ist hier, dass Kredite, die für den Bio-Stallbau vorgesehen sind, aktuell günstiger zu bekommen sind als für den konventionellen Stallbau. Der Hintergrund ist der, dass der Bio-Markt auch durch Fördermittel geringeren Schwankungen unterliegt, kontinuierlich wächst und das Ausfallrisiko für die Bank entsprechend gering ist.

Wie ist der Fahrplan einer Bio-Umstellung?

Nachdem der Entschluss gefasst ist, gilt es, sich ausgiebig zu informieren. Zunächst geht es darum Fragen zur grundsätzlichen Machbarkeit, zu den Kosten und zu möglichen Vermarktungspartnern zu klären. Hier sind die kommunalen Landwirtschaftsbehörden, die Fachberatungen der Anbauverbände oder bereits aktive Bio-Betriebe in der Nachbarschaft kompetente Ansprechpartner. Mit der Anmeldung bei der zuständigen Kontrollstelle beginnt offiziell die Umstellungsphase. Ab diesem Zeitpunkt muss das Unternehmen die EU-Vorgaben beziehungsweise die Vorgaben des Anbauverbandes erfüllen. Während dieser Umstellungsphase dürfen die Erzeugnisse nur als sogenannte Umstellware zu einem geringeren Preis verkauft werden. Außerdem führt die zuständige Kontrollstelle in dieser Phase einmalig und dann mindestens einmal im Jahr eine Prüfung durch.

Die Umstellungszeit auf Bio-Betrieb ist für jeden Betrieb individuell. Die Dauer hängt von den nötigen Um- und Ausbauten im Stall und von bestimmten Fristen ab, die einzuhalten sind. So müssen Anbauflächen nach Erledigung der letzten konventionellen Maßnahme (mineralische Düngung oder Spritzen) mindestens zwölf Monate ruhen, damit der Boden Mineraldünger, Spritzmittel etc. kompensieren kann. Der optimale Umstellungs-Zeitpunkt ist somit nach der Ernte, damit im nächsten Sommer bereits der Boden biokonform bewirtschaftet werden kann. Alternativ lässt sich durch Futterzukauf von anderen Bio-Betrieben die Umstellzeit verkürzen.

 

Hühner gehen über das Außengehege des Biohofs Schleerieth. Foto: Nicolas Armer, Naturland

 

Anbauverband – ja oder nein?

Bei den Überlegungen zur Umstellung kommt irgendwann die Frage auf, ob die Mitgliedschaft in einem Anbauverband sinnvoll ist. Im Bereich der ökologischen Geflügelhaltung ist sie üblich, da wichtige Abnehmer wie der Großhandel oder der Lebensmitteleinzelhandel Betriebe ohne Bio-Siegel in der Regel nicht berücksichtigen. Anbauverbände bieten ihren Mitgliedern den großen Vorteil, dass sie bei der Vermarktung auf das Verbandsnetzwerk zurückgreifen und das positive Image der Marke für sich nutzen können. Viele Unternehmen legen auch großen Wert auf den Austausch mit anderen und die Beratung vor, während und nach der Umstellung. Wie im gesamten Lebensmittelbereich unterliegen die Betriebe strengen gesetzlichen Regelungen, die sich fortwährend ändern. Ein Anbauverband wie Naturland hilft da, den Überblick zu behalten.

Förderungen in der Bio-Landwirtschaft

Nachhaltige Erzeugung, Umweltschutz und mehr Tierwohl werden in der EU, Deutschland und den Ländern derzeit stark gefördert. Das wichtigste Förderinstrument ist die länderabhängige Öko-Förderung. Sie wird sowohl für die Einführung als auch in geringerer Höhe für die Beibehaltung der ökologischen Bewirtschaftung gezahlt.

Finanzierung abseits von Förderungen

Eine besonders innovative Finanzierungsidee gerade für die Startphase ist das Angebot, Hühner zu leasen. Gegen einen bestimmten Betrag kann man eine Patenschaft übernehmen und sich direkt beim Erzeuger regelmäßig Eier von „seinem“ Huhn abholen. Das schenkt den immer bewusster lebenden Konsumenten ein gutes Gefühl und schafft zudem Kundenbindung.

Fakten zum Bio-Sektor für 2016

Der Bio-Markt wächst stark und stetig. Umsatz-Steigerung 2016: 9,9 %.

In Deutschland wirtschaften fast 40.000 Unternehmen nach dem gesetzlichen Bio-Standard

Jedes 10. Ei in Deutschland wurde von einem Bio-Huhn gelegt.

41% der Deutschen kaufen Bio-Produkte, wann immer es möglich ist.

Quelle: Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW)

Alle Fotos wurden uns von Naturland zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

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