Social Media in der Landwirtschaft – Bornwiesenhof im Hunsrück

Der Bornwiesenhof mit seinen rund 100 Hektar ist ein Familienbetrieb mit Milchkühen und einer eigenen Käserei. Neben 40 Kühen und etwas über 60 Jungtieren halten sie aktuell vier Schweine, 40 Zuchthennen verschiedener Rassen und etwa 150 Junghennen und -hähne. Seit 1994 betreibt die Familie Jaschok den Bornwiesenhof in biologisch-dynamischer Landwirtschaft. Ingmar Jaschok kümmert sich allein um die Öffentlichkeitsarbeit des Bornwiesenhofs – und dies so erfolgreich, dass er Anfang des Jahres für seinen Blog „Hofhuhn“ mit dem Goldenen Blogger in der Kategorie „Bester Heimatblog“ ausgezeichnet wurde. Lesen Sie hier mehr über seine kluge und überaus erfolgreiche Content-Marketing-Strategie.

Welche Erzeugnisse bzw. Dienstleistungen bietest Du an?

  • 32 verschiedene Milchprodukte (unter anderem Flammkäs, abgetropfte Joghurts) aus der eigenen Hofkäserei
  • Rind- und Schweinefleisch
  • Eier
  • Hahnenfleisch

Alle Produkte werden nach den strengen Demeter-Richtlinien erzeugt.

Welche Social-Media-Kanäle nutzt Du?

  • Blog „Hofhuhn“
  • Facebook
  • Instagram
  • Podcast

Warum nutzt Du Social Media?

  • Um Verständnis zu schaffen für landwirtschaftliche Themen (z. B. Tierhaltung, Demeter-Landwirtschaft, Zweinutzungshähnchen)
  • Zur Vermarktung der eigenen Erzeugnisse

Bester Tipp für Social-Media-Aktivitäten?

  • Qualität über Quantität: Gute und relevante Inhalte zu posten ist wichtiger als auf die von Suchmaschinen verwendeten Algorithmen zu achten (z. B. bestimmte Anzahl an Posts)
  • Guter Content kommt an und erhält die gewünschte Aufmerksamkeit von Menschen, die auch echtes Interesse an den Produkten haben
  • Sich stetig weiterentwickeln (Texte, Bildbearbeitung etc.). „Auf Dauer reicht es nicht, Instagram-Filter anzuwenden und ein paar Hashtags zu setzen. Gibt man sich keine Mühe mit dem öffentlichen Auftritt, fällt es den Kunden schwer sich vorzustellen, dass bei der täglichen Arbeit mehr dahintersteckt“

Links: 
http://www.kaesefinessen.de
blog.hofhuhn.de

Warum nutzt der Bornwiesenhof Social Media?

Ingmar Jaschok vereint ungewöhnliche Interessen und Talente miteinander. Er ist studierter Landwirt und er mag und kann schreiben. Seinen preisgekrönten Blog „Hofhuhn“ hat er damals gestartet, weil er seiner Perspektive aus der Landwirtschaft eine Plattform geben wollte, die es in dieser Form noch nicht gab. So haben die Social-Media-Aktivitäten das vorrangige Ziel, Verständnis und eine Verbindung zwischen der Landwirtschaft und den „normalen Menschen“ zu schaffen. Dass Social Media auch als Absatzquelle nutzbar sind, hat sich für den Hof quasi nebenbei ergeben.

Welche messbaren Erfolge lassen sich auf Social Media zurückführen?

Mit viel Durchhaltevermögen, Glauben an das eigene Vorgehen und handwerklichem Können lassen sich diejenigen Fans und Follower erreichen bzw. „generieren“, die sich auch wirklich für die Inhalte und für die Produkte des Hofes interessieren. Das sind dann auch die wertvollen. „Irgendwelche Likes“ zu bekommen ist dann viel einfacher.

Blog „Hofhuhn“

Der Blog wurde als einer der besten in Deutschland ausgezeichnet. Mit dem aktuellen „Hofhuhn-Projekt“, bei dem es um die Arbeit mit Rassehühnern geht, ist er zudem für den Social-Media-Preis „Smart Hero Award“ nominiert.

Facebook:

Auf Facebook werden Dinge schneller in die Tat umgesetzt. Trotz der größeren Instagram-Reichweite (Instagram > 7.000 Abonnenten gegenüber Facebook > 5.000 Abonnenten) werden über Facebook mehr Produkte verkauft.

https://www.facebook.com/hofhuhnblog

Instagram:

„Instagram ist ein bisschen besser für den Austausch geeignet, weil positiver und niedrigschwelliger kommuniziert wird.“

https://www.instagram.com/hofhuhn/

Podcast:

Als medienerfahrener und kamerageübter Profi ist der Podcast für ihn ein gutes Format für Themen, die etwas mehr Kontext brauchen, um erklärt zu werden. Aktuell gibt es die Überlegung, sich mehr auf Videos zu konzentrieren.

http://blog.hofhuhn.de/podcast/

Wie sieht Social Media beim Bornwiesenhof im beruflichen Alltag aus?

Durchschnittlich entsteht am Tag ein Post bei Instagram, der meist auch auf Facebook geteilt wird. Einen Post zu erstellen dauert etwa eine halbe Stunde. „Meistens fotografiere ich mit der Kamera, weil die Bilder doch sehr viel besser sind und ich Spaß daran habe, das Handwerkszeug zu lernen. Ich bearbeite die Bilder am Laptop, um das in den Mittelpunkt zu rücken, worum es geht. Für den Text nehme ich mir 20 Minuten und nutze – und das ist gegen jede Empfehlung von Social-Media-Beratern – auch meistens jedes der bei Instagram zur Verfügung stehenden 2.000 Zeichen. Mit dem Beantworten von Nachrichten und Kommentaren summiert es sich auf etwa 45 bis 75 Minuten pro Tag für alle Kanäle. Da ich mich schon über zehn Jahre im Social Media bewege und die Kanäle alleine bespiele, kann ich auf einen Redaktionsplan verzichten.“

Die Themen ergeben sich zumeist aus dem Alltag. Hier rät er, sich selbst gut zu beobachten und wirklich offen für die Fragen der Leserschaft zu sein. „Oft kommt mir im Arbeitsalltag ein Kommentar oder eine Nachricht von vor ein paar Tagen wieder in den Sinn und inspiriert mich zu einem Post. Gute und mäßige „Content-Creators“ unterscheiden sich darin, wie aufmerksam sie durch ihren Alltag gehen und wie gut sie in der Lage sind, die einfachen aber essentiellen Dinge interessant zu transportieren.“

Was bringt Social Media in der Landwirtschaft?

Social Media lässt sich auch dann erfolgreich nutzen, wenn man nicht mit großen redaktionellen Inhalten aufwarten möchte oder kann. Denn „niemand kann so realistisch und authentisch zeigen wie der Hofalltag aussieht wie die Hofbetreiber selbst“. Aus seiner Sicht ist Social Media im Hinblick auf die Zukunft sogar unverzichtbar und überlebenswichtig für Höfe, da Betriebe, die weder eine Werbeagentur noch einen Social-Media-Auftritt haben, es zukünftig noch viel schwerer haben werden, wahrgenommen und gefunden zu werden.

„Überhaupt ein Konzept zu haben, ist schon besonders. Ich hatte das große Glück, ein Jahr in einer Presse- und Marketingstrategie-Agentur zu arbeiten und habe in der Zeit gelernt, wie man das hochkomplexe Ganze eines Betriebes auf ein paar Grundgedanken herunterbricht; die „Strategie“. Diese dann in der täglichen Umsetzung im Hinterkopf zu haben ist wichtig.“ Jeder Post muss für das ganze Unternehmen stehen können und sich gleichzeitig mit allen anderen Beiträgen zu einem großen und zutreffenden Gesamtbild formen. Schließlich warnt er davor, dass Social Media Marketing dazu verführen kann zu übertreiben und Dinge schön zu reden. „Die besten Bilder und schönsten Texte sind wertlos, wenn die Leute enttäuscht sind, wenn sie die Produkte in den Händen halten oder auf den Hof kommen.“

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