„Krankes Huhn, was nun? – Hühnerkrankheiten Basics für Hobbyhaltung“

Ja, auch Hühner können Durchfall, Schnupfen und andere Wehwehchen oder sogar ernste Erkrankungen bekommen. Dann ist es gut, wenn man als Hühnerhalter*in für die häufig auftretenden leichten Krankheiten mit ein wenig Grundwissen und evtl. dem einen oder anderen unterstützenden Mittel gewappnet ist. Für ernstere Erkrankungen, wenn es einem Huhn wirklich schlecht geht, sollte man nicht lange rumprobieren, sondern zum Wohl des leidenden Tieres und auch zum Schutz des übrigen Geflügelbestands schnell handeln und einen auf Geflügel spezialisierten Tierarzt einholen. Für ihren fachlichen Rat danken wir der Geflügeltierärztin und -Bloggerin Dr. Eva-Maria Casteel.

1. Schnupfen, Durchfall & Co: Welche Beschwerden ich ggf. (zunächst) selbst behandeln kann

Vorweg: Im Zweifel stimmt dein Bauchgefühl und du suchst sofort eine Praxis auf. Bei harmlosen Beschwerden kannst du häufig abwarten und schauen, ob es z. B. durch den Einsatz einfacher „Hausmittelchen“ besser wird. Zum Beispiel bei leichtem Schnupfen oder Durchfall kann man als Geflügelhalter durchaus selbst schon einiges machen. Wichtig ist es – auch im Sinne des gesamten Geflügelbestandes – erkrankte Tiere sofort zu isolieren, um Ansteckung zu vermeiden und genau zu beobachten, ob sich der Zustand verschlechtert. Da Hühner einen vergleichsweise schnellen Stoffwechsel haben, ist die Inkubationszeit oft sehr kurz und eine ernsthafte Krankheit kann sich früh zeigen. Es gibt aber auch einige Erkrankungen bei denen die Auswirkungen erst spät auftreten. Sollten sich die Beschwerden oder der Gesamtzustand verschlechtern, empfiehlt sich tierärztlicher Rat.

Wusstest du, dass ein Huhn meist 5 bis 7 Jahre alt wird bzw. einzelne Hühner auch 30 oder sogar bis 50 Jahre alt werden können? Gänse können mit ca. 30 bis max. 80 Jahre sogar noch älter werden. Vorausgesetzt, es handelt sich um robuste alte Rassen, die bei guter Pflege einen natürlichen Alterstod erleben dürfen.

Krankes Huhn: Was sind die ersten Maßnahmen zur Versorgung?

Das kranke Huhn möchte in einem nicht zu dunklen Raum untergebracht werden. Licht ist ja bekanntermaßen ein wichtiger Taktgeber für Hühner, weshalb sie die Dunkelheit mit einer ständigen Nachtruhe verbinden würden, inaktiv werden, nicht fressen und nicht legen (Legenot). Außerdem kann je nach Erkrankung auch Ruhe vor Artgenossen oder ggf. Wärme z. B. durch eine Wärmelampe nötig sein. Dazu kommen dem angeschlagenen Huhn besondere Snacks und Leckerli gerade recht, um wieder fit zu werden. Diese müssen aber unbedingt auf die Art der Erkrankung abgestimmt werden.

Futtersnacks / Nestkräuter / Oregano-Produkte aus dem Shop:

Wusstest du, dass der Geschmackssinn bei einem Huhn nur wenig ausgeprägt ist? Das Futter wird vor allem nach optischen Gesichtspunkten und nach Erfahrung ausgewählt und dann ohne längere Prüfung schnell heruntergeschluckt. So können auch bittere Medikamente in der Regel problemlos verabreicht werden. Etwas anders sieht es da bei Tränkenzusätzen aus. Bei der Aufnahme von Flüssigkeiten ist das Geschmacksempfinden nach neueren Erkenntnissen ausgeprägter. So reduziert sich z. B. bei einer Überdosierung von Tränkenzusätzen auch aus „geschmacklichen“ Gründen die Wasseraufnahme der Hühner, was nicht gut ist.

2. Einige Beispiele der relevanten Hühnerkrankheiten für Hobbyhaltungen auf einen Blick:

Auch der Trend zur privaten Haltung von Gartenhühnern trägt zur vermehrten Verbreitung von Geflügelkrankheiten bei. Vor allem, wenn regelmäßig aus verschiedenen Quellen Hühner zugekauft werden. Einige Krankheiten können sogar über Bruteier weiter verbreitet werden. Hühnerkrankheiten wie Marek breiten sich zunehmend gerade unter Privathaltungen aus, auch weil diese nicht so umfangreich impfen und kontrolliert werden.

Hühnerkrankheiten

Infektiöse Bronchitis = virale Atemwegsinfektion
  • Häufig

Erkennen: Welche untrüglichen Zeichen es gibt

  • Am anfälligsten sind Küken und Junghühner
  • Schniefen, röcheln, rasseln, singende Atemgeräusche, Schnabelatmung
  • Schleimiger Nasenausfluss
  • Verklebte Nasenlöcher (Picken im Dreck)
  • Geringere Legeleistung, Windeier, flüssiges Eiklar
  • Deformierte Eier, unregelmäßige Schale

Behandeln: Was getan werden kann

  • Da durch Virus verursacht, kein Antibiotikum wirksam
  • Ätherische Öle wie Eukalyptus oder Phytosolvan über Tränkenwasser, Vernebler verabreichen
  • Einstreu mit z. B. Eukalyptus
  • Bei bakterieller Folgeerkrankung mit schwerem Verlauf: Antibiotikum
  • Regelmäßige Impfung – z. B. in Kombination mit ND

 

Mykoplasmen = bakterielle Atemwegs-/Darmerkrankung durch Mikroorganismen
  • Häufig

Erkennen: Welche untrüglichen Zeichen es gibt

  • Geschwollene Köpfe (angestautes Nasensekret)
  • Schaum im Auge
  • Atemwegsgeräusche
  • Verringerte Legeleistung und Schlupfrate
  • Lahmheit durch Gelenkentzündung

Behandeln: Was getan werden kann

  • Diagnostik mit PCR-Test
  • Antibiotikum je nach Variante
  • Impfung der Elterntiere, um Übertragung auf Küken zu vermeiden
  • Neue Tiere vor Aufnahme in den Bestand ggf. testen lassen

 

Kokzidien = parasitäre Darmerkrankung
  • Häufig

Erkennen: Welche untrüglichen Zeichen es gibt

  • Meist sind Küken oder Jungtiere betroffen
  • Je nach Kokzidienart werden verschiedene Darmabschnitte befallen
  • Z. B. Blut im Kot (rote Kükenruhr) oder weißer flüssiger Kot (weiße Kükenruhr)
  • Durchfall
  • Gewichtsabnahme
  • Apathie – aufgeplustert in der Ecke sitzen
  • Abnahme der Legeleistung

Behandeln: Was getan werden kann

  • Regelmäßiges Ausmisten, um Parasitendruck zu verringern – im Akutfall alle 3 bis 4 Tage, um den Parasitenkreislauf zu durchbrechen
  • Spezielle Desinfektionsmittel gg. Kokzidien
  • Futter mit Oregano (antibakteriell, antiparasitär)
  • Tränkenzusatz mit Oregano auch präventiv für Küken
  • Akut: Medikamente

Ausführliche Informationen zum Thema Kokzidien findest du hier.

Mareksche Krankheit = Hühnerlähmung
  • Wieder häufiger

Erkennen: Welche untrüglichen Zeichen es gibt

  • Verschiedene Ausprägungen
  • Hohe Mortalität
  • Klassische Form: Lahmheit, hinken mit einem Bein, Flügel hängen schlapp herunter
  • Huhn streckt Beine in unterschiedliche Richtungen

Behandeln: Was getan werden kann

  • Da Virus kein Antibiotikum wirksam
  • Präventiv: auf Hygiene / Biosicherheit achten
  • Einmalige Impfung der Küken (nur bei frisch geschlüpften Küken möglich)
  • Trennung geimpfter und ungeimpfter Tiere (Wer einmal impft muss immer impfen…)
  • Verschiedene Rassen sind unterschiedlich anfällig

 

Newcastle-Krankheit = virale Atemwegserkrankung, atypische Geflügelpest
  • Sehr selten

Erkennen: Welche untrüglichen Zeichen es gibt

  • Atemgeräusche
  • Blauer Kamm
  • Träge
  • Verminderte Legeleistung
  • Dünnschalige Eier, flüssiges Eiklar
  • Verminderte Futteraufnahme
  • Bis zu 100 % Mortalität

Behandeln: Was getan werden kann

  • Pflichtimpfung für alle (privaten und professionellen Betriebe): jährliche Spritze oder regelmäßig über Trinkwasser
  • Eine Therapie ist verboten, Bekämpfung entsprechend der Geflügelpest-Verordnung (Keulung, Beobachtung des Bestands)
  • Ersatzleistungen durch Tierseuchenkasse
  • Es besteht Anzeigepflicht

 

Kammgrind (Favus) = Hautpilz bei Hühnern
  • selten

Erkennen: Welche untrüglichen Zeichen es gibt

  • vor allem am Kamm und im Gesichtsbereich (Kehllappen, Ohrscheiben, Augen) grauweiße „mehlartiger“ Belag bzw. Flecken, seltener: Verkrustungen, Federausfall
  • Hühner können abmagern
  • Legeleistung kann sich verringern
  • betrifft vor allem Hühner mit geschwächtem Immunsystem
  • Übertragung durch kontaminierte Einstreu, Zubehör oder infizierte Tiere (Zukäufe)
  • lange Inkubationszeit (5 – 6 Wochen)
  • Handschuhe tragen! Kammgrind ist auch auf den Menschen übertragbar!

Behandeln: Was getan werden kann

  • verschreibungspflichtige Medikamente
  • Ballistol, Wundsalben auf die befallenen Stellen
  • vitaminhaltiges, stärkendes Futter
  • gute Hygiene: Huhn separieren, Einstreu erneuern, Stall gründlich desinfizieren

Literatur zu Hühnerkrankheiten aus dem Shop:

Wusstest du, dass die Körpertemperatur von Hühnern zwischen 41 und 42 Grad liegt und der Puls im Frequenzbereich zwischen 350 bis 470? Fieber lässt sich also nicht mit dem eigenen Thermometer messen, da die Skala nicht ausreicht – dafür lohnt sich die Anschaffung eines Digitalthermometers. Alternativ erkennt man es an der schweren Benommenheit und ggf. am dunklen Kamm.

Impfen ist häufig immer noch die beste Medizin

Das tückische an der Newcastle Krankheit ist, dass der letzte klinische Fall in Deutschland bis auf die Mitte der 1990er zurückgeht. Die Gefahr durch diese schwere Hühnerkrankheit ist nicht präsent, aber nach wie vor aktuell, da es in den Nachbarländern auch in den letzten Jahren hin und wieder Ausbrüche gab. In den Sechzigern hat die Newcastle Krankheit regelrecht in Deutschland gewütet. Ganze Bestände wurden ausgelöscht – die Mortalität betrug bis zu 100 Prozent – was für viele Landwirte katastrophale Folgen hatte. Weshalb nicht verwundert, dass seitdem drastische Maßnahmen getroffen wurden, um die Newcastle Krankheit schnell einzudämmen. Eine davon ist, dass eine Impfung für alle Hühner, also auch für Privathaltungen, Pflicht ist. Weiterhin werden sämtliche betroffene Bestände wegen der hohen Ansteckungsrate und der zahllosen Übertragungswege gekeult.

Aber auch gegen andere Hühnerkrankheiten wie Mareksche Krankheit, Kokzidien, Mykoplasmen oder Infektiöse Bronchitis ist ein „Kraut gewachsen“ bzw. lassen sich mit einmaligen oder regelmäßigen Impfungen viele Krankheitsfälle vermeiden. Tierärzt*innen und Züchtervereine informieren zu Impfmöglichkeiten.

Risiko: Zukäufe

Immer wieder „schleppen“ Neuzugänge in die Geflügelbestände Krankheiten ein. Um das Risiko zu minimieren, sich hartnäckige Erreger in den eigenen Stall zu holen, und seine Hühner zu gefährden, ist eine Quarantäne hilfreich. Diese sollte etwa 10 bis 14 Tage dauern. Während dieser Zeit lässt sich oft schon erkennen, ob die Tiere krank sind, z. B. an Schnupfen oder Durchfall leiden. Einige Erkrankungen sind aber auch in den „Trägertieren“ symptomlos und erst bei Vergesellschaftung erkranken dann die anderen Tiere. Will man auf Nummer sicher gehen und hat die Möglichkeit, könnte man Blutproben z.B. auf Mykoplasmen etc. testen lassen. Alternativ bietet es sich an, nur Tiere zu kaufen, die bereits geimpft sind. Impfungen gegen Mareksche Krankheit und Kokzidien sind beispielsweise einmalig im Kükenalter und schnell realisiert. Allerdings können bei einigen Krankheiten auch die geimpften Tiere, die nicht geimpften anstecken, so dass am besten immer der gesamte Bestand geimpft werden sollte.

 

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