Zweinutzungshühner: Doppeltbegabte für Selbstversorger

Gemüse, Obst, Kräuter, Eier und Fleisch aus dem eigenen Hühnergarten sind ja besonders lecker und gesund. Gerade Kinder machen wertvolle Erfahrungen beim „Wühlen“ in den Beeten und Versorgen der Hühnerschar und uns alle führt ein Selbstversorger-Garten zu einem nachhaltigeren Umgang mit Natur und Umwelt. Steht die Ampel bei dir auf Grün, weil du dich als angehende*r Selbstversorger*in für eigene Hühner entschieden hast, folgt nun Step 2: Das Auswählen der geeigneten Rasse zur Selbstversorgung. Ist man nicht gerade Vegetarier*in, möchten die einige Selbstversorger*innen Eier UND Fleisch „erzeugen“. Zweinutzungshühner oder Zwiehühner sind hier der sinnvolle Kompromiss. In unserer „gut sortierten“ Hühnerschau stellen wir dir unsere Top 8 mit schmucken und fleißigen Zweinutzungshühnern als perfekte Wahl für den Selbstversorger-Garten vor. Los geht’s!

Von wegen nichts Halbes und nichts Ganzes: Das begabte Zweinutzungshuhn

Was aus rein wirtschaftlichen Erwägungen in der professionellen Landwirtschaft seit Ende der fünfziger Jahre nicht mehr üblich ist, aber gerade in Verbindung mit der Nutzung der Bruderhähne wieder diskutiert wird, passt perfekt in die Hobby-Hühnerhaltung: die Doppelnutzung.

Anders als beim Hybridhuhn, bei dem sich die zugehörigen Bruderküken schlecht mästen lassen, eignet sich bei den Zweinutzungshühnern die Henne zur Eierproduktion und die Hähne gleichzeitig zur Mast. Sie erreichen zwar nicht die Leistungen der spezialisierten Eier- und Fleischrassen, dafür sind die Zwiehühner etwas weniger anspruchsvoll in Fütterung und Haltung und können bei Rassehühnern selbst nachgezüchtet werden.

Der wesentliche Vorteil der Zweinutzungshühner besteht im Tierwohl. Die Hennen leiden nicht so schnell an leistungsbedingten Beschwerden wie Osteoporose und die Hähne haben durch ein gesünderes Wachstum keine Bewegungseinschränkungen wie Masthähnchen, die teilweise durch das extreme Wachstum der Brust auf selbige fallen und dann nicht mehr laufen können. Für viele das Wichtigste ist aber, dass es zu keiner Küken-Tötung kommt.

Tipp: Hühner als Gartenhelfer*innen

Hühner halten den Garten in Schuss: Sie liefern Dünger, lockern durch ihr Scharren den Boden auf und – sie fressen Käfer, Larven, kleine Schnecken und andere kleine Schädlinge.

Zweinutzungshühner finden sich vor allem unter den alten Rassen, es gibt aber auch neuere Gebrauchskreuzungen und Rassenneukreationen auf Basis alter Rassen. Immer bringen sie ganz verschiedene Eigenschaften und Temperamente mit sich:

Unsere Top 8 der Zweinutzungsrassen für Selbstversorger*innen

1. Les Bleues

Obwohl die Reihenfolge in unserer Auflistung keine Bedeutung hat, ist die französische Rasse Les Bleues die am meisten vertretene. Genetisch stammt das ruhige und verträgliche weiße Huhn vom Bressehuhn ab. Die Zweinutzungshühner werden besonders für ihre gute Fleischqualität geschätzt und sind in Frankreich beliebt wie ein guter Rotwein. Wegen der blauen Ständer (Füße) werden sie „Les Bleues“ genannt. Bezogen auf Futterverwertung und Leistung sind die Les Bleues nicht weit entfernt von Hybridhühnern.

Legeleistung: ca. 240 Eier / Jahr

Gewicht: 2,5 kg Henne, 3 kg Hahn


2. Mechelner

Das Mechelner Huhn gehört zu den fleischlastigen Rassen. Hähne können auch mal ein Gewicht von fünf Kilogramm erreichen. Sie haben einen ruhigen, verträglichen Charakter und sind anhänglich und zutraulich. Mechelner gelten insgesamt als robust und unkompliziert in der Haltung. Schwere Hühner brauchen natürlich etwas mehr Futter als die leichteren Artgenossen.

Legeleistung: 140 bis 160 eher kleine Eier / Jahr

Gewicht: 3 bis 3,5 kg Henne, 4 bis 4,5 kg Hahn


3. Appenzeller Spitzhauben

Dieses wild-scheue und attraktive Huhn mit dem putzigen Puschel auf dem Kopf ist perfekt an die Bedingungen in Bergregionen angepasst. Die Appenzeller Spitzhaube ist sehr (kälte)robust und selbstständig, was auch dazu führt, dass die Tiere z. B. gern auf Bäume fliegen und schlafen – auch bei Schnee – und allgemein etwas mehr Platz benötigen. Prädikat: Schön anzusehen und immer unterwegs …

Legeleistung: ca. 150 Eier / 1. Jahr

Gewicht: bis 1,5 kg Henne, bis 1,8 kg Hahn


4. Sulmtaler

Die schweren und gutmütigen Sulmtaler kommen ursprünglich aus der Steiermark. Durch ihren guten Bruttrieb ist für ambitioniertere Hühnerfreunde auch eine natürliche  Nachzucht mit Glucken gut möglich. Die Sulmtaler sind sehr ausgeglichen in ihrer Leistung und bieten in gutem Maße sowohl Eier und Fleisch.

Legeleistung: ca. 180 Eier / 1. Jahr

Gewicht: 2,5 bis 3,5 kg Henne, 3 bis 4 kg Hahn


Mehr zum Comeback von Selbstversorgung, Permakultur und Gartenhühnern und warum nicht 100 % Selbstversorgung das Ziel sein muss, liest du hier.

5. Ostfriesische Möwen

Außergewöhnlich schön gesprenkelt gehören die Ostfriesischen Möwen für viele zu den mustergültigen alten Landhuhnrassen. Neben allem Anmut wissen sie auch durch ihre Legeleistung und den Fleischansatz zu überzeugen. Ostfriesische Möwen besitzen eine gute Wetterhärte und sie sind schnellwüchsig, was aber der Qualität des Fleisches nicht schadet. Mit Möwen sind die Ostfriesischen Möwen nicht verwandt. Der Name geht wahrscheinlich auf die Ähnlichkeit durch das gesprenkelte Gefieder zurück. Mit ein wenig Glück und Geschick können sie durchaus auch zutraulich werden.

Legeleistung: ca. 160 bis 180 Eier / Jahr (häufig bis ins 3., 4. Jahr mit konstanter Legeleistung)

Gewicht: 1,75 bis 2,5 kg Henne, 2,25 bis 3 kg Hahn


6. Vorwerkhuhn

Vorwerkhühner sind die idealen Hühner für den Einstieg in die Hühnerhaltung. Sie sind friedlich, werden schnell zutraulich, lebhaft und suchen sich ähnlich wie viele andere eher leichte agile Rassen einen guten Teil von ihrem Futter gern selbst – was Futterkosten einspart. Alles Eigenschaften, die die Haltung vereinfachen und den „Beziehungsaufbau“ erleichtern. Aber auch Selbstversorger*innen können sich dank der guten Legeleistung und dem erreichbaren Gewicht der Vorwerkhühner in der Küche an raffinierten Eier- und Hühnerfleischgerichten genüsslich ausprobieren.

Legeleistung: ca. 160 bis 170 Eier /Jahr

Gewicht: 2 bis 2,5 kg Henne, 2,5 bis 3 kg Hahn


7. Marans

Die markanteste Eigenschaft der großen und kräftigen Marans ist die schokobraune Farbe ihrer Eier. Nicht zuletzt deswegen gehören sie zu den beliebtesten Hühnerrassen. Äußerlich sind sie eher unscheinbar. Sie gelten als ruhig und häufig zu Unrecht als scheu, denn nicht selten schaffen sie es, eine besondere Beziehung zu ihren Halter*innen aufzubauen, was wahrscheinlich auch an dem sehr ausgeprägten Appetit dieser etwas schwereren Rasse liegt. Man könnte sie als verfressen bezeichnen. Auch wenn Marans nicht ganz so agil sind wie ihre etwas leichteren Kolleg*innen, sollten Auslauf und Stall ausreichend geräumig sein, damit sie ihr Legepotential entfalten können und sich natürlich auch darin wohlfühlen.

Eine gute Wahl für ein buntes „Eierkörbchen“.

Legeleistung: ca. 170 Eier /Jahr

Gewicht: 2,5 bis 3 kg Henne, 3,5 bis 4 kg Hahn


8. Bielefelder Kennhühner

Ihr Gefieder bietet mindestens zwei Besonderheiten: Zum einen sorgen Wildfarbe und Sperbermusterung dafür, dass die Bielefelder Kennhühner im Freilauf bestens getarnt sind und zum anderen lässt sich bereits am jungen Küken ab dem ersten Tag das Geschlecht ausmachen. Diese schwere Rasse ist mastfähig und hat je nach Herkunft bzw. Zuchtlinie eine hervorragende Legeleitung.

Legeleistung: ca. 230 Eier /Jahr

Gewicht: 2,5 bis 3,25 kg Henne, 3 bis 4 kg Hahn

Bielefelderkennhühner, benannt nach ihrer Kennfarbigkeit direkt nach dem Schlupf.

Preisverdächtig: Marans und Bielefelder Kennhühner gehören zu unseren Top 5 Hühnerrassentrends 2021 aka Germany’s next Chicken Model

Schlaue und unterhaltsame Lektüre zum Thema Selbstversorgung:

Weitere einschlägige Bücher zu Hochbeeten, alten Gemüsesorten, Wildkräutern, Bauernregeln, Wildtierhilfe und mehr findest du hier.

Ein Zweinutzungshuhn lässt sich nicht nur auf seine beiden gleichwertig ausgeprägten Talente Legeleistung und Fleischansatz reduzieren. Jede unserer Top 8 Hühnerrassen für den Selbstversorger-Garten bietet außerdem echte und unkomplizierte Hühnerqualitäten: Sie sind friedlich, verträglich, robust, ruhig bis lebhaft oder einfach nur schön anzusehen. Beinahe schon ein Erfolgsgarantie für ein harmonisches Miteinander …

 

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Quellenangaben: Die Fotos der Mechelner Küken wurden uns von Sarah und Sven von @gefluegelzucht_maass zur Verfügung gestellt. Die Bilder der Marans sind von Ricarda von @inlovewithchickens

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