DIY-Hühnerstall aus einem Gartenhaus-Bausatz

Es gibt diejenigen unter uns Hühnerfreund*innen, die sicher mit Hammer, Bohrmaschine, Säge, ein bisschen Statikwissen und einem Maßband umgehen und ein ansprechendes Hühnerhäuschen aus dem besorgten Material vom Baumarkt zimmern können. Und dann gibt es die anderen, die auf Alternativen angewiesen sind … oder einfach schnell fertig werden möchten. Gute Neuigkeiten, wir zeigen dir hier, wie du DIY-Projekte gut vorbereitest und z. B. aus einem einfachen Gartenhaus-Bausatz einen prächtigen und mehr als tauglichen Hühnerstall selbst (um-)bauen kannst.

Noch vorweg: Abhängig vom Anteil der Fertigelemente des Gartenhaus-Bausatzes sprechen wir hier nicht von einer „Schnell-schnell-mal-eben-Aktion“. Ein wenig Zeit muss man für den Bau des eigenen Hühnerstalls schon einplanen. Sprich: Rechne damit, dass du mehrere Tage oder Wochenenden mit dem Bau des Stalls beschäftigt sein wirst.

Vorüberlegungen I: Denken wie ein*e Architekt*in

Folgende Fragen und Hinweise sollen dabei helfen, dir über die baulichen Details deines zukünftigen Hühnerheims klar zu werden: Was ist dir wichtig? Welche Ansprüche stellst du? Wie sind deine Möglichkeiten?

  • Wie viele Hühner sollen im Stall Platz finden? bzw. Wie groß muss der Stall dann sein?
    • Für kleine Ställe & Hobbyhühner solltest du bspw. 4 mittelgroße Hennen auf 2 m² oder bis ca. 10 Hühner auf 4 m² Stallfläche einplanen.
  • Welches Material möchtest du verwenden?
    • Holz ist etwas wartungs- und pflegeintensiver (z. B. regelmäßiger Anstrich alle paar Jahre), aber Holz ist als Baustoff günstig und bietet ein gutes natürliches Klima bezüglich Temperatur und Luftfeuchte. Beim Bau auf möglichst wenig Ritzen und Hohlräume achten wegen der Milben. Am besten streichst du den Stall innen komplett mit einem Mix aus Kieselgur & Kalk und verschließt dadurch auch kleine Ritzen. Mit unserem natürlichen Kalkanstrich schaffst du so eine keim-, pilz- und schimmelwidrige Oberfläche allein durch einen hohen pH-Wert.
    • Steine/Ziegel sind etwas teurer und aufwändiger im Bau, aber wie wir nicht zuletzt aus der Geschichte von den drei kleinen Schweinchen wissen, sehr robust und „wolfsicher“, ähm raubtiergeschützt. Allerdings sind hier Vorkenntnisse im Mauern und Verputzen unerlässlich …
    • Metallställe gibt es mittlerweile auch häufig als fertigen Bausatz. Der Werkstoff Metall bietet den großen Vorteil, dass er hygienisch und pflegeleicht ist und Milben und anderen Parasiten keinen guten Nährboden bietet, sofern keine Ritzen vorhanden sind. Aber leider haben die einfachen Blechschuppen kein gutes Innenklima: Im Sommer warm, im Winter kalt inkl. Bildung von Kondenswasser. Wenn die besonderen Anforderungen an Wärmedämmung und Luftzirkulation beachtet werden, ist ein Metallstall eine gute Alternative.
  • Soll der Stall fest an einem Ort stehen oder als Mobilstall auch mal an anderer Stelle Platz im Garten finden?
    • Das Baurecht bedenken, ggf. bietet ein mobiler Stall Vorteile: Wenn du z. B. für feststehende Bauten eine Genehmigung brauchst, kannst du mit einem umgebauten Handkarren oder Bauwagen tricksen.
  • Bei einem festen Stall: Brauchst du ein Fundament?
    • Ein reiner Naturboden ist insofern ungünstig, da grabende Wildtiere wie Füchse und Ratten leicht eindringen können und auch, weil Feuchtigkeit aus der Erde durch den Stallboden drückt und ein feuchtes Stallklima entsteht. Ein Fundament kann aus Beton gegossen, gemauert oder ein Untergrund aus Kies und Beton-Platten sein.
  • Wie sieht der Fußboden aus? Lässt er sich als Stallboden verwenden?
    • Damit Holzfußboden gegen Milben & Co. sowie gegen eindringende Nässe durch die Ausscheidungen der Hühner gewappnet ist, kannst du z. B. einen PVC-Fußbodenbelag auslegen. Bei angemessener Belegung des Stalls und guter Lüftung, bietet aber auch ein geölter Holzboden mit einer guten Schicht Einstreu einen angenehmen natürlichen Untergrund. Um Verletzungen beim Scharren zu vermeiden, dürfen aber keine Nägel, Schrauben oder Splitter herausstehen. Ein Boden aus Stein, Beton, gestampftem Lehm, etc. ist unempfindlich aber sollte im Winter zur Wärmeisolierung mit einer besonders dicken Schicht Streu versehen werden.
  • Welches Material für das Dach?
    • Dachpappe ist günstig und lässt sich leicht anbringen, Dachziegel sind haltbarer, teurer und vor allem schwer (Statik!) Alternative: Trapezblech oder Wellkunststoffplatten.
  • Willst/Hast du die Möglichkeit, Strom (für Beleuchtung, Tränkenwärmer, elektrische Türöffner ) zu verlegen?
  • Hühner brauchen Licht und Luft: Wohin kommen Türen und Fenster? Gibt es eine geeignete Stelle, an der sich eine Hühnerklappe einbauen lässt?
    • Als Anhaltspunkt: die gesamte Fensterfläche sollte mindestens 1/10 der Bodenfläche, eher mehr, entsprechen.
    • Für eine gute Lüftung im oberen Bereich Lüftungsöffnungen einbauen. Dann kann vor allem im Sommer warme Luft oben entweichen und im Idealfall wird kühlere Luft von einer weiter unten liegenden anderen Öffnung nachgezogen – Prinzip Schwerkraftlüftung. Das führt zu einem angenehm trockenen Stallklima und frischer Luft auch im Sommer. Unbedingt den Luftstrom so planen, dass die Hühner auf ihrer Stange keine Zugluft haben.
    • Fenster, die geöffnet werden können, und Lüftungsöffnungen auf jeden Fall mit stabilem Volierendraht gegen Marder, Ratten, Mäuse etc. sichern.
    • Für den Sommer ggf. auch eine raubtiersichere Gittertür für den Eingang und Gittereinsätze für die Fenster vorbereiten, damit auch nach dem Einsperren abends ausreichend Luft in den Stall kommt.
  • Wie kann ich den täglichen Aufwand minimieren?
    • Denke auch daran, dass alle Bereiche des Stalls gut zu säubern sind. Bei kleineren Ställen ist es praktisch, wenn sich das Dach abnehmen lässt, um den Stall bequem reinigen und die Eier entnehmen zu können. Auch bewährt haben sich bei sehr kleinen Ställen Kotbretter, die man wie eine Schublade nach außen ziehen kann oder Legenester, die von außen zu erreichen sind.

DIY-Idee: Wie aus dem Gartenhaus-Bausatz ein Hühnerstall wird

Die Idee, aus einem Gartenhaus-Bausatz einen Hühnerstall zu machen, ist genial wie einfach. Außerdem sparst du Zeit, Geld und Nerven.

Das Gartenhaus

Handelsübliche Gartenhäuschen sind üblicherweise aus Holz und bieten häufig eine perfekte Größe für 5 bis 10 Hühner in der Hobbyhaltung – zu einem günstigen Preis. Zum Lieferumfang gehören typischerweise Fertigelemente oder Holzbohlen, die meist im Nut- und Federsystem zum Korpus des Häuschens schnell aufgebaut werden, sowie ein Boden und eine Dachkonstruktion mit Dachpappe. Extras wie Regenrinne oder Dachschindeln für eine schönere Optik sind als optionales Zubehör erhältlich.

Vom Gartenhaus zum Hühnerparadies

Vom Gartenhaus zum Hühnerstall fehlen noch ein paar Umbauten bzw. Ergänzungen. Folgende letzte Handgriffe sind empfehlenswert:

  • Raubtier- und Schädlingssicherung: Ritzen verschließen z. B. mit Silikon oder Acryl und mit Kalkanstrich streichen, ggf. Gitter/Volierendraht vor Fenster und andere Öffnungen anbringen
  • Belüftung & Isolierung:
    • Je nach Werkstoff (massive Hühnerställe aus Stein haben im Normalfall gute Dämmeigenschaften)
    • Je nach Standort (sonnig, zugig) z. B. Lüftungslöcher unter dem Dach, zusätzliche Fenster einbauen, zum Dämmen kannst du die Wände mit Dämmwolle / Styropor und OSB-Platten verkleiden, sonst picken die Hühner die Dämmung. Aber Achtung, Verschalungen sind ideale Milbenquartiere! Eine Holzgartenhütte muss für gewöhnlich nicht gedämmt werden. Wer es etwas wärmer haben möchte, achtet lieber von Anfang an auf etwas dickeres Holz > 20 mm.
    • Zuglöcher ggf. schließen z. B. mit Holzspachtel oder Silikon/Acryl – frische Luft schadet aber auch nicht, solange es an den Ruheplätzen nicht zieht
  • Ausreichend Legenester aufstellen: ca. 3 bis 5 Hühner können sich ein Legenest teilen
  • Genügend Sitzstangen anbringen: pro Huhn etwa 30 cm Länge einplanen. Für schwere große Hühner außerdem eine Hühnerleiter für Schlafplätze und Nester oberhalb 50 cm Höhe anbringen oder beides weiter unten platzieren.
  • Kotbrett unterhalb der Sitzstangen anbringen, herausnehmbar und mit möglichst glatter Oberfläche für eine leichte Reinigung
  • Hühnerklappe anbringen:
    • Größe je nach Hühnerrasse wählen (ca. 25 x 40 cm)
    • Etwa 25 Zentimeter über dem Stallboden: so scharren die Hühner die Einstreu nicht nach draußen – bodennahe Hühnerklappen bieten den Vorteil, dass der Ein- und Ausstieg für die Hühner schneller und bequemer ist – auch wenn diese von draußen kommend mal schnell im Stall Schutz oder Deckung suchen müssen.
    • Hühnerleiter bei höher gelegenem Hühnereingang nicht vergessen: Dazu ein Brett in der Breite der Hühnerklappe besorgen und in regelmäßigen Abständen dünne Latten aufnageln, um den Hühnern Halt zu geben
    • Hühnerschieber möglichst raubtiersicher gestalten und ggf. mit automatischem Türöffner kombinieren
  • Auslauf einrichten
    • Tipps für die artgerechte Gestaltung des Auslaufs zu einem Hühnerspielplatz findest du hier

DIY-Idee: Gartenhäuser mit Überstand, Freisitz oder Carport lassen sich kinderleicht in eine überdachte Voliere umfunktionieren.

Viele Gartenhäuser haben bereits ein Vordach bzw. einen Überstand oder sogar einen größeren Freisitz bzw. einen geräumigeren Carport. Mit wenig Aufwand kannst du die offenen Seiten mit einem Maschendraht (Maschenweite etwa 1 x 1 Zentimeter) schließen, der vom Boden bis zum Dach gespannt wird. So haben die Hühner auch bei Stallpflicht die Chance auf ein bisschen Frischluft oder sie können sich im eigenen „Wintergarten“ aufhalten, wenn du z. B. mal übers Wochenende verreist und die Hühner nicht in den Auslauf sollen.

Die richtige Auslaufgröße:

Pro Henne solltest du mindestens vier Quadratmeter Auslauffläche einplanen. Für einen dauerhaft begrünten Auslauf muss die Fläche um ein Vielfaches größer sein.

Vorüberlegungen II: Denken wie ein*e Handwerker*in:

Je nachdem, ob du einen fertigen Bausatz mit überwiegend zugesägten und ggf. vormontierten Bauteilen aufbaust oder ob du alles selbst baust, benötigst du verschiedene Werkzeuge.

Hast du alle Werkzeuge, die du benötigst?

  • Eine Kappsäge zum einfachen Kürzen von Brettern – nur bei Eigenbau
  • Eine Stichsäge für den Zuschnitt von Aussparungen – auch bei Fertiggartenhäuschen
  • Eine Bohrmaschine nur bei Steinbauten oder Eigenbau
  • Ein Akkuschrauber erleichtert das Zusammenschrauben ungemein und reicht bei Holzhütten auch zum Bohren
  • Bohrer in verschiedenen Größen
  • Blechschere zum Bearbeiten der Gitter
  • Tacker zum Befestigen der Gitter am Holz – es gehen aber auch Schrauben mit Unterlegscheiben.
  • Schmirgelpapier (Schleifpapier) zum Nachbearbeiten der Holzteile, auch um später Verletzungen der Hühner vorzubeugen

Tipp: Werkzeug lässt sich in vielen Baumärkten leihen.

Ein selbst gebautes Hühnerhaus braucht einiges an Planung und Organisation. Aber es lohnt sich: Du kannst deine eigenen Vorstellungen und Ansprüche umsetzen und im Anschluss mit deinen Hühnern um die Wette chillen. Bei einem guten Gartenhausbausatz und zwei bis vier helfenden Händen lässt sich dein neuer Stall aber auf einer bereits vorbereiteten Bodenplatte schon an einem Tag fertig hinstellen – ohne Anstrich und Extras.

Wer doch bei null beginnen will. Zwei Buchempfehlungen mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen:

                

Falls du doch erstmal Erfahrungen sammeln möchtest, kannst du auch gern für ein paar Wochen einen kleinen Hühnerstamm samt Mobilstall, allem Zubehör, Futter, Einstreu und Anlieferung mieten:

https://www.eierschachteln.de/blog/huehner-mieten-huehnerpatenschaft/

 

 

 

 

 

 

 

 

Merke dir den Beitrag bei Pinterest:

Share
Verwendete Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , ,

1 Kommentar zu „DIY-Hühnerstall aus einem Gartenhaus-Bausatz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*