Fehler in der Hühnerhaltung & wie du sie vermeidest

Wie der Schriftsteller Theodor Fontane schon feststellte: Wer aufhört, Fehler zu machen, lernt nichts mehr dazu. Wie bei vielen Dingen bietet auch die Hühnerhaltung einige (fiese) Fallstricke. Selbst erfahrene Hühnerhalter*innen sind nicht davor gefeit. Oftmals spielen falsche Erwartungen eine große Rolle. Hier hilft es, sich im Vorfeld ausgiebig zu informieren. Das Gute ist ja, dass man aus Fehlern lernen kann. Fehler zu machen ist keine Schande, wenn du sie dann nicht wiederholst. Also am besten ohne: Oops, I did it again

12 klassische Fails in der Hühnerhaltung

Hier kommen wir zu 12 typischen Fehlern, die vor allem Anfänger*innen – aber nicht nur (!) – passieren:

  1. Angst vor den Tieren haben

Hier ist nicht die Alektorophobie, also die pathologische Angst vor Hühnern gemeint. Hühner können auch mal hektisch und nervös werden und mit dem Schnabel picken. Gewöhne dich (und deine Hühner) an Berührungen, indem du dir deine Hühner regelmäßig schnappst und auf den Arm nimmst. Profitipp: So kannst du sie gleich auf Parasiten und Anzeichen einer Krankheit untersuchen.


  1. Mit nur einem oder zwei Hühnern „starten“

Da Hühner sehr soziale Tiere sind – Stichwort Hackordnung – sollte man mindestens drei bis vier Hühner halten. Andernfalls können sie sich schnell einsam fühlen. Auch abhängig von der Familiengröße und der gewünschten Eiermenge zur Selbstversorgung sollten nicht zu wenige Hühner angeschafft werden. Für eine vierköpfige Familie sollten mindestens drei bis vier Hühner gehalten werden.


  1. Zu wenig Platz

    Ein Kinderspielhaus lässt sich, mit wenig Aufwand, in einen kleinen Hühnerstall oder ein Kükenheim verwandeln. Mehr als 3- 4 Hühner finden hier aber keinen Platz.

Bei der Bemessung des benötigten Platzes gibt es gleich verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Ja, Hühner sind nicht den ganzen Tag im Stall, sondern vor allem zum Schlafen und Eier legen dort.

Dennoch sollten es ca. 2 m² Stallfläche für 3 bis 4 Hühner oder ca. 4 m² für bis zu 10 Hühner sein und die Hühner benötigen einen entsprechend großen Auslauf (mindestens 4 m²/Huhn). Ein zu kleiner Stall wiederum rächt sich insbesondere im Winter, aber auch bei Schlechtwetterperioden in der wärmeren Jahreszeit oder in Zeiten von Stallpflicht. Auch um flexibel bei der Größe der Hühnerschar zu bleiben, lohnt sich eine großzügige Planung: Wo drei Hühner sind, sind schnell auch fünf. Und eigene Küken wolltest du ja auch mal probieren, oder? … Eine Alternative sind Zwergrassen mit etwas weniger Platzbedarf.


  1. Keine erhöhte Sitzmöglichkeit im Stall als Schlafstätte

Hühner suchen instinktiv erhöhte Plätze zum Schlafen auf, um vor Räubern sicher zu sein. Am besten werden Sitzstangen (Dachlatte mit leicht abgerundeten Kanten, stabiler Ast) in unterschiedlichen Höhen und nicht zu nah an der Wand angebracht. Rechne mit 25 Zentimeter Platz auf der Sitzstange pro Huhn. Für schwere Rassen sollte zusätzlich eine Hühnerleiter angebracht werden. Wenn eine passende Sitzstange vorhanden ist, gehen die Hühner abends umso lieber in ihren Stall anstatt in den nächsten Baum.


  1. Die falsche Rasse ausgewählt

Hühner gehören definitiv zu den unkomplizierten Haustieren. Dennoch haben alle Rassen ihre Eigenheiten. So kann es passieren, dass du und deine Hühner einfach nicht gut zusammenpassen. Sei es aufgrund ihres Charakters, ihrer Größe oder weil sie nicht für das Klima ihres neuen Zuhauses geeignet sind. Achte bei der Auswahl insbesondere auf Flugfreudigkeit, Friedfertigkeit, Legeleistung und Zutraulichkeit. Profitipp: Je leichter die Hühnerrasse, desto flugfreudiger und scheuer sind die Hühner meistens.

Ein wenig Inspiration gefällig? Die Hühnertrends für 2021 mit 5 der beliebtesten Rassen liest du hier.


  1. Falsches Futter

Dieses Terrain bietet viel Fehlerpotential. So fressen Hühner zwar Körner, aber nicht nur. Körnerfutter z. B. aus Weizen ist wertvoll, da es energiereich ist und auch einige Mineralstoffe und Vitamine liefert. Auch trägt es zum nussigen Geschmack vom Frühstücksei bei. Darüber hinaus brauchen Hühner als domestizierte Hochleistungstiere jedoch auch eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen, Aminosäuren, etc., weshalb man zur Gesunderhaltung der Hühner unbedingt ein Legehennenfutter geben sollte. Grünfutter und zusätzliches Kalkgrit und ggf. Magenkiesel zur Unterstützung der Verdauung runden den Speiseplan ab.

Landläufig werden Hühner mit sämtlichen Küchenabfällen gefüttert, obwohl einige Pflanzen und Lebensmittel für Hühner giftig sind wie zum Beispiel Avocado oder rohe Kartoffeln. Ein Zuviel an Kohl oder Zitrusfrüchten sowie die Gabe von Katzen- oder Hundefutter oder verschimmelten Lebensmitteln ist ebenfalls nicht gut.

⇒ Ein paar Anregungen zu dem, was Hühner fressen und was besser nicht, findest du hier oder hier. Welche Pflanzen du in deinem Hühnergarten als Futter anbauen kannst, haben wir hier zusammengetragen.

 

Gut geeignet für die Begrünung des Hühnergartens sind z.B. Apfelbaum oder Kirschbaum, sie bieten nicht nur Schutz und Schatten sondern auch schmackhafte Snacks. Beerensträucher wie Brombeeren oder auch Himbeeren, aber auch Holunder sind tolle Verstecke mit gleichzeitigem Ertrag. Wenn du auf der Suche nach einem Rankgewächs bist, ist Wein eine gute Wahl.


  1. Hühner vergessen beim Veterinäramt und/oder der Tierseuchenkasse anzumelden

Auch die privaten Hühnerhalter*innen sind in der Regel ab dem ersten Huhn dazu verpflichtet, ihre Hühner beim Veterinäramt bzw. der Tierseuchenkasse zu registrieren und fortan jährlich zu melden. Ob auch Kosten (sehr gering) anfallen, ist auf Länderebene geregelt. Vielen Halter*innen ist ebenfalls nicht bekannt, dass eine Impflicht für die sogenannte Newcastle Krankheit (atypische Geflügelpest) besteht.

Hier gibts weitere Infos über die korrekte Hühneranmeldung.


  1. Nachbarn nicht informiert

Hühner zu halten ist das neue Urban Gardening. Anders ausgedrückt: die Hühner erobern die Städte. Auf engem Raum kann die Hühnerlust beim Nachbarn zum Frust werden, wenn diese das laute Gegackere oder den Hahnenschrei als störend empfinden. Wichtig ist es, das vorab auszuloten und die Nachbarn über den „Familienzuwachs“ zu informieren. Falls du Mieter*in bist, musst du zwangsläufig vorab mit der Vermietung klären, ob diese überhaupt zustimmen. Denn, Hühner zählen zu den Haustieren und dürfen – anders als Kleintiere (wie z. B. Hamster) – nicht ohne Erlaubnis gehalten werden.


  1. Kein Notfallplan bei kranken Hühnern

„Au Backe, mein Huhn ist krank.“ Gut ist es, eine auf Geflügel spezialisierte Tierarztpraxis in der Nähe zu wissen. Es gibt ein paar typische Hühnerkrankheiten, von denen du wissen solltest, wie du sie erkennst und was zu tun ist. Für Verletzungen und die Pflege von Milbenbefall, Erfrierungen etc. kannst du eine kleine Hühner-Apotheke anlegen.

Profitipp: Was gehört in deine Hühnerapotheke?


  1. Feinde vernachlässigen

Fuchs, du hast die Gans gestohlen … und meine Hühner gleich dazu. Oh Schreck! Fuchs, Marder, Bussard, Habicht und Krähe sind allesamt ernstzunehmende Hühnerräuber. Dein Stall sollte unbedingt raubtiersicher sein. Das beginnt damit, den Stall über Nacht (am besten von der Abend- zur Morgendämmerung) geschlossen zu halten. Mit einer elektrisch gesteuerten Hühnerklappe kannst du das bequem von einer Zeitschaltuhr oder Dämmerungssensor steuern lassen. Eine Krähenattrappe hat auch eine nicht zu unterschätzende Abschreckwirkung. Und natürlich sollten auch Fenster- und Lüftungsöffnungen mit stabilem Volierendrahtgitter gesichert sein.


  1. Keine Baugenehmigung

Für einen fest installierten (gemauerten) Hühnerstall musst du ggf. eine Baugenehmigung einholen bzw. nach bestimmten Vorgaben bauen. Informiere dich im Vorhinein über die geltenden Bauvorschriften. Alternativ kann ggf. ein beweglicher Stall wie z. B. ein Bauwagen aufgestellt werden.


  1. Die (zugegebenermaßen wenige) Arbeit unterschätzen

Ja, die Hühnerhaltung ist im Vergleich mit der Haltung anderer Tiere recht unkompliziert. Nun aber zu denken, sie würde gar keine Arbeit mit sich bringen, ist ein Fehler. Tiere zu halten, bedeutet immer Verantwortung. Die regelmäßige Reinigung und die Zeit, täglich Wasser und Futter zu kontrollieren bzw. nachzufüllen solltest du einplanen. Außerdem sollte der Hühnerstall zweimal im Jahr (Frühjahrsputz + Winter) einer Grundreinigung unterzogen werden.

Fehler bei der Brut

Für viele Hühnerhalter*innen ist das Brüten wie ein Hefeteig. Entweder er gelingt oder eben nicht und ich lasse die Finger davon. Das Thema Brut ist sensibel, müssen doch die Brutbedingungen wie Luftfeuchte, Temperatur, häufiges Wenden etc. stets beachtet werden.

Neueinsteiger*innen sollten sich gut informieren, bevor sie mit der Brut starten. Es sind schließlich Lebewesen, die Ihr da in der Brutmaschine habt. Eine automatische Brutmaschine macht hier schon vieles allein. Zum Testen bzw. mangels Hahn kann auch erstmal mit gekauften Bruteiern von einem/r (lokalen) Züchter*in – auch für einen Informationsaustausch – gestartet werden. Alternativ: Die Hühner brüten lassen, sofern man eine Rasse hat, die noch eigenen Bruttrieb hat

Weitere Facts und viele Tipps über die Kunst, Küken zu brüten, liest du hier.


Bei all den Fehlern und vielleicht Frusterfahrungen, die damit zusammenhängen, Hühnerhaltung lohnt sich: Hühner bieten Nestwärme und ein Stück heile Welt, Hühner entspannen, Hühner sind elegant und witzig. Hühner machen mein Frühstück leckerer.

Bevor also der Wurm nicht im Huhn, sondern in deinen enttäuschten Erwartungen steckt, entdecke und verstehe Hühner und die Geheimnisse der Hühnerhaltung am besten auf dem Leseweg.
Rundum informative und unterhaltsame Bücher über Hühnerhaltung aus unserem Shop (Auswahl):

 

Wir bedanken uns bei Nadja und Nadine für die Bereitstellung ihrer Fotos. ©traum.einer.Minifarm & ©huehnergeschichten

 

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