Unkraut im Hühnergarten verwerten

Die erste Lektion für Neulinge mit Garten ist die, Freund von Feind unterscheiden zu lernen. Was also ist wild gewachsenes Unkraut und kann weg und was gehört zur gewünschten Bepflanzung, weil es schön blüht oder Früchte trägt? Tatsächlich darf man sich die Entscheidung nicht allzu leicht machen, denn das umgangssprachliche „Unkraut“ wird zurecht immer häufiger als „Beikraut“ bezeichnet. Grund dafür sind die häufig noch unerkannten Talente in den unverwüstlichen Pflänzchen, die langsam entdeckt werden und zu einer großzügigen „Duldung“ in Garten und Hühnerauslauf führen. Hier lest ihr, welches Beikraut ruhig auch mal stehenbleiben darf und was es für dich und deine Hühner Gewinnbringendes bereithält.

Warum Unkraut viel besser ist als sein Ruf

Wild wachsende Pflanzen können die Bodenqualität erhöhen, indem sie diesen bedecken und vor Erosion, Nährstoffauswaschung und Austrocknung schützen. An anderer „Front“ unterstützen sie die Vermehrung von nützlichen Insekten wie z. B. Schlupfwespen (gegen Motten) oder Raupenfliegen (gegen Wanzen), die ihrerseits als biologische Schädlingsbekämpfer fungieren und den Ernteertrag steigern. Apropos Essen – für Hühner sind viele (Un-)Kräuter wahre Delikatessen.

Diese federfüßigen Zwerghühner genießen die Auswahl am „Buffet“: Junge Knoblauchsrauke, Löwenzahn, Kamille und verschiedene Gräser stehen hier zur Auswahl.

Unkraut vergeht nicht. Scherzhaft gemeint, bleibt der Spruch vielen Gartenfans im Halse stecken. Ja, der schlechte Ruf von Unkraut rührt vor allem daher, dass sich Brennnessel, Löwenzahn, Schafgarbe und Co. im gepflegten Rasen oder in den mit viel Herzblut angelegten Beeten breitmachen und dort andere Pflanzen am Wachstum hindern. Warum du das Unkraut nicht grundsätzlich jäten solltest, sondern an geeigneter Stelle einfach mal stehenlassen kannst, liegt daran, dass es ungemein nützlich sein kann.

Tipp:

Unter Hecken darf man ruhig weniger streng jäten als im Gemüsebeet. Unkräuter mit starkem Ausbreitungsdrang (vielen Ausläufern) dürfen gern überall konsequent bekämpft werden.

So zählen viele Unkräuter zu den sogenannten Zeigerpflanzen, die erste Hinweise über die Bodenbeschaffenheit liefern und dir dabei helfen, geeignete Pflanzensorten mit ähnlichen Standortansprüchen für deinen Garten auszuwählen sowie ggf. entsprechende Düngemaßnahmen vorzunehmen.

BODENBESCHAFFENHEIT ZEIGERPFLANZEN
Stickstoffreich Brennnessel, Melde, Vogelmiere, Löwenzahn, Giersch, Hirtentäschel, Schöllkraut
Kalkhaltig Acker-Rittersporn, Kuhschelle, Wiesenstorchschnabel, Wiesensalbei, Ackerstiefmütterchen, Ackerglockenblumen, Leberblümchen, Klatschmohn, Taubnessel, Wegwarte, Wolfsmilch
Sauer Besenheide, Sauerampfer, Heidelbeere, Hundskamille
Trocken Hungerblümchen, Königskerze, Heidekraut, Feldthymian
Verdichtet Weißklee, Breitwegerich, Quecke

12 nützliche Un- … äh Beikräuter im Garten – für dich und deine Hühner

Brennnessel

Die Brennnessel, besonders unter Kindern ist sie gefürchtet wegen der unangenehm juckenden, brennenden Pusteln, die sie verursacht. Für viele Schmetterlingsarten wie Tagpfauenauge oder kleiner Fuchs sind ihre Blüten aber Lebensgrundlage.

Für dich: Viele schwören auf ihren Brennnesseltee. Als Jauche angemischt, wird die Brennnessel in deinem Garten zum wertvollen organischen Dünger. Zudem sind sie ein Paradies für die Gartenhelfer Marienkäfer.

Für deine Hühner: Besonders im Winter geschätzt als Vitaminbombe (Vitamin C) und eiweißreicher Snack – frisch oder getrocknet.

Tipp: Mit dem Mörser zermahlene, getrocknete Brennnessel zerkrümeln und mit Bierhefe und Quark mischen – fertig ist das Leckerli für Hühner. Getrocknete Brennnesseln zusammen mit frisch geschnittenem Löwenzahn, gekochtem Eigelb/Ei und Bierhefe ergibt einen Leckerbissen für Küken zur Ergänzung.

Franzosenkraut

Für dich: Franzosenkraut enthält viel Eisen und Eiweiß, was es zur perfekten Zutat für energiespendende Smoothies macht, aber auch über den Salat gestreut, eine gute Figur macht … Verwendet es als Spinatersatz oder zaubert daraus leckere Pestos, Aufstriche, Kräuterbutter oder Frischkäse zu Kartoffel- und Eiergerichten!

Für deine Hühner: Liefert wertvolle Vitamine (Vitamine C und A) sowie Mineralstoffe.

Giersch

Für dich: Wie schön, Giersch nicht im Beet, sondern auf dem Teller zu sehen. Dort schmeckt er erstaunlich gut in Salaten oder kann ähnlich wie Spinat zubereitet werden (ohne Stiele kochen). Und, wie lecker klingen Wildkräuterpizza oder Gierschlimonade?

Rezept Gierschlimonade:

  • 500 ml Apfelsaft,
  • 250 ml Mineralwasser,
  • 1/2 Biozitrone,
  • circa 5 Stängel Giersch
  • 1 Stiel Zitronenmelisse oder Minze

Zitrone und die Kräuter waschen, Zitrone in Scheiben schneiden. Der Apfelsaft kommt in eine schöne Kanne, dazu die Kräuter und die Zitronenscheiben geben. Das Ganze soll nun einige Stunden und am besten über Nacht im Kühlschrank durchziehen. Kurz vor dem Genießen noch das Mineralwasser dazu. Prickelnd lecker!

Für deine Hühner: Giersch enthält viel Vitamin C, Kalium, Eisen und Karotin und kann bei Darmbeschwerden begleitend angewendet werden.

Welche Vitamine brauchen deine Hühner eigentlich und wofür genau? Hier liest du mehr dazu.

Kamille

Für dich: Dem Klassiker Kamillentee werden wundheilende, entzündungshemmende, krampflösende, entblähende und mild beruhigende Eigenschaften nachgesagt. Ein Alleskönner, der schnell aus den Blüten selbst hergestellt werden kann.

Für deine Hühner: Die wohltuende und stärkende Wirkung von Kamillenblüten kannst du in Form von (abgekühltem) Tee oder als Futterbeigabe auch für deine Hühner und Küken nutzen.

Mehr über den einfach umzusetzenden Selbstversorgergarten für Mensch und Huhn liest du hier.

Knoblauchrauke

Im ersten Jahr bildet die Knoblauchsrauke herz- bzw. nierenförmige Blätter.
Während die Blattform im zweiten Jahr an den langen Stielen unterhalb der kleinen, weißen Blüten eher gezackt und dreieckig wirkt.

Für dich: Knoblauchrauke wächst eher im Schatten und du erkennst sie auch am einzigartigen, namensgebenden Geruch, wenn du die Pflanze zwischen deinen Fingern zerreibst. Knoblauchrauke enthält wertvolle Vitamine und Mineralstoffe. Zusammen mit unserem Ei-Gewürz passt sie zu Spiegel- oder Rührei, frisch aufs Brot, in den Salat oder zu Pasta.

Für deine Hühner: Knoblauch wie Knoblauchrauke haben antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften, die sich positiv auf das Wohlbefinden der Hühner auswirken können.

Löwenzahn

Als „Pusteblume“ der Star der frühen Kindheit, wird Löwenzahn im Blumen- oder Gemüsebeet mit seinen langen Pfahlwurzeln schnell zur Plage. Denn nur, wenn die Wurzel komplett entfernt wird, ist man ihn los. Verbleibt ein Teil der Wurzel in der Erde, treibt die Pflanze daraus erneut aus.

Für dich: Der Name Löwenzahn referiert übrigens auf die gezackten Blätter, die an die Zähne von Löwen erinnern. Löwenzahn ist ein Bodenverbesserer: Seine kräftigen Wurzeln können harte Erde aufbrechen und so ermöglichen, dass benachbarte Pflanzen mit kürzeren Wurzeln an Nährstoffe gelangen.

Kleingeschnitten sind die frischen Blätter eine originelle und wohlschmeckende Zutat für Salat oder Pizzabelag. Ein Tee aus Löwenzahn soll gegen Frühjahrmüdigkeit helfen: Dazu einfach die jungen Blätter in Streifen schneiden, trocknen lassen und mit kochenden Wasser übergießen. Zehn Minuten ziehen lassen.

Tipp Löwenzahnsalz: Blätter und Blüten sammeln, auf einem Tuch ausbreiten und einige Tage trocknen lassen. Im Mixer kleinmahlen, mit Salz vermischen und fertig ist das bunte Salz.

Für deine Hühner: Löwenzahn ist reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen und wird von Hühnern sehr gerne gefressen. Die gelbe Blütenfarbe kommt von den Carotinoide, die wiederum bei der Henne für leuchtend orangefarbene Dotter sorgen. Im Winter, aber nicht nur, sind die getrockneten Blätter ein willkommener Snack. Unsere Hühnerkräuter Sommermischung enthält neben sorgfältig zusammengestellten Kräutern auch Löwenzahn. Die Kräutermischung für die Hühner-Hausapotheke kann als begleitende Maßnahme bei Erkrankungen wie Durchfall, Schnupfen, Atemwegsproblemen oder Infekten gegeben werden.

Tipp: Löwenzahn kann den Hühnern im farbenfrohen Futterball oder im verzinkten Grünfutterkorb „serviert“ werden.

Sauerampfer

Für dich: Als Zeigerpflanze markiert er saure Böden. In der Küche ist er ungemein vielfältig einsetzbar. So wird er als cremige Ampfersuppe von unseren Nachbarn in Frankreich und Belgien sehr geschätzt oder als Sauerampferhendl in Österreich als heimliche Delikatesse gehandelt, während er bei uns als Bestandteil der Frankfurter Soße unverzichtbar ist. Hierzulande wird Sauerampfer sonst ähnlich wie Spinat verwendet: die jungen Blätter im knackigen Salaten oder klein geschnitten als besondere Note im feinen Omelette.

Hinweis: Sauerampfer sollte nur in geringen Mengen verzehrt werden, da die enthaltene Oxalsäure zu Erbrechen u. a. Beschwerden führen kann!

Für deine Hühner: Da Sauerampfer eine gute Eisenquelle ist, kann er z. B. bei Milbenbefall einer Blutarmut vorbeugen bzw. ganz allgemein die Hühner körperlich stärken. Hühner sind allerdings vom Geschmack nicht besonders angetan …

Schafgarbe

Für dich: Mit der Schafgarbe als Zierpflanze lässt sich schnell ein schöner, großer Wildblumenstrauß für die Vase binden. Als Heilpflanze wirken die wertvollen Inhaltsstoffe als Tee, Tinktur oder Bad positiv auf Leber, Magen, Darm, Galle und Haut (Narbenpflege). Ist man bereit, der Legende zu glauben, dann hat schon Achilles seine Wunden mit der Schafgarbe (botanisch Achillea) versorgt.

Für deine Hühner: Was für Schafe gut ist, kann für Hühner doch nicht schlecht sein! Da die Gemeine Schafgarbe angeblich so gerne von Schafen gefressen wird, hat zu ihrem deutschen Namen geführt. Wahrscheinlich wissen die Schafe um die reichen Inhaltsstoffe der Schafgarbe und möglichen positiven Wirkungen auf Verdauung, Leber, Atemwege und Wundheilung. Da sie recht bitter ist, wird sie auch nur „bei Bedarf“ konsumiert.

Profi-Tipp:

Ein Rezept für Tee und eine antiseptische Salbe mit Schafgarbe findest du bei Denise von huehner-kraeuter.de

Hier liest du mehr über Superfood für deine Hühner und wie du es – z. B. als Grünfutter-Angebot im Winter – ganz leicht selbst herstellen kannst.

Spitzwegerich

Für dich: Spitzwegerich als Teil der Hausapotheke wirkt gleich bei zwei besonders lästigen Beschwerden lindernd: Insektenstiche & Husten. Bei Insektenstichen suchst du Spitzwegerich, kaust etwas im Mund darauf herum, um ihn dann auf den Stich zu legen. Funktioniert auch bei Sonnenbrand. Die optimale Vorbereitung auf die Erkältungszeit beginnt schon im Sommer mit dem Ansetzen von Spitzwegerich-Honig. Hierfür gibst du in guten (regionalen) Honig kleingeschnittene Blätter und Blüten von Spitzwegerich, Thymian und Echinacea. Vier Wochen täglich wenden und danach aussieben und den Honig bei Erkältungen oder Husten wirken lassen.

Kulinarisch kommen die Blätter und Ähren kleingeschnitten im Salat, Rührei, Quark oder Ofengemüse groß raus. Auch in einem Pesto oder Smoothie macht er sich gut. Getrocknet lassen sich die Blätter als Tee genießen oder in einem Wildkräuter-Mix als aromatisches Pulver für Suppen und Teige vielfältig einsetzen.

Für deine Hühner: Spitzwegerich ist eine gerngesehene Futterpflanze und wird von Hühnern direkt verputzt. Auch bei Wunden kann eine schnellgemachte Spitzwegerich-Auflage (s. o.) pflegend wirken.

Vogelmiere

Für dich: Die nützlichen Pflanzen mit den weißen, sternförmigen Blüten breiten sich wie ein schöner Teppich aus. Vor allem in nährstoffreichen (Gemüse-)Beeten, was den Vorteil mit sich bringt, dass der Boden im Sommer nicht schnell austrocknet und im Winter vor Kälte geschützt wird. Vogelmierensalat ist u. a. wegen des Vitamin-, Calcium- und Eisengehalts um ein Vielfaches gesünder als Kopfsalat. Bereits 50 Gramm Vogelmierensalat decken den täglichen Vitamin-C-Bedarf eines Erwachsenen.

Für deine Hühner: Auch hier weist der Name schon darauf hin, dass Hühner, (Zier-)Vögel, aber auch Nager, vor allem in den Samen (schmeckt nach jungem, rohen Mais) ein willkommenes Frischfutter sehen.

Alles andere als unnütz. Schon 1912 wird Unkraut beschrieben als eine Pflanze, deren Wert noch nicht entdeckt wurde. Für Unkrautverfechter ist die Entscheidung, ob eine Pflanze „Unkraut“ oder „Beikraut“ ist, immer auch eine Frage des Standortes. Das heißt, dass eigentlich erst der Standort ein Wildkraut zum Unkraut macht. Noch zwei aufmunternde Facts zum Schluss: Beikraut ist pflegeleicht und – das ist nicht zu unterschätzen – es mildert den Monokulturcharakter und sorgt für mehr Vielfalt.

 

 

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