Ein Gütesiegel erobert Europa: die Biozertifizierung & die Biosiegel

In den letzten zwei Jahrzehnten haben Bioprodukte den Sprung heraus aus der Ökonische in den Mainstream geschafft. Sie sind jetzt nicht mehr nur etwas für Klischee-Ökos, sondern auch für gesundheitsbewusste und moderne Menschen, die gerne genau wissen, was sie essen. Dazu haben nicht zuletzt auch einige Nahrungsmittelskandale beigetragen. Für die einen sind Biolebensmittel daher ein Beitrag zum Klima- und Umweltschutz, für die anderen gesunde, unbedenkliche Nahrungsmittel. In jedem gängigen Supermarkt gibt es mittlerweile eine Auswahl an Bioprodukten. Doch was genau ist „Bio“, was darf sich wirklich so nennen und bekommt die Biozertifizierung und was bedeutet die Umstellung auf Bio für einen landwirtschaftlichen Betrieb?

Was ist „Bio“?

Der Begriff „biologisch“ ist irreführend, da schließlich alle Tiere und Pflanzen letztendlich etwas mit Biologie zu tun haben, auch im konventionell geführten landwirtschaftlichen Betrieb. Deshalb nutzen viele gerne auch Begriffe wie „organischer Landbau“ oder „ökologische Erzeugung“. In Europa geschützt und nur für zertifizierte Bioprodukte zugelassen sind die Begriffe „Öko“, „Bio“ und „aus kontrolliert biologischem Landbau“. Bei dieser Art der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion wird auf synthetische Düngemittel, chemische Pflanzenschutzmittel und gentechnisch veränderte Organismen verzichtet. In der Verarbeitung von Lebensmitteln dürfen außerdem viele künstliche Zusatzstoffe nicht verwendet werden.

Doch Vorsicht: Nicht alles, was mit Natürlichkeit wirbt, ist auch ein organisch erzeugtes Produkt. Produkte, die keine künstlichen Zusatzstoffe enthalten, sind nicht automatisch Biolebensmittel. Label wie „100 % natürlich“ oder „Ohne Konservierungsstoffe“, sagen nichts über die Herkunft oder Erzeugung eines Produktes aus. Auch im Gartenbedarf oder Futtermittelhandel werden mittlerweile häufig solche Begriffe eingesetzt, auch hier ist nur wirklich Bio, was mit einem offiziellen Biosiegel gekennzeichnet ist.

Wann darf ein Landwirt seinen Hof „Biohof“ nennen?

Ein Biosiegel bekommt nur der Landwirt, der seinen Betrieb erfolgreich über den vorgeschriebenen Zeitraum (je nach Produkt 1 bis 3 Jahre) auf ökologischen Landbau umgestellt hat und einen Vertrag mit einer zugelassenen Ökokontrollstelle eingegangen ist. Außerdem muss der Betrieb bei der zuständigen Kammer angemeldet werden und nachweislich nach den vorgeschriebenen ökologischen Grundsätzen wirtschaften. Bis zum Abschluss dieses Umstellungsprozesses darf der Betrieb seine Erzeugnisse mit „Biobetrieb in Umstellung“ kennzeichnen. Vor dem Gesetz gelten sie aber bis zur erfolgreichen Umstellung als konventionelle Ware. Wer zusätzlich einem Anbauverband beitritt, muss außerdem dessen Regelungen für die Umstellung beachten und die teilweise strengeren Anbau- und Herstellungsrichtlinien befolgen.

Einheitliches Siegel für die Europäische Gemeinschaft

Das deutsche sechseckige Biosiegel mit dem Bio-Schriftzug und dem grünen Häkchen wird seit 2010 ergänzt durch das europäische Siegel. Dieses besteht aus einem grünen Rechteck mit einem stilisierten Blatt aus 12 weißen Sternen, die die EG-Mitgliedstaaten symbolisieren. Hinter beiden Siegeln stecken die gleichen Vorschriften, Regelungen und Produktqualitäten. Da viele deutsche Hersteller wissen, dass die Verbraucher weiterhin auf das alte Siegel achten, werden aktuell meist beide Siegel auf Produkten verwendet.

EG-Öko oder Anbauverbände? Was ist der Unterschied?

Zusätzlich zur Landwirtschaft nach den Vorschriften der EG-Ökoverordnung können sich Biobauern Anbauverbänden anschließen. Diese Verbände wie Demeter, Bioland, Naturland oder Biokreis haben innerhalb der EG-Verordnung eigene Richtlinien erstellt, die sich meist noch strenger an ökologische Grundprinzipen orientieren oder sehr spezielle Standards einhalten. So wirtschaften Bauern und Hersteller im Demeterverband nach anthroposophischen Grundsätzen, die der Philosoph und Esoteriker Rudolf Steiner anregte. Bioland achtet besonders auf die Anwendung einer möglichst reinen Kreislaufwirtschaft von Produkten und Nährstoffen, Naturland fördert außerdem einen sozialen Umgang mit Mitarbeitern. Oft sind bei den Verbänden auch Regelungen zur Tierhaltung oder dem Pflanzenschutz mehr auf Artgerechtheit und Umweltverträglichkeit ausgerichtet. Dies unterscheidet sich aber von Verband zu Verband.

Die beiden Biosiegel und die Verbandssiegel kennzeichnen also eindeutig Produkte, die aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft stammen und nach Richtlinien der Ökoverordnung verarbeitet wurden. Egal, ob Futtermittel, Pflanzenschutz oder Lebensmittel für den Endverbraucher: Auf diese Zertifizierung können Käufer und Konsumenten vertrauen.

 

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