Im Fokus: Kontrollen für angehende Bio-Geflügelbetriebe

Viele Erzeuger, die auf Bio-Betrieb, also auf die ökologische Wirtschaftsweise umstellen wollen, zögern, weil sie vor allem den Aufwand und die Strenge der Bio-Kontrollen fürchten. Aber wie oft wird man tatsächlich als Geflügel- oder Masthähnchenbetrieb kontrolliert? Was muss ich dafür vorbereiten? Und wie viel kostet mich eine Kontrolle? Erfahre in unserem Beitrag, was dich bei einer Bio-Kontrolle erwartet und welche Unterstützung dir dabei Anbauverbände wie Naturland, Bioland und Co. bieten können.

Keine Angst vor der Bio-Kontrolle

Genau genommen, sind landwirtschaftliche Betriebe regelmäßige Kontrollen gewöhnt. In Deutschland werden auch konventionelle Erzeuger von staatlichen beziehungsweise privaten Kontroll-Institutionen darauf überprüft, ob sie die geltenden Vorschriften zum Beispiel aus dem Tierschutz- und Umweltschutzrecht bei der Haltung und Aufzucht von Nutztieren einhalten. Unter anderem auch wegen der Skandale in den letzten Jahren werden große Geflügelbetriebe schon jetzt mehrfach im Jahr kontrolliert. „Im Allgemeinen müssen sich Betriebe, die gut geführt sind, keine Sorgen machen. Es ist natürlich wichtig, dass die Unabhängigkeit der Kontrolle gewahrt wird, aber grundsätzlich erlebe ich eine offene Zusammenarbeit zwischen Betrieben und Kontrollstellen“, erklärt Thomas Neumaier, Fachberater Geflügelhaltung bei Naturland.

Kontrollen in der Bio-Geflügelhaltung können sehr gut vorbereitet werden, Foto: Naturland

Der Kontrolltag – Vorbereitung ist alles

Eine Kontrolle dauert zwischen einem halben und einem ganzen Tag. Sie findet erstmalig während der Umstellungsphase zum Bio-Betrieb und dann jährlich ebenfalls mindestens einmal statt. Darüber hinaus sind auch unangekündigte Kontrollen möglich. Es ist empfehlenswert, sich diesen Tag als Betriebsleiter freizuhalten beziehungsweise einen Ansprechpartner zu bestimmen, der mit den Abläufen sehr gut vertraut ist, und den Kontrolleur herumführen kann.

Für die Prüfung orientiert sich der Kontrolleur an Leitfäden und Kontrollchecklisten, die er mit einem Klemmbrett auf Papier oder mittels Tablet direkt digital ausfüllt. Zunächst interessiert den Kontrolleur der Zustand der Tiere. So überprüft er das Geflügel beispielsweise auf Federverluste, gebrochene Brustbeine, Veränderungen der Fußballen oder die Kotkonsistenz. Weiterhin stellt er die Luft- und Lichtqualität fest oder überprüft die Rückstellmuster des angelieferten Futters. Es kann durchaus vor allem bei der ersten Kontrolle nach der Umstellung auch vorkommen, dass mit einem Maßband die Stall- oder Auslaufabmessungen kontrolliert werden. Standard ist zudem der Blick in die „Bücher“. Üblich ist es hier allerdings, dass wichtige Unterlagen wie Stallpläne und Belege über den Tier- und Futterzukauf vorab (als PDF) zur Verfügung gestellt werden. Bereits vor dem Kontrolltermin prüft der Kontrolleur deine Unterlagen darauf, ob die Stallflächen entsprechend dem Tierbestand ausreichend bemessen sind, die Tiere aus ökologischer Herkunft sind und ob beispielsweise genügend biologisch erzeugtes Futter bei einer Futtermühle gekauft wurde.

Der Verbandsbetrieb muss im Gegensatz zum EU-Öko-Betrieb mindestens 50 Prozent des Futters selbst erzeugen. Das heißt, dass die Hälfte der jährlich benötigten Futtermenge als unverarbeitete Rohware (beispielsweise ganze Mais- oder Weizenkörner) an die Futtermühle zurückgeliefert werden müssen. Diese vermengt die Einzelkomponenten dann zu fertigem Öko-Geflügelfutter. Ob diese Rücklieferung eingehalten wurde, sowie Futtermenge und erzeugte Eier oder Fleischmengen im Verhältnis stehen, bezeichnet man als Warendurchflusskontrolle.

Im Normalfall erhälst du noch am selben Tag das Ergebnis beziehungsweise nach ein bis zwei Wochen dein Zertifikat. Das Zertifikat hat ca. ein Jahr Gültigkeit. Rechtzeitig vorab, meist wenige Wochen, meldet sich die Kontrollstelle bei deinem mit einem Kontrolltermin.

Nach der erfolgreichen Zertifizierung muss die Nummer der Öko-Kontrollstelle alle erzeugten Lebensmittel im Verkauf kennzeichnen ebenso wie das EU-Bio-Siegel und gegebenenfalls das Siegel vom Anbauverband.

Muster-Zertifikat Naturland, Quelle: Naturland

Was kostet die Bio-Kontrolle?

Betriebskontrollen sind kostenpflichtig. Die Preise der Kontrolle richten sich nach der Dauer und nach der Kontrollstelle, die jeweils eigene Kontrollpreise aufrufen. Indem alle erforderlichen Unterlagen bereitliegen und gepflegt sind, kann das Unternehmen den zeitlichen Aufwand und die damit verbundenen Kosten einer Kontrolle reduzieren helfen. In Bayern beispielsweise übernimmt das Land üblicherweise die Kosten für Bio-Kontrollen. Diese liegen für einen Tag bei etwa 500 Euro. Für eine Nachkontrolle oder bei kleineren Betriebe, bei denen die Kontrolle nur einen halben Tag dauert, fallen durchschnittlich ca. 200 Euro an.

Werden Mängel festgestellt, listet der Kontrolleur diese auf und gewährt zur Beseitigung eine Frist. Bei schwerwiegenden und wiederholten Mängeln sind Strafzahlungen und im Extremfall der dauerhafte Verlust des Bio-Status die Folge.

Unterstützung durch Anbauverbände

Auf den ersten Blick sind die Richtlinien für das EU-Biosiegel streng und sie sind noch einmal umfangreicher, wenn ein Betrieb auch einem Anbauverband angehören möchte. So müssen für die Umstellung auf Bio-Haltung in aller Regel Ställe vergrößert, umgebaut oder die Bestände verkleinert werden. Auch gelten zum Beispiel strengere Vorgaben für den Zugang zum Auslauf, der je nach Anbauverband durch überdachte Außenklimabereiche auch bei schlechtem Wetter stets sichergestellt werden muss. Die Mitgliedschaft in einem Anbauverband bietet aber gerade im Hinblick auf die Kontrollen einige Vorteile. Die Kontrollen für beide Siegel (EU und Anbauverband) finden kombiniert an einem Tag statt. Im Falle von Naturland unterstützt der Anbauverband bei der Suche nach einer geeigneten Kontrollstelle. Im Rahmen ihrer Fachberatung bietet der Verband dem Erzeuger zudem an, die wichtigsten Fragen vor der ersten Kontrolle vorzubereiten und zu klären.

Übrigens leisten Anbauverbände eine wertvolle Arbeit für die Verbesserung von Kontrollmaßnahmen, indem sie beispielsweise Tierwohlleitfäden für stärker am Tierwohl ausgerichtete Kontrollen herausgeben; dafür finden beispielsweise regelmäßige Schulungen der Kontrolleure statt.

Wie finde ich eine Kontrollstelle?

Betriebe können ihre Kontrollstellen frei wählen. Eine Liste mit allen in Deutschland zugelassenen Öko-Kontrollstellen inklusive der jeweiligen Kontrollbereiche findest du hier. Die meisten Kontrollstellen verfügen über ein bundesweites Netz an Mitarbeitern. Aber nicht alle Kontrollstellen bieten den Bereich Geflügel an. Es kann sinnvoll sein, mehrere Angebote einzuholen, um Preise, aber auch die unterschiedlichen Arbeitsweisen vergleichen zu können.

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