Der perfekte Hühnerstall: ein Rundgang

Mein Name ist Friederike. Ich bin ein waschechtes Friesenhuhn und lebe seit zwei Jahren hier in Norddeutschland, wo ich mich sauwohl fühle. Meine liebe Hauswirtin weiß genau, was Hennen wie ich mögen: stets pünktlich gereichte, ausgewogene und leckere Mahlzeiten – ab und zu findet sich auch ein Wurm im Garten – ein sauberer, ungestörter und sicherer Stall, ein einladender Auslauf mit viel Abwechslung und vieles mehr. Komm, ich nehme dich mit auf einen Rundgang durch meinen Stall und den Hühnergarten. Wir unter uns Hennen nennen unser Zuhause liebevoll 5*Hühnerparadies, weil es für uns einfach perfekt ist. Auf gehts!

Blick von außen auf das Stallgebäude

Im Hühnerstall halte ich mich tagsüber eigentlich nur zum Schlafen und Eierlegen auf. Anders sieht es aus, wenn Stallpflicht herrscht, zum Beispiel bei umgehender Vogelgrippe. Im Normalfall sollte eine reine Stallhaltung in der Hobbyhaltung ja nicht vorkommen. Gerade für diese Zeiten, aber auch sonst, ist es wichtig, den Stall gut vorzubereiten, damit alle Hühner sich auch mal länger als nur über Nacht darin wohlfühlen.

Hier ein paar Dinge zum Stall, die mir aus Hühnersicht wichtig sind:

  • Man sollte möglichst Platz für ein paar Tiere mehr einplanen, da Hühner süchtig machen können und man vielleicht doch ein zwei mehr Hühner als ursprünglich geplant halten möchte.
  • Für die Stallgröße gelten in der Biohaltung für normalgroße Legehühner folgende Mindestanforderungen:
    • Maximal sechs Legehennen pro Quadratmeter Stall
    • Pro Henne vier Quadratmeter Auslauffläche
    • Diese Mindestanforderungen sind aber so nicht auf kleine Ställe in der Hobbyhaltung übertragbar: ein Stall mit 1 m² Fläche für 6 Hennen wäre natürlich viel zu klein und würde nicht mal für die Ausrüstung wie Futterspender, Tränke, Nest und Sitzstange ausreichen. Für kleine Ställe & Hobbyhühner solltest du für 4 mittelgroßen Hennen auf 2 m² oder ca. 10 Hennen auf 4 m² Stallfläche einplanen.
  • Wer nicht möchte, dass seine Hühner auf die Straße laufen oder die Blumenbeete umpflügen muss den Auslauf einzäunen und bei flugfreudigen Hühnern sogar mit einem Volierennetz nach oben sichern. Ein solches Netz nach oben bietet zusätzlich auch Schutz vor Luftangriffen durch Greifvögel. Ein Stromzaun evtl. auch Schutz vor Füchsen, die sofern sie Junge versorgen, auch gerne tagsüber mal nach Hühnern gucken.
  • Der Stall sollte abends wegen Fuchs und Marder unbedingt dicht verschlossen sein – z.B. mit einem vollautomatischen Türöffner & -schließer!
  • Die Baumaterialien des Stalles spielen für uns Hühner keine große Rolle:
    • Grundsätzlich gelten hier natürlich „eure“ baurechtlichen Vorgaben
    • Auch eine Dämmung ist nicht zwingend nötig bei ausreichender Wandstärke. Abhängig vom Standort des Stalls (Schatten- oder Sonnenseite) oder für den Winter kann eine Dämmung sinnvoll sein
  • Gutgemeinter Rat an die Halter*innen: Bei der Auswahl des Stalls solltest du ggf. berücksichtigen, dass DU ihn saubermachen musst:
    • Also achte aus eigenem Interesse auf Bequemlichkeit: Alles sollte praktikabel sein, umso leichter fällt es dir, den Stall regelmäßig zu reinigen.
    • Ritzen, Spalten und Hohlräume möglichst vermeiden – hier sammeln sich sonst Schmutz und Milben
  • Bei der Auslaufgestaltung bin ich etwas penibel. Immerhin halte ich mich die meiste Zeit dort auf. Da will ich schon was geboten bekommen. Eine abwechslungsreiche Gestaltung ist für uns Hühner sehr wichtig. Neben Flächen zum Picken und Scharren und Staubbaden dürfen kleine Verstecke (Sträucher, Büsche, Bäume) und Unterstände als Schattenspender oder Regenschutz nicht fehlen.
Hühner vor ihrem Stall im Auslauf
Hier gibt es genug Fläche zum Scharren und Picken.

Tipp: Viele Ideen für sinnvolle Beschäftigungen von Hühnern findest du hier.

Huhn Friederike empfiehlt für den perfekten Hühnerstall:

Huhn und Futterball
Eine originelle Beschäftigungsmöglichkeit für Hühner, Nager und andere Tiere: der Futterball.

Blick ins Innere des Hühnerstalls

Kommen wir nun zum eigentlichen Hühnerstall. Wir Hühner sind ja nicht besonders anspruchsvoll. Ein paar Dinge solltest du aber schon beachten bei der Auswahl und dem Standort des Stallinterieurs. Das beginnt schon bei der Wahl der Leuchten. Da wir Hühner ganz anders sehen als Menschen und für Menschenaugen nicht sichtbares Flackern uns Stress bereitet, sollten unbedingt flackerfreie LEDs verwendet werden. Außerdem brauchen wir, um zur Ruhe zu kommen und auch um ungestört Eier zu legen, eine gewisse Abgeschiedenheit, die beispielsweise Legenester bieten.

  • Futtertröge und Tränken sollten so gestellt werden, dass sie je nach „Kammhöhe“ gut zu erreichen sind, aber auch dort fest stehen und nicht versehentlich umgeschubst werden können. Viele Modelle haben (optionale) Füße. Achte darauf, dass Futter und Trinkwasser möglichst wenig verschmutzt werden: empfehlenswert sind hier geschlossene Tränkensysteme und Futterautomaten. Mehr dazu liest du in unseren Vergleichen von Hühnertränken bzw. Futterautomaten.
  • Sitzstangen dürfen ebenfalls nicht fehlen, da wir dort nicht nur am besten schlafen, sondern es auch sonst lieben, aufzusitzen. Plane daher nicht zu wenige Sitzstangen ein (pro Huhn müssen mindestens 25 cm Sitzstange zur Verfügung stehen), die du möglichst in unterschiedlichen Höhen und nicht zu nah an der Wand anbringst. Sitzstangen sollten rechteckig (abgerundete Ecken) oder oval sein. Bei der Höhe und Breite muss die Rasse berücksichtigt werden.
    Die Sitzstange im Stall: Lieblingsschlafplatz der Hühner.
  • Kotbrett? Die Entscheidung überlassen wir dir. Wir machen unser Geschäft sowieso, nur du kannst dir das Leben damit leichter machen. Unterhalb der Sitzstangen (Schlafstätte) kann ein Kotbrett angebracht werden, das den Stallboden bzw. die Einstreu vor Hühnerhäufchen schützt. Ein Kotbrett spart Arbeit und Zeit, da sich die regelmäßige Reinigung und der Austausch der Einstreu darauf beschränkt und dann nicht so oft sämtliche Einstreu ausgetauscht werden muss.
  • Auch für die Legenester gilt, dass sie in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen müssen. Die Faustregel lautet hier: Ein Legenest für 3 bis 5 Hühner. Es gibt Legenester zum Hinstellen (mit Füßen oder Gestell) oder Legenester für die Wandmontage. Für besonders kleine Ställe gibt es sogar spezielle Wandnester zur Außenmontage.
  • Fenster und Tür (Schlupfloch): Ein Hühnerstall sollte stets genügend Licht bieten – vorzugsweise Tageslicht – er darf aber unterschiedlich ausgeleuchtet werden, da wir das Futter zwar gern genau beäugen, aber es zum Eierlegen etwas schummriger mögen. Im Winter kann eine künstliche Lichtquelle den Tag und die Aktivität bei Bedarf verlängern. Die Fenster sollten möglichst nicht gen Süden zeigen, da sich der Stall durch die intensive Sonneneinstrahlung schnell aufheizen kann. Das Schlupfloch sollte für alle Hühner gut erreichbar sein. Dieser Hühnerein- und -ausgang muss von der Abend- bis zur Morgendämmerung unbedingt für Räuber wie Fuchs und Marder geschlossen werden, z. B. mit einer automatischen Hühnerklappe.
  • Schließlich sollte das Thema Stallklima ganz wörtlich genommen werden: Zur Stallhygiene gehört eine gute Belüftung, evtl. eine Wärmedämmung, eine trockene Einstreu – z. B. auch durch einen trocknenden Einstreuzusatz und Stallwände mit spezieller Hühnerstallfarbe oder Kieselgurauftrag, auch zur Abwehr von Milben und Co.
    Eine saugfähige Einstreu und Stallwände mit Kalkanstrich sorgen für ein gutes Klima und eine milbenunfreundliche Umgebung.

Huhn Friederike empfiehlt für die perfekte Hühnerstallausrüstung:

Das Lieblingsprodukt von Huhn Friederike: Dekoschild „Love“

Dekoschild „All you need ist Love and a chicken“

 

Fotos: ©Nadja Traum einer Minifarm & ©Anja anjas_vintagehome

 

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