Do you speak chicken? – Gefährten für Hühner

Sie mag mich, sie mag ich nicht. Sie mag mich … Hühner kommen – sobald die Hackordnung geklärt ist – untereinander meist sehr gut aus, weshalb sich diese Frage hier selten stellt. Wie sieht es aber aus, wenn im Haushalt bereits andere Tiere leben oder die Anschaffung von Katze, Hund, Pferd etc. geplant ist? Gibt es gar besondere Effekte, wenn man Hühner mit anderen Tieren zusammen hält? Hier geht es darum, wie man die Haltung von Hühnern mit anderen Haus- und Nutztieren gut kombinieren kann – und wer sich als „Streithammel, Meckerziege, Krawallbürste und Streithansel“ gewöhnlich nicht allzu gut mit dem Federvieh versteht.

Gute Voraussetzungen für ein harmonisches Tier-Miteinander

Wenn man an das Bild von zusammenlebenden Tieren denkt, hat man fast unwillkürlich das Bild eines Bauernhofes im Kopf, auf dem die Tiere friedlich und harmonisch miteinander auf der Weide oder im Stall stehen, herumlaufen und sich gegenseitig das Fell bzw. Gefieder putzen.

Im harten Praxisvergleich stellt sich das jedoch als eine allzu romantische Vorstellung heraus, da es durchaus problematisch werden kann, verschiedene Tierarten zusammen zu halten. Helfen können ein paar Erfahrungswerte und kleine Tricks.

Hier ein paar Spielregeln des Zusammenlebens:

  • Optimal ist es, wenn die Tiere zusammen aufwachsen: Hier kommt es im Normalfall zu keinen bis wenig Problemen, während eine Vergesellschaftung im Erwachsenenalter durchaus zu Konflikten führen kann
  • Die Tierart, die zuerst da war, beansprucht in der Regel die Führungsrolle, sofern sie nicht größen- oder kräftemäßig deutlich unterlegen ist
  • Wichtig ist, dass die Kennenlernphase Zeit braucht: also ruhig Blut bewahren, beobachten und ggf. sorgsam reagieren
  • Optimal zur Gewöhnung sind ausreichend Platz zum Ausweichen und ggf. erstmal getrennte Bereiche, so dass die Tiere sich sehen können, ohne direkten Kontakt zu haben
  • Außerdem sollte sichergestellt werden, dass alle Zugang zu Futter, Wasser, etc. haben und dadurch möglichst keine Konkurrenzsituation entsteht, z. B. mehrere Wasser- und Futterstellen einrichten

Auch interessant: “Die Neuen kommen …” So gewöhnst du Hühner ein

  • Unabhängig von der Tierart, kommt es auch auf den Charakter des individuellen Tieres an: So kann es kommen, dass die Konstellation Hund und Huhn oder Huhn und Katze bei dir funktioniert, bei anderen aber nicht
  • Allerdings gilt auch: Du kennst deine Hühner am besten und kannst ihren Charakter einschätzen

Wenn es so gar nicht klappen will, kannst du Hühnerstall und Hühnergehege so anlegen, dass die Hühner gar nicht mit anderen Tieren in direkten Kontakt kommen.

 

Friedensstifter oder Troublemaker? Welche Tiere können gut mit Hühnern?

Eine allgemeingültige Antwort auf die Frage, ob und wenn ja mit welchen Tieren man Hühner zusammen halten kann, gibt es nicht. Hier stellen wir euch typische Haus- und Nutztiere vor, mit denen das Zusammenleben in der Regel unkompliziert ist und wer sich eher nicht verträgt.

Die „Beziehungsampel“

rotes Huhn = Troublemaker

gelbes Huhn = mal so, mal so

grünes Huhn = Friedensstifter

Katzen und Hühner

Katzen und Hühner zusammen zu halten ist der Klassiker und in der Regel völlig problemlos vor allem bei größeren Hühnerrassen. Nicht ausgeschlossen ist, dass Katzen Hühner ärgern, indem sie ihnen hinterherschleichen, andersherum haben manche Katzen sogar Angst vor angriffslustigen Hühnern. Vorsicht ist geboten bei Küken und teilweise auch kleinen Zwergrassen, denn die wecken den Spieltrieb bzw. Jagdinstinkt der Katzen, passen ins Beuteschema und sind quasi mit einem Happen weg …

Aber, wie so oft: Ausnahmen bestätigen die Regel. Manchmal geben Küken eben auch einen tollen Kitten-Ersatz ab.

Hunde und Hühner

Hunde reagieren vollkommen unterschiedlich auf Hühner. Ob Hunde mit Hühnern „können“ ist zum Teil eine Frage der Erziehung. Aber auch das rassetypische Verhalten von z. B. Jagdhunden oder Hütehunden spielt eine Rolle. Zum Kennenlernen kann es sinnvoll sein, den Hund (an der Leine geführt) die Hühner beschnuppern zu lassen. So können sich alle Tiere aneinander gewöhnen im Hinblick auf Geräusche, Duft etc. Vorbereitend darauf kann man den Hund mit dem für ihn als streng wahrgenommenen Hühnergeruch in Form von Hühnerkot konfrontieren und gewöhnen lassen. Sollten die Tiere auch nach Wochen noch streiten, hilft es vielleicht, nochmal einen Schritt zurückzugehen oder eine*n Hundetrainer*in zu engagieren.

Meerschweinchen und Hühner

Hier gilt eigentlich, was auch für viele menschliche Beziehungen gilt: Wenn es genügend Platz zum Rückzug gibt, dann ist ein Zusammenleben weitgehend harmonisch … Bei der gemeinsamen Haltung von Hühnern und Meerschweinchen geht eine mögliche Gefahr eher von den Hühnern aus, da diese sehr neugierig sind und an den Nagern herumpicken könnten.

Haben die Meerschweine einen gesonderten Rückzugsort, ist das Zusammenleben mit Hühnern im gleichen Auslauf, in der Regel, kollegial und friedlich.

Tipp:

Für die Nager ausreichende Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung stellen wie z. B. einen Weidenunterschlupf oder Wachtelhäuschen. Und um Futterneid vorzubeugen, das Futter in Heuraufe oder Kaninchenfutterautomaten, am besten getrennt voneinander, an unterschiedlichen Orten aufstellen.

Kaninchen und Hühner

Ähnliches gilt auch für Kaninchen und Hühner: Grundsätzlich vertragen bzw. ignorieren sie sich, wenn genügend Fläche vorgesehen ist. Das heißt: getrennte Ställe (zumindest zum Schlafen), Rückzugsmöglichkeiten im Auslauf, keine unkastrierten Rammler. Dennoch können Kaninchen durch das Pickverhalten der Hühner verletzt werden.

Dieses kuschelige Quintett lebt in freundschaftlicher Harmonie.

Gänse oder Laufenten (Wassergeflügel) und Hühner

Obwohl auf den ersten Blick besonders ähnlich, sind Hühner und Wassergeflügel wie Laufenten und Gänse eher keine guten Hausgenoss*innen. Wassergeflügel verschmutzt das Trinkwasser der Hühner und vor allem Gänse können Hühner auch beißen. Enten „schnuddeln“ besonders gerne alles durch und mögen es, wenn es richtig nass ist – auch im Stall. Hühner hingegen haben es lieber trocken.

Das optimale Klima im Hühnerstall? Trocken! Denn feuchte Luft im Winter begünstigt Atemwegsbeschwerden oder erfrorene Kämme. Im Sommer finden Parasiten wie Milben und Kokzidien bei Feuchtigkeit im Stall perfekte Bedingungen vor.

Aber auch bei dieser Vergesellschaftung bestätigen Ausnahmen die Regel: Wer sich Zeit nimmt für eine Eingewöhnung und die Tiere zudem „auf derselben Wellenlinie“ sind, kann individuelle Erfolge erzielen. Bei ausreichendem Platz ist die gemeinsame Haltung im Auslauf gut möglich. Die Ställe sollten aber besser getrennt sein. Noch einfacher ist es, wenn die Tiere zusammen großwerden. Allerdings sollte bei gemeinsamer Haltung von Hühnern und Wassergeflügel unbedingt auf gute Hygiene geachtet werden.

Da Wassergeflügel Träger des Vogelgrippevirus sein kann, ohne selbst zu erkranken, zeigen Hühner und Puten eher Symptome. Die gemeinsame Haltung von Wassergeflügel und Hühnern bzw. Puten (Sentinelhaltung) wird oft von Ausstellungszüchtern genutzt, um auf die sonst für Wassergeflügel erforderlichen virologischen Tests verzichten zu können. Dafür sind die Hinweise aus der Geflügelpestverordnung zu beachten.

(Mini-)Schweine und Hühner

Diese Paarung kann aufgrund der Gemeinsamkeiten und Unterschiede in einer besonders geselligen Symbiose leben. (Mini)Schweine und Hühner fressen gern eiweißreiches Gras und können mit dem gleichen Ziel vor Augen gemeinsam auf Nahrungssuche gehen. Während die Schweine wühlen, picken die Hühner in der frisch aufgewühlten Erde Regenwürmer und andere Leckerlis. Ein anderes Beispiel: Mitunter helfen die Hühner den Schweinen bei der „Körperpflege“, während die Schweine mit ihrer bloßen Anwesenheit die Hühner z. B. vor Habicht oder sogar Fuchs beschützen können.

Sogar eine gemeinsame Stallhaltung ist möglich. Zu beachten ist hierbei, dass der Eingang für die Schweine größer ist und es daraufhin im Stall kälter wird. Die Eier bzw. Legenester sollten für die Schweine nicht zugänglich sein und auch die Fütterung sollte getrennt voneinander erfolgen.

Wachteln und Hühner

Wachteln und Hühner, das lass besser sein! Die gemeinsame Haltung nimmt häufig ein blutiges Ende für die Wachteln. Außerdem haben sie unterschiedliche Bedürfnisse, was sich u. a. auf die Gestaltung von Stall und Außengelände auswirkt. Wachteln haben oft kein festes Legenest, können nicht auf einer Stange sitzen, schlafen am Boden oder draußen, kommen abends nicht in den Stall, können fliegen etc. Hühner und Wachteln sollten daher besser nicht zusammen, sondern nebeneinander gehalten werden. Etwas anders sieht es aus bei sehr kleinen Zwerghühnern wie Serama, Sebright oder Chabo. Vor allem, wenn genug Platz und Unterschlupfmöglichkeiten vorhanden sind, kann das Zusammenleben funktionieren.

Puten und Hühner

Hühner und Puten sind „WG-tauglich“. Für Puten muss aber ausreichend Platz im Stall und auf der Weide sein. Wenn du beispielsweise fünf Hühner und drei Puten hältst, also insgesamt acht Tiere, sollte das Gehege mindestens 80 Quadratmeter groß sein. Außerdem brauchen Puten stabilere Sitzstangen mit ausreichend Abstand zur Wand und unbedingt eine gute Einzäunung, am besten übernetzt. Vor allem Jungputen fliegen hervorragend, aber Puten hüpfen auch mit einseitig gestutzten Flügeln noch ziemlich hoch …

Werden die Eigenheiten der Tierarten beachtet, leben sie gut miteinander. Am besten lässt man die Puten in der Hühnerherde aufwachsen und gewöhnt ihnen auch direkt an abends in den Stall zu gehen. Sonst bevorzugen Puten es ggf. auch, im Freien zu schlafen – gern auch in luftiger Höhe auf einem Baum. Im Futter sind die Puten den Hühnern sehr ähnlich und können das gleiche Alleinfutter mitfressen, solange es sich um alte Putenrassen handelt. Nur bei der Aufzucht solltest du am Anfang auf etwas mehr Eiweiß achten – z. B. durch zusätzliche Gabe von Bierhefe zum Hühneraufzuchtfutter.

Im Gegenzug für den Aufwand können Puten Hühner sehr gut vor Habichten warnen oder sogar schützen. Insbesondere ausgewachsene Puter bleiben aufgeplustert stehen, worauf sich der Habicht normalerweise nicht mehr „runtertraut“. Bei der gemeinsamen Haltung von Hühnern und Puten muss aber unbedingt auf eine penible Hygiene geachtet werden, da Puten sehr „empfänglich“ für die Schwarzkopfkrankheit sind und der Erreger oft von Hühnern weitergegeben wird – ohne, dass diese selbst erkranken. Also Häufchen einsammeln und am besten vorsorglich immer genug Oreganoöl / Dosto Liquid ins Wasser geben! Außerdem sollte man bei der Anschaffung von Puten beachten, dass sowohl die Rufe der weiblichen Pute als auch das „Trällern“ des Puters weithin hörbar sind.

Ziegen/Schafe und Hühner

Ziegen sind so etwas wie eine Geheimwaffe als Schutz vor Hühnerräubern. Ziegen sind immer in Bewegung, was Greifvögel erfolgreich vom Gehege fernhält. Außerdem sind sie sehr genügsam und integrieren sich gut in eine Herde von Hühnern. Hühner und Ziegen können sich sogar einen großen Stall teilen, wobei eine Abtrennung empfehlenswert ist, um den Hühnern z. B. ein ungestörtes Legen oder Brüten zu ermöglichen. Da Ziegen keine reinen Grasfresser sind und viel Laub und Zweige verputzen, sollte das Außengelände entsprechend ausgestattet sein. Auch Schafe stört es normalerweise nicht, wenn um sie herum ein paar Hühner sind.

Mehr über Raubtierschutz von Hühnern liest du hier.

Lamas/Alpakas und Hühner

Auch die Kamelarten Lama und Alpaka sind sich grün mit Hühnern und werden sogar als Herdenschutztiere eingesetzt, da sie Tiere, die sie als Bedrohung empfinden, treten und verjagen – wobei sicherlich ein Tritt auch mal das ein oder andere Huhn treffen könnte … Das erreichbare Beziehungslevel reicht von dulden bis verstehen.

Bienen und Hühner

Hühner und Bienen können friedlich nebeneinander leben, solange es sich um sanftmütige, also nicht stechfreudige Bienen handelt. Normalerweise werden lediglich tote Bienen von Hühnern gefressen. Hühner können sich problemlos in der Nähe von Bienenstöcken aufhalten. Wächterbienen sorgen mit ihrem Auftauchen und Summen dafür, dass Hühner „abdrehen“, wenn sie zu nah am Eingang des Bienenstocks sind oder sogar darauf landen. Sollten Hühner auch nach lebenden Bienen picken, kann ein kleiner Zaun schnell Abhilfe schaffen.

Nicht alle Tiere „sprechen die Hühnersprache“, aber doch die meisten finden einen Draht zum liebenswerten Federvieh – vor allem, wenn man allen Tieren genügend Raum lässt. Und auch alte Hasen unter den Hühnerzüchter*innen werden überrascht sein, welche Symbiosen sich mitunter ergeben. Stichwort Raubtierschutz und Körperpflege.

Noch zwei Büchertipps zur besseren Kommunikation mit Hühnern:

 

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