Mobilstall selber bauen – „unterwegs“ auf Stelzen, Rädern & Schienen

Mobilställe werden in der professionellen Hühnerhaltung immer beliebter – und zwar im Gleichschritt bei Betrieben und Verbraucher*innen. Die Vorteile von Mobilställen liegen auf der Hand. Die grünen Auslaufflächen werden durch die Hühner nicht überstrapaziert, wenn der Mobilstall regelmäßig versetzt wird. Die Hühner profitieren vom täglich frischen Grünfutter und immer neu zu bearbeitenden Scharrflächen. Und die Verbraucher*innen schätzen den direkten, von gegenseitigem Vertrauen getragenen Kontakt zu ihren regionalen Landwirten, wenn sie ihre Eier aus der offenen Auslage oder dem Eierautomaten direkt ab Hof mit Blick auf die gackernden Erzeugerinnen kaufen.

So ein Mobilstall muss nicht teuer sein. Mobilställe Marke Eigenbau lassen sich mit ein wenig handwerklichem Geschick selbst bauen und je nach Größe ein Besatz von mehreren hundert Tieren unterbringen.

DIY Mobilstall: Welcher ist dein Typ?

Durch die große Nachfrage gibt es mittlerweile einen Markt für Mobilstallsysteme – von seriell hergestellten vollautomatisiert und komplett fertigmontierten Ställen mit Zubehör wie Lichtsteuerung, Kotschublade oder Kotband zum Abkurbeln, Hühnerklappe, Legenestern, Futtertrögen oder sogar automatischer Fütterung, Nippeltränken mit Wassertank etc. bis hin zu günstigeren Bausätzen für teilmobile Ställe. Das hat natürlich seinen Preis. So manche Landwirt*innen bauen lieber selbst einen auf sich, den eignen Hof und Voraussetzungen zugeschnittenes Hühnermobil für ihre Legehennen oder Masthähnchen. Wir zeigen dir hier, welche Mobilstall-Typen es für die konventionelle und biologische Hühnerhaltung gibt.

Typ: Auf Stelzen (teilmobil)

Ein Hühnermobil auf Stelzen bietet den Vorteil, dass der gesamte Stall in einem Stück mit einem LKW-Auflieger umgesetzt werden kann. Zudem lässt sich auch die Fläche unter dem Stall zum Scharren sowie als Schattenplatz und geschützter Unterschlupf nutzen. Bei mehreren solcher „Stalleinheiten“ können die Tiere je nach Lebensphase verteilt werden.

Profi-Tipp:

Unter bestimmten Bedingungen (z. B. maximal 100 Kilometer vom Produktionsort entfernt) können hierzulande Eier ohne Erzeugernummer und ohne Eierpackstelle unkompliziert ab Hof an den Endverbraucher direktvermarktet werden: ungestempelt, unsortiert und unverpackt.

Typ: Auf Rädern

Das ist wohl die einfachste Möglichkeit, um die Idee von einem Mobilstall schnell umzusetzen. Dazu kann ein Bauwagen umgebaut oder ein PKW-, LKW- oder Trecker-Anhänger mit einem Aufbau ausgestattet werden. Auch hier muss selbstverständlich auf Verkehrssicherheit geachtet werden, wenn öffentliche Straßen befahren werden müssen.

Eine detaillierte Anleitung für einen Aufbau auf einen Anhänger findest du hier.

Typ: Auf Schienen/Kufen (teilmobil)

Diese Hühnermobile mit Stahlkufen oder auf Schienen lassen sich wie die Modelle auf Stelzen nur eingeschränkt über befestigte Wege z. B. mit dem Traktor versetzen. Für gewöhnlich fallen diese Mobilställe größer aus und sind auf einen größeren Bestand ausgerichtet.

Typ: Zerlegbar

Für Handwerkfüchse mit reichlich Erfahrung ist auch ein Stall vorstellbar, der aus mehreren Teilen besteht, sodass er leichter zu transportieren ist und einfach wieder montiert werden kann.

Besonderheiten beim Bau von Mobilställen

Auch beim Eigenbau gilt es, einerseits so zu bauen, dass alles schön praktisch und gut handhabbar ist und andererseits das Wohl der Tiere voransteht. Hier haben wir einige Herausforderungen und Fehlerquellen für selbstgebaute Hühnermobile zusammengetragen:

  • Widerstandsfähigen Bodenbelag mit einer ebenen Fläche vorsehen: der Boden sollte resistent gegen Feuchtigkeit und Korrosion sein und ein einfaches Misten, Reinigen und Desinfizieren ermöglichen
  • Witterungsbeständiges Außenmaterial wählen
    • Wird der Stall mit Holz verkleidet, ist es ratsam, möglichst dünne Bretter zu wählen. Das spart Gewicht und das Holz „arbeitet“ innerhalb der Witterung weniger
    • Hochwertige Schrauben wählen um zu vermeiden, dass bei der Ausdehnung des Holzes die Köpfe abreißen
  • Durchführbarkeit von Hygienemaßnahmen bedenken (Vogelgrippe!) (Desinfektionsschleuse)
  • Stabilität, damit auch sehr ungünstige Witterungsbedingungen – vor allem viel Wind – kein Problem sind
  • Ausreichende Lüftung sicherstellen
  • Einbruch- und ausbruchsicher
  • Optimale und flackerfreie Lichtversorgung
  • Bei der Schiebesteuerung machen sich erprobte Systeme bezahlt. Konstrukte „Marke Eigenbau“ können schnell auch mal doppelt Arbeit und Geld kosten
  • Ist die Entnahme der Eier von außen erwünscht, sollte darauf geachtet werden, dass die Klappe in geeigneter und erreichbarer Höhe angebracht wird
  • Ein guter Geflügelzaun mit stabilen Pfählen erspart Zeit und Nerven beim Auf- und Abbau
  • Bei der Planung Stauraum für benötigte Stallutensilien mit einplanen

Baugenehmigung und sonstige Richtlinien

Für alle selbstgebauten Mobilställe gilt, dass wie im stationären Stall länderabhängig eine Baugenehmigung eingeholt und die Tierschutznutztierverordnung und gegebenenfalls EU-Öko-Verordnung sowie Verbandsrichtlinien eingehalten werden müssen. Für die behördliche Genehmigung können Faktoren wie die Abmessungen des Stalls, die Anzahl der eingestallten Tiere oder Standdauer relevant sein. In der Tierschutznutztierverordnung ist beispielweise der Platzbedarf der Hennen ebenso geregelt wie auch die Trogbreite und Tränkenplätze pro Tier. Die besonderen Anforderungen an Mobilställe für Biohaltung erfordern meist bauliche und technische Veränderungen wie größere Auslauf- und Fensterfläche.

Hier findest du die Vorgaben zum Mobilstall der einzelnen Bundesländer in der Übersicht:

Baugenehmigung für mobile Hühnerställe nach Bundesländern

Tipp: Gewünschte Stellplätze gleich mit beantragen/bei der Einholung der Genehmigung mit angeben.

Was kostet ein Mobilstall?

Die geringeren Kosten sind häufig der Grund, warum Mobilställe in Eigenregie gebaut werden. Fertige Mobilställe können je nach Größe bis zu 40.000 Euro und mehr kosten. Gerechnet auf den Platz für ein einzelnes Huhn ergeben sich erst einmal fast doppelt so hohe Kosten als in der konventionellen Freilandhaltung bzw. rund ein Drittel mehr Kosten als in der ökologischen Stallhaltung. Selbstgebaute Mobilställe sind da wesentlich günstiger, obwohl für einen fairen Vergleich neben dem Material auch die Arbeitsstunden in die Rechnungen einfließen müssen.

Ob sich dann auch der Betrieb eines Mobilstalls lohnt, muss im Einzelfall kalkuliert werden. Der erhöhte Aufwand für Stallreinigung und Hygiene mit häufigerem Ausmisten, aber auch Zaun umstecken, das Mobil umsetzen, frisches Wasser und Futter ggf. über weitere Wege transportieren, täglich die Eier abholen ist nicht zu unterschätzen und muss über einen höheren Verkaufspreis kompensiert werden.

Empfehlenswerte Bücher zum Thema Mobilstall in der professionellen Geflügelhaltung:

Das kluge und praxisorientierte Fachbuch Geflügel im Mobilstall ist die ideale fachliche Begleitung für dein Projekt Mobilstall.

Konkrete Ideen & Anleitungen für Hühnerställe mit bis zu 20 Hühnern liefert das Ideenbuch Hühnerställe

 

Mit einem selbstgebauten Mobilstall sind die Hühner immer am richtigen Platz. Sie können sich inmitten der Natur „austoben“ und immer wieder neues Areal erkunden. Der Boden wird geschont, da er sich erholen kann und der schicke Mobilstall wird zum ersten Aushängeschild für die gute Qualität der auf dem Betrieb erzeugten Produkte. Gut geplant, ist der zeitliche und monetäre Aufwand für das DIY Hühnermobil überschaubar – und sogar lukrativ.

Hier findest du Artikel, die für den Eigenbau und Betrieb eines Mobilstalls interessant sind:

Insbesondere bei Stallpflicht müssen Hennen im Hühnermobil gut beschäftigt werden:

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Marei von Bines  Biobauernhof Instagram: @bines_biobauernhof und beim Demeter Hof Schmidt. Sie haben uns mit Fotos und Tipps und Tricks bei diesem Artikel unterstützt.

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