Hühner halten und tragen – so geht’s richtig

Hier geht es zwar auch um das Halten von Hühnern, aber ganz konkret um das korrekte Hochnehmen, Festhalten, Tragen und Transportieren. Du kennst das sicher. Es gibt immer wieder Situationen, in denen du ein Huhn hochnehmen und festhalten musst, um z. B. die Gesundheit zu kontrollieren, Pflegemaßnahmen durchzuführen oder es für einen Transport in eine Box zu sperren. Hühner können mitunter nervös und hektisch auf solche „Aktionen“ reagieren – gerade, wenn ungeübte und ängstliche Hände am Werk sind. Viele Hühnerhalter*innen verzweifeln an der richtigen Herangehensweise. Damit erst gar kein Stress für Mensch und Tier entsteht und Verletzungen (auf beiden Seiten) von vornherein vermieden werden, zeigen wir dir, worauf es beim Halten und Tragen von Hühnern ankommt.


Hühner halten: Vertrauen ist die Basis

Der Schlüsselfaktor ist eine gute Beziehung zu deinen Tieren. Zutrauliche Tiere lassen sich leichter anlocken und meist ohne Probleme hochnehmen und tragen. Bei scheuen und zurückhaltenden Tieren brauchst du Ruhe, Geduld und Einfühlungsvermögen. Vorteilhaft ist es, mit den Hühnern bereits ab dem Kükenalter (Handaufzucht) viel Kontakt zu haben, da dann ein gewisses Grundvertrauen dem Menschen gegenüber vorhanden ist.

Bücher-Tipp: Do you speak chicken? mit Einsichten, kleinen Tricks und einem Crash-Kurs in Hühnersprache …  

Wie zutraulich ein Huhn werden kann, hängt vor allem von der Rasse ab. Es gibt besonders soziale Rassen, die schneller aus der Hand fressen lernen. Mehr dazu lest ihr in unserem Beitrag zu familienfreundlichen Hühnerrassen:

Die 3 Schritte Haltung

Grundsätzlich mögen Hühner keine hektischen Bewegungen. Nähere dich also immer langsam und ruhig, damit das Huhn nicht erschrickt und wegrennt. Außerdem schrecken Hühner instinktiv vor allem zurück, was sich schnell von oben nähert – ähnlich einem „Greifvogelangriff“. Also besser etwas von der Seite oder von unten versuchen. Die Hühner sollten vorsichtig an das Hochnehmen gewöhnt und zunächst mit der Berührung durch die Hand vertraut gemacht werden. Wenn Hühner sich bei Annäherung instinktiv hinhocken, also ducken, ist das eine Unterwerfungsgeste, so wie sie das auch machen, bevor der Hahn zum Tretakt aufsteigt. Dieses Ducken erleichtert aber auch das Hochnehmen.

  1. Huhn anlocken z. B. mit Rufen und Leckerlis wie Sonnenblumenkernen, Körnermischung, Brotstückchen, Mehlwürmern oder andere getrocknete Insekten. Dann mit der Hand sanft auf den Rücken drücken, um das Huhn am Boden zu fixieren.

Um Hühner an das Picken aus der Hand zu gewöhnen, können ganz besondere Schmankerl ausschließlich per Hand ausgegeben werden. Mit der Zeit – und das kann auch mal mehrere Wochen dauern – können so auch eher wilde Rassen Zutrauen gewinnen.

 

  1. Huhn hochnehmen: Nun legst du beide Hände (trichterförmig) um den Körper und nimmst das Huhn langsam hoch, seitlich vor deinen Oberkörper.
  1. Für einen sicheren und schonenden Griff bleibt eine Hand am äußeren Flügel und drückt diesen leicht gegen den eigenen Oberkörper, damit es nicht flattern kann. Die andere Hand fixiert die Beine, indem der Mittel- oder Zeigefinger zwischen die Beine geschoben wird und Bauch und Brust des Huhns auf der Handfläche aufliegen.

 

 

Küken setzt man am besten auf die Handfläche und mit der zweiten Hand schützt man das Tier von oben und verhindert gleichzeitig, dass es weg­springt. Kleine Küken kann man auch gut mit einer Hand fassen, so dass der Kopf aus der locker geschlossenen Hand rausguckt. Größere Küken entsprechend wie Hühner tragen, indem man mit einem Finger zwischen den Beinen die Beine festhält und das Gewicht des Kükens auf der ganzen Handfläche ruht.

Für den Transport: Unbedingt ein geeignetes Transportbehältnis wählen, das eine gute Belüftung besitzt und abgedunkelt bzw. oben abgedeckt ist. Durch die Abdeckung oben fühlen die Tiere sich sicherer. Gerade bei warmem Wetter können Hühner, die zu dicht in einem geschlossenen Karton sitzen auch einen Hitzschlag bekommen.

Tipp: Scheue Hühner sollten nicht gejagt und gefangen werden, sondern abends im abgedunkelten Stall von der Sitzstange „gepflückt“ werden. Im Dunkeln sind Hühner quasi blind und können deswegen kaum fliehen oder zuhacken. Damit du im Dunkeln etwas siehst, kannst du blaues Licht verwenden – das können die Hühner nicht sehen. Blaues „Fanglicht“ wird auch zum Ausstallen in professionellen Geflügelbetrieben verwendet.

 

So geht’s nicht! Fehler beim Hochnehmen von Hühnern

  • Niemals an den Flügelwurzeln oder Läufen hochnehmen, auch wenn das ein durch Filme verbreiteter Irrglaube ist!
  • Das Huhn nicht mit dem Kopf nach unten halten!

 

 

Bücher-Tipps zum Thema:

Das Standardwerk für die Hobbyhaltung von Hühner mit allen Grundlagen, anschaulich und schrittweise erklärt: Hühner Basics

Das Rundum-Sorglos-Buch u. a. zum Kennen- und Haltenlernen von Hühnern: Hühner halten

Eine wahre Abenteuergeschichte: Seefahrt mit Huhn: 5 Jahre auf dem Segelboot mit Huhn Monique

 

Klickertraining für Hühner: Anleitung, wie du deinen Hühnern das Herkommen und weitere Kunststückchen beibringen kannst

Auf Augenhöhe mit Hühnern: ein erzähltes und gezeichnetes Hühnertagebuch mit Hühnerwissen und wertvolle Erfahrungen in der artgerechten Hühnerhaltung

Die Gefühle der Tiere – glückliche Hühner, stolze Hähne. Tierische Charaktere auf dem Prüfstein

 

Hühner auf Augenhöhe hochzunehmen, sollten alle Halter*innen können. Sei es für kleine Untersuchungen, für den Transport in die Tierarztpraxis und zur Ausstellung oder für Kuscheleinheiten. Mit Vertrauen auf beiden Seiten, ein paar kleinen Tricks und Leckerlis und etwas Übung bei den Handgriffen gelingt das bald auch stressfrei.

 

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